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Versicherungspflicht in der Rente – So profitieren Minijobber

Absicherung im Alter ist wichtig. Wer von dem vollen Leistungspaket der Rentenversicherung profitieren möchte, sollte seinen Minijob rentenversicherungspflichtig ausüben. Wie Minijobber profitieren und welche Leistungen diese Absicherung in der Rentenversicherung umfasst, erklären wir in diesem Beitrag.

Rentenversicherungspflicht – was bedeutet das?

Zu Beginn einer Beschäftigung sind Minijobber generell rentenversicherungspflichtig. Das heißt, sie zahlen einen eigenen Beitrag zur Rentenversicherung, den der Arbeitgeber monatlich vom Verdienst einbehält. Lässt der Minijobber sich aber von der Versicherungspflicht befreien, entfällt dieser Eigenanteil und die Beschäftigung ist nicht mehr rentenversicherungspflichtig. Dadurch verliert der Minijobber allerdings wesentliche Leistungsansprüche in der Rentenversicherung.

Das sind die Leistungen der Rentenversicherung

Abhängig davon, ob der Minijobber rentenversicherungspflichtig ist oder nicht, entstehen unterschiedliche Leistungsansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung:

1. Wartezeitmonate

Mit den Beiträgen zur Rentenversicherung erwerben Minijobber die Anrechnung ihrer Beschäftigungszeiten für spätere Rentenansprüche. Diese sogenannten Wartezeiten sind Voraussetzung für verschiedene Rentenarten. So ist zum Beispiel die Erfüllung der allgemeinen Wartezeit von 5 Jahren (60 Kalendermonate) eine der Voraussetzungen für eine Regelaltersrente oder auch für eine Rente wegen verminderter Erwerbstätigkeit.

Übt ein gewerblicher Minijobber seinen 450-Euro-Minijob rentenversicherungspflichtig aus und zahlt somit den Eigenanteil in Höhe von 3,6 Prozent seines Verdienstes, werden für eine 12-monatige Beschäftigung auch 12 Wartezeitmonate angerechnet. Im Falle der Befreiung erwirbt er Wartezeitmonate nur anteilig. Für eine 12-monatige Beschäftigung werden ihm bei einem monatlichen Verdienst von 450 Euro dann nur 4 Wartezeitmonate im Rentenkonto gutgeschrieben.

2. Rentenhöhe

Ist der Minijobber rentenversicherungspflichtig, wird der Verdienst nicht nur anteilig, sondern in voller Höhe bei der Berechnung der Rente berücksichtigt. So steigert sich die monatliche Rentenhöhe bei einem durchschnittlichen monatlichen Verdienst von 450 Euro pro Beschäftigungsjahr um circa 4,55 Euro.

Bei Minijobbern, die sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, wirkt sich der Verdienst etwas weniger rentensteigernd aus. Hier erhöht sich die spätere Rente bei einem durchschnittlichen monatlichen Verdienst von 450 Euro pro Beschäftigungsjahr nur um circa 3,67 Euro pro Monat.

3. Riester

Rentenversicherungspflichtige Minijobber erfüllen auch die Voraussetzungen für die staatliche Förderung einer Riester-Rente. Das gilt für sie selbst und auch für den Ehepartner. Schon die Zahlung eines jährlichen Eigenbeitrags in Höhe vom 60 Euro in einen Riester-Vertrag kann ausreichen, um die volle staatliche Zulage zu bekommen. Die Grundzulage beträgt 175 Euro. Zusätzlich gibt es für jedes ab 2008 geborene kindergeldberechtigte Kind die staatliche Kinderzulage von 300 Euro im Jahr. Für Kinder, die vor 2008 geboren wurden, sind es 185 Euro im Jahr.

4. Betriebliche Altersvorsorge

Rentenversicherungspflichtige Minijobber haben ebenfalls Anspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersvorsorge. Sie können ihre Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung unversteuert und sozialabgabenfrei direkt aus dem Bruttogehalt zahlen. Mehr dazu können Sie in unserem Blog „Minijobs und betriebliche Altersvorsorge – So können Sie die Vorteile nutzen!“ lesen.

5. Reha-Leistungen und Übergangsgeld

Arbeitnehmer haben nicht nur einen Anspruch auf Leistungen zur Rehabilitation, sondern grundsätzlich auch auf Übergangsgeld, wenn unmittelbar vor Beginn der Leistung Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung – also auch aus einem rentenversicherungspflichtigen Minijob – gezahlt worden sind.

So hoch sind die Beiträge

Der Arbeitgeber eines gewerblichen Minijobbers zahlt immer einen Pauschalbeitrag in Höhe von 15 Prozent des Verdienstes – unabhängig davon, ob sich der Minijobber von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt oder nicht.

Bleibt der Minijobber rentenversicherungspflichtig, muss er die Differenz zwischen dem vollen Beitragssatz in der Rentenversicherung von 18,6 Prozent und dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers von 15 Prozent selbst aufbringen. Dieser Eigenanteil liegt momentan also bei 3,6 Prozent des Verdienstes.

Bei einem monatlichen Verdienst vom 450 Euro ergeben sich folgende Beiträge für Arbeitgeber und Arbeitnehmer:

Gesamtbeitrag                          450 Euro           x          18,6 Prozent      =          83,70 Euro       

Arbeitgeber-Beitrag                 450 Euro          x          15 Prozent        =          67,50 Euro       

Arbeitnehmer-Beitrag              83,70 Euro      ./.         67,50 Euro        =          16,20 Euro                   

Schon mit einem monatlichen Eigenanteil von 16,20 Euro erwirbt der Minijobber somit das Recht auf das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung.

Der Arbeitgeber zieht den Eigenanteil vom Verdienst des Minijobbers ab und leitet diesen zusammen mit seinen Abgaben an die Minijob-Zentrale weiter. Der Minijobber selbst muss nichts weiter tun.

So klappt die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

Minijobber haben die Möglichkeit, sich durch schriftliche Erklärung gegenüber ihrem Arbeitgeber von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Diese Befreiung wirkt dann ab dem Monat, in dem die Erklärung beim Arbeitgeber eingereicht wurde und gilt bis zum Ende des Minijobs. Sie  kann also später auch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Minijobbern, die sich für eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht entscheiden, empfehlen wir eine individuelle Beratung bezüglich der rentenrechtlichen Auswirkungen der Befreiung bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung einzuholen. Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung ist kostenlos unter der 0800 10004800 zu erreichen. Bitte nach Möglichkeit beim Anruf die Versicherungsnummer der Rentenversicherung bereithalten.

15 Kommentare zu “Versicherungspflicht in der Rente – So profitieren Minijobber”

  1. Hat ein rentenversicherungspflichtiger Minijober bei Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit zusätzlich zu den 6 Wochen Lohnfortzahlung Anspruch auf Übergangsgeld während einer Reha? Also z.B. 6 Wochen Lohnfortzahlung plus Übergangsgeld für die Dauer der Reha?

    1. Hallo,

      ja, auch das Übergangsgeld bei medizinischen Reha-Maßnahmen wird von der Rentenversicherung bezahlt. Ob ein Minijobber Anspruch auf Übergangsgeld hat und wie hoch dieser ausfällt, entscheidet der Rentenversicherungsträger.
      Vielleicht interessieren Sie in diesem Zusammenhang auch die Ausführungen auf unserer Homepage: https://t1p.de/MJZE-Uebergangsgeld

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Hallo Tanja,

      richtig. Lassen Sie sich als Arbeitnehmerin mit einem Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien, gilt diese Befreiung für die gesamte Dauer der Beschäftigung und kann nicht widerrufen werden.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Nachdem ich den Artikel gelesen und richtig verstanden habe, kann meines Erachtens von „profitieren“ keine Rede mehr sein!

    Ein 450,00 Euro Minijobber, der seinen Verdienst rentenversicherungspflichtig anmeldet, dem wird monatlich der Betrag von € 16,20 von seinen 450-Euro Verdienst abgezogen.
    Auf 12 Monate hochgerechnet sind das
    € 194,40/Jahr.
    Nach Erreichen des Rentenalters, erhält er dann pro Monat, € 4,55 mehr Rente. Auf 12 Monate gerechnet, sind das € 54,60/Jahr.

    Hätte er sich nicht verpflichtet, also befreien lassen, wäre monatlich kein Abzug erfolgt und trotzdem hat er immerhin eine um € 3,67 höhere Rente. Wiederum auf 12 Monate gerechnet, sind das € 44,04/Jahr.

    Setze ich nun die beiden Beträge (€ 16,20 und € 4,55 – jeweils pro Monat) in Relation, sind dies ungefähr nur 28% des monatlich an die Rentenversicherung abgeführten Betrages die dem Minijobber sowieso erst nach Renteneintritt zugute kommen.
    Die meisten Minijobber werden aber auf die vollen 450,00 Euro angewiesen sein!

