Minijob oder Midijob – Was passiert mit der Krankenkasse? (Nachgefragt #20)

Häufig wird Minijobbern von ihren Arbeitgebern angeboten, monatlich mehr als 450 Euro zu verdienen. Frieda aus Mühlacker ist Hausfrau und hat nun ebenfalls die Möglichkeit, ihren Minijob in einen sogenannten Midijob umzuwandeln. Sie ist derzeit bei der Krankenkasse ihres Ehemanns familienversichert und möchte wissen, ob sie sich bei einem Midijob selbst krankenversichern muss? Weiterlesen

Nachgefragt (13): Krankenversicherung für Minijobber

Robin

Robin aus unserem Service-Center

Heute beantworten wir eine Frage, die uns immer wieder von Minijobbern gestellt wird. Es geht um den Krankenversicherungsschutz.

Nachgefragt! von Bärbel aus Bielefeld:

Ich habe seit 1. August einen 450-Euro-Minijob. Jetzt bin ich mir nicht sicher, ob ich dadurch auch automatisch gesetzlich krankenversichert bin. Können Sie mich bitte schlau machen?

Beantwortet! von Robin aus unserem Service-Center:

Hallo Bärbel,

 

aufgrund Ihres Minijobs werden Sie nicht gesetzlich krankenversichert. Es entsteht also kein eigenes Krankenversicherungsverhältnis. Dafür müssten Sie mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Weiterlesen

Neuregelungen bei Minijobs ab 2015

Mindestlohn von 8,50 Euro, neue Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigungen – das Jahr 2015 bringt einige Änderungen für Minijobber und Arbeitgeber mit sich. Hier finden Sie alle Neuerungen zum Jahreswechsel 2014/2015 auf einen Blick: Weiterlesen

Zunehmende finanzielle Bedeutung der Minijobs für die Sozialversicherung

Die Bedeutung der Minijobs für die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Von 2003 bis 2013 wurden im Rahmen der gewerblichen Minijobs für die Renten- und Krankenversicherung fast 58 Milliarden Euro von der Minijob-Zentrale vereinnahmt.

Der jeweilige Jahresgesamtbetrag der aus Minijob-Arbeitsverhältnissen resultierenden Beiträge ist seit 2003 jährlich angewachsen. Mit dem Anstieg der Beitragseinnahmen nimmt auch die finanzielle Bedeutung der Minijobs für die Sozialversicherung weiter zu. Seit 2004 erhöhte sich allein die Summe der eingezogenen Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge von rund 4,0 Mrd. Euro im Jahr 2004 auf ca. 6,6 Mrd. Euro im Jahr 2013. Innerhalb von zehn Jahren erhöhte sich damit das jährliche Beitragsaufkommen um mehr als 60 Prozent.

Diese Einnahmen aus geringfügigen Beschäftigungen kommen beispielsweise den Krankenkassen zugute, ohne dass für den Minijobber durch die Zahlung der Pauschalbeiträge zusätzliche Leistungsansprüche in der gesetzlichen Krankenversicherung entstehen (z.B. Krankengeld). Für Minijobber, die familienversichert sind, kommt die Zahlung der Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung zudem einer Mitfinanzierung des Krankenversicherungsschutzes gleich.

Nach Anhebung der Entgeltgrenze von Minijobs von 400 auf 450 Euro zum Jahreswechsel 2012/2013 und der gleichzeitig erfolgten Einführung der generellen Rentenversicherungspflicht von Minijobbern stieg zudem auch das Beitragsvolumen in der Rentenversicherung deutlich an. Lag die Höhe der eingezogenen Beiträge im Jahr 2012 noch bei 3,4 Mrd. Euro, so konnten im Jahr 2013 bereits fast 3,7 Mrd. Euro vereinnahmt werden.

Höhe der Beitragseinnahmen

Entwicklung der Beitragseinnahmen aus Minijobs bis 2013

Was passiert mit den Beiträgen, die von der Minijob-Zentrale eingezogen werden?

BeitragszahlungDie Minijob-Zentrale behält die eingezogenen Beiträge und Abgaben nicht für sich, sondern leitet diese arbeitstäglich weiter an die Träger der Gesetzlichen Rentenversicherung, den Gesundheitsfonds, das Bundeszentralamt für Steuern und die Bundesagentur für Arbeit. Für diese Dienstleistung erhält die Minijob-Zentrale wiederum von den Sozialversicherungsträgern eine Vergütung und vom Bundesministerium der Finanzen einen jährlichen Zuschuss. Die Bestimmungen hierfür sind geregelt in § 28 I Sozialgesetzbuch Viertes Buch.

Renten- und Krankenversicherungsbeiträge

Die Rentenversicherungsbeiträge werden aufgeteilt zwischen der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV Bund), der Knappschaft-Bahn-See (Bundesanteil) sowie der DRV Mitteldeutschland (Ost) und der DRV Westfalen (West). Das Bundesversicherungsamt verwaltet den Gesundheitsfonds, dem die Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung zugeführt werden. Aus dem Gesundheitsfonds erhalten die Krankenkassen Zuweisungen, mit denen sie ihre Leistungen finanzieren und ihre Verwaltungskosten bestreiten. Auf dem Beitragsnachweis müssen die Arbeitgeber jeweils den Rechtskreis angeben, also ob die Beschäftigung im Ost- oder Westteil unseres Landes ausgeübt wird. Dementsprechend werden die Beiträge entweder dem Ost- oder Westteil unseres Landes zugeordnet und aufgeteilt.

Pauschsteuer

Das Bundeszentralamt für Steuern erhält die vereinnahmten Pauschsteuern. Aus der Gesamtsumme der Pauschsteuer entfallen grundsätzlich 90 Prozent auf die Einkommenssteuer, sowie jeweils 5 Prozent auf den Solidaritätszuschlag und die Kirchensteuer. Anhand der übermittelten Entgeltmeldungen errechnet die Minijob-Zentrale den Verteilungsschlüssel des Einkommenssteueranteils auf die einzelnen Bundesländer. Grundlage hierfür ist der gemeldete Wohnort der Minijobber.

Umlagen

Auch Minijobber haben im Falle einer Insolvenz ihres Arbeitgebers Anspruch auf die Zahlung von Insolvenzgeld durch die Agentur für Arbeit. Deshalb wird auch für Minijobber die Insolvenzgeldumlage erhoben und von der Minijob-Zentrale an die Bundesagentur für Arbeit weitergeleitet. Im Falle einer Erkrankung oder während des Mutterschutzes haben Minijobber – genau wie jeder andere Beschäftigte – Anspruch auf die Fortzahlung ihres Arbeitsentgeltes. Damit die Arbeitgeber nicht übermäßig belastet werden, haben die sie die Möglichkeit, eine Erstattung ihrer Aufwendungen zu erlangen. Die finanziellen Mittel hierfür werden über die Arbeitgeberversicherung in Form der Umlage 1 für Aufwendungen im Krankheitsfall und der Umlage 2 für Aufwendungen bei Schwangerschaft/Mutterschaft aufgebracht.

Säumniszuschläge und Zinsen

Als zuständige Einzugsstelle überwacht die Minijob-Zentrale die pünktliche Beitragszahlung. Gehen die Beiträge nicht bis zum Ablauf des Fälligkeitstages ein, gibt es für die Minijob-Zentrale eine gesetzliche Verpflichtung zur Erhