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Wohnungseigentümergemeinschaften und Minijobs – Was ist zu beachten?

Die Pflege der Grünanlagen, der Winterdienst oder schlichtweg die Reinigung des Hausflurs: Hauseigentum muss gepflegt werden. Das gilt auch für Mehrfamilienhäuser, in denen sogenannte Wohnungseigentümergemeinschaften beschließen, wie die Instandhaltung des Eigentums ablaufen soll. Häufig erledigen die Wohnungseigentümer diese Aufgaben dann nicht gemeinschaftlich, sondern ein einzelner Miteigentümer führt sie aus. Wir erklären, worauf Wohnungseigentümergemeinschaften bei der Einstellung eines Beschäftigten achten müssen, und beantworten die Frage, ob auch ein Miteigentümer als Minijobber angemeldet werden muss.

Wohnungseigentümergemeinschaften – Liegt ein Minijob im Privathaushalt vor?

Wohnungseigentümergemeinschaften stellen sich häufig die Frage, ob ein Beschäftigter als sogenannter Minijobber im Privathaushalt gilt und damit über das staatlich besonders geförderte Haushaltsscheck-Verfahren gemeldet werden kann.

Bei einer Wohnungseigentümergemeinschaft handelt es sich nicht um einen Privathaushalt. Die Anmeldung eines Minijobbers über das Haushaltsscheck-Verfahren durch die Wohnungseigentümergemeinschaft ist daher nicht möglich. Der Minijobber muss stattdessen über das gewerbliche Melde- und Beitragsverfahren angemeldet werden.

Zu einem Privathaushalt zählt immer nur der eigene, unmittelbare Lebensraum, also die selbst bewohnte, abgeschlossene Wohnung mit den darin lebenden Personen sowie der eigene Garten. Eine Putzhilfe, die ausschließlich die eigene Wohnung reinigt, kann demnach über das Haushaltsscheck-Verfahren gemeldet werden.

Erledigen von Aufgaben durch Miteigentümer – Beschäftigungsverhältnis oder nicht?

Wenn von einer Wohnungseigentümergemeinschaft ein Miteigentümer mit Aufgaben vertraut wird, muss zunächst geprüft werden, ob überhaupt ein Beschäftigungsverhältnis vorliegt. Nur wenn nachfolgende Merkmale erfüllt sind, kann die Beschäftigung ein gewerblicher Minijob sein. Das gilt auch dann, wenn der Miteigentümer als Hausmeister eingesetzt wird.

Merkmale für ein Beschäftigungsverhältnis sind:

  • Es wird der umfassende Tätigkeitsbereich eines Hausmeisters übertragen.
  • Die Art und Weise sowie Umfang der zu erbringenden Arbeiten sind vorgeschrieben.
  • Es besteht eine Weisungsbindung durch die Eigentümergemeinschaft.
  • Die erforderlichen Arbeitsmittel werden von der Wohnungseigentümergemeinschaft zur Verfügung gestellt.
  • Ein Urlaubsanspruch wird vertraglich vereinbart.
  • Der vereinbarte Verdienst wird im Krankheitsfall fortgezahlt.

Aufgepasst: Ausnahmen bestätigen die Regel!

Übernimmt ein Miteigentümer Arbeiten für die Gemeinschaft, kann dies mit oder ohne Verdienst erfolgen. Tätigkeiten, die ohne Verdienst für die Wohnungseigentümergemeinschaft ausgeführt werden, sind sozialversicherungsrechtlich unbedeutend. Sie müssen nicht bei der Minijob-Zentrale gemeldet werden.

Überträgt die Wohnungseigentümergemeinschaft dem Miteigentümer – gegebenenfalls per Beschluss – lediglich Einzelaufgaben wie etwa Gartenpflege, Rasen mähen oder Reinigungsarbeiten, liegt in der Regel kein Beschäftigungsverhältnis vor. Die übertragenen Arbeiten sind vielmehr Teil der Verpflichtungen als Miteigentümer, für die sich der betreffende Wohnungseigentümer regelmäßig auch keine Weisungen erteilen lassen wird. Absprachen unter den Eigentümern oder mit dem Verwalter können grundsätzlich nicht als Weisungsgebundenheit ausgelegt werden. Wird die Tätigkeit des Wohnungseigentümers durch die übrigen Wohnungseigentümer (in der Regel ohne vertraglichen Anspruch) in Form einer finanziellen Zuwendung honoriert, stellt die Zahlung generell keinen Verdienst dar.

Wer schafft Gewissheit im konkreten Einzelfall?

Ist man sich unsicher ob eine Beschäftigung vorliegt oder nicht, kann die Clearingstelle der DRV Bund um eine versicherungsrechtliche Beurteilung gebeten werden. Vorteil bei der Entscheidung durch die Clearingstelle ist, dass deren Entscheidungen für alle beteiligten Sozialversicherungsträger sowie für die Agentur für Arbeit rechtlich bindend sind.

Stellt sich nach der Beurteilung heraus, dass ein Beschäftigungsverhältnis im sozialversicherungsrechtlichen Sinn vorliegt, ist z. B. der Hausmeister bei der Minijob-Zentrale anzumelden.

Wie meldet die Wohnungseigentümergemeinschaft eine Beschäftigung bei der Minijob-Zentrale an?

Bei einer Beschäftigung führt der Arbeitgeber das Melde- und Beitragsverfahren durch. Handelt es sich um einen Minijob, muss die Wohnungseigentümergemeinschaft den Beschäftigten bei der Minijob-Zentrale anmelden.

Die Wohnungseigentümergemeinschaft erstellt somit in ihrer Funktion als Arbeitgeber die Meldungen zur Sozialversicherung, übermittelt die Beitragsnachweise, zahlt die Abgaben und kümmert sich um die Unfallversicherung des Beschäftigten.

Welche Schritte zur erstmaligen Anmeldung eines Minijobbers vorgenommen werden müssen, erklären wir in unserem Blog-Beitrag Minijobber anmelden – was ist zu beachten? (Nachgefragt #24).

Unsere Erklärvideos unterstützen Sie ebenfalls beim Erstellen einer Meldung zur Sozialversicherung oder auch eines Beitragsnachweises.

5 Kommentare zu “Wohnungseigentümergemeinschaften und Minijobs – Was ist zu beachten?”

  1. Hallo danke für die vielen Informationen. Leider kann ich in unserem Fall immer noch nicht genau verstehen was wir bzw wie wir anmelden müssen.
    Wie sind ein Mehrfamilienhaus mit 8 Eigentümern. Nun soll bzw. Möchte gerne ein Eigentümer gegen monatliches Entgelt von ca 200€ die Hausmeistertätigkeiten übernehmen.Er bekommt auch einen Vertrag ( für beider Seiten zur Sicherheit ) mit seinen Aufgaben. Diese reichen von Hecken schneiden , Instandhaltungsarbeiten sowie Rasen mähen, Straße fegen etc…

    Wie handhaben wir dies ? Und wo müssen wir den guten Mann richtig anmelden.. vielen Dank im Voraus

    1. Hallo Mika,

      da Ihr Hausmeister einen Arbeitsvertrag erhält und auch einen Verdienst für seine Tätigkeit gezahlt bekommt gehen wir grundsätzlich von einer Beschäftigung aus. Mit einem regelmäßigen Verdienst von 200 Euro handelt es sich dem Grunde nach um einen 450-Euro-Minijob. Da die Beschäftigung für eine Wohnungseigentümergemeinschaft stattfindet, kann das Haushaltsscheckverfahren keine Anwendung finden. Die Beschäftigung ist dem sogenannten gewerblichen Bereich zuzuordnen. Wie Sie Schritt für Schritt bei der erstmaligen Anmeldung vorgehen müssen, senden wir Ihnen separat per E-Mail zu. So können wir Ihnen gleichzeitig die entsprechenden Links einfügen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Vielen Dank für diese leicht verständlichen und ausführlichen Ausführungen.

    Wenn also ein Miteigentümer z.B. nur die Gartenpflege im Gemeinschaftseigentum übernimmt und alle Kriterien erfüllt sind, dass kein Beschäftsigungsverhältnis entsteht, wie verhält es sich dann mit der Umlagefähigkeit dieser Kosten auf eventuell vorhandene Mieter?

    Und falls die Mieter anteilig an diesen Kosten beteiligt werden können, besteht dann für diese die Möglichkeit, sie als Haushaltsnahe Dienstleistung bei der Steuererklärung abzusetzen, wenn der Zahlung für die Gartenpflege an den Miteigentümer per Überweisung erfolgt?

    1. Hallo,

      vielen Dank für das positive Feedback. Das freut uns sehr.

      Wir bitten jedoch um Ihr Verständnis, dass wir Sie als Minijob-Zentrale nicht zur Umlage von Kosten auf Ihre Mieter bzw. die steuerliche Absetzbarkeit dieser Kosten beraten können. Vielleicht hilft Ihnen die Verordnung über die Aufstellung von Betriebskosten (Betriebskostenverordnung – BetrKV).
      Zu steuerlichen Fragen bitten wir Sie, sich an Ihr zuständiges Finanzamt zu wenden.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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