    1. Ja das stimmt, die Rentenhöhe bei der Versicherungspflicht ist wirklich minimal und daher entscheiden sich auch viele gegen die Versicherungspflicht.
      Was keine sagt, ist das die Anwartschaft also Beitragsmonate/Beitragsjahre bei der Versicherungspflicht voll angerechnet werden. Ohne Versicherungspflicht werden nicht alle Arbeitsministerin/Arbeitsjahre angerechnet. So muss man aufpassen die notwendigen Beitragsjahre zur Berentung zu erreichen.
      Hier fehlt jegliche gesetzliche Beratung.
      Ein Termin vor der Entscheidung ist dringend bei der DRV anzuraten.
      * Korrektur Arbeitsministerin soll Arbeitsmonate heißen

    1. Hallo Diana,

      Altersvollrentner, welche die Regelaltersgrenze bereits erreicht haben sind als Minijobber in der Rentenversicherung grundsätzlich versicherungsfrei. In diesem Fall zahlen Sie als Arbeitgeber nur den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung. Ein Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit ist jedoch möglich.

      Hat der Rentner die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht, unterliegt er in einem Minijob grundsätzlich weiterhin Rentenversicherungspflicht. Von dieser kann er sich auf Antrag befreien lassen. Weitere Informationen zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht erhalten Sie auf unserer Homepage unter folgendem Link: https://t1p.de/MJZE-Befreiung-von-der-Rentenversicherungspflicht

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Hallo,

      unabhängig davon, ob bei Aufnahme eines 450-Euro-Minijobs eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung besteht oder nicht, ist der Minijobber versicherungspflichtig in der Rentenversicherung. Er hat jederzeit die Möglichkeit sich für die Zukunft auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Tolle Empfehlung!
    NUR ein zurück zur Rentenversicherungspflicht gibt es beim bestehenden Minijob nicht mehr!
    Man muss seinen Minijobvertrag kündigen eine Anwartschaft von 2 Monaten abwarten und dann, sofern man Glück hat,
    stellt einem das Unternehmen erneut als versicherungspflichtiger Minijobber wieder ein!
    Unglaublich ein solches untragbares gebaren unseres Gesetzgebers!
    Es ist völlig unverständlich weshalb ein Wechsel der Versicherungspflicht bei bestehendem Vertragsverhältnis nicht mehr
    möglich ist.

    1. Wenn Sie die monatlich abgeführten Beträge (jeweils € 16,20); bzw. eventuell noch ein paar Euro drauflegen und sich davon einen Ansparfonds bei der Bank Ihres Vertrauens anlegen, werden Sie u. U. beim Renteneintritt mehr Geld zur Verfügung haben, als bei einer Rückkehr zur Versicherungspflicht.

      1. Rechnen ist nicht das Problem, es geht nicht um den Geldbetrag der ist wirklich vernachlässigbar, es geht um die anrechenbaren Beitragsmonate/Beitragsjahre hier ist der Versicherungspflichtige eindeutig besser gestellt, ergo man erreicht schneller die notwendigen Beitragsjahre und dass ist der eigentliche Skandal, dass nicht einmal die Minijobberzentrale darauf aufmerksam macht!

        1. Ergänzung zum oben erwähnten.

          Wartezeiten für Rente erfüllen

          Durch einen rentenversicherungspflichtigen Minijob sammeln Arbeitnehmer auch Wartezeiten für die Rente. Jeder Monat als Minijobber landet dann auch als Wartezeitmonat auf dem Rentenkonto. Für die verschiedenen Altersrenten (Altersrente für langjährig Versicherte, Regelaltersrente etc.) müssen unterschiedlich viele Wartezeitmonate auf dem Konto zusammengekommen sein. 
          Wer sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt, sammelt zwar auch noch Wartezeiten, aber nicht mehr in vollem Umfang: Je nach Höhe des Verdienstes können Minijobber höchstens ein Drittel der Arbeitsmonate als Wartezeitmonate erwirtschaften. Sie müssten also zum Beispiel bei einem Verdienst von monatlich 450 Euro drei Jahre im Minijob arbeiten, um daraus eine ähnliche Wartezeit zu erhalten wie für ein Jahr mit vollen Rentenversicherungsbeiträgen.

          DAS ist der eigentliche VORTEIL!!!!!

  4. Ob die Differenz von € 0,88 den entscheidenden Ausschlag bei der Rentenhöhe bringt, wage ich zu bezweifeln! Zumal von den 450,– die 16,40 abgehen.

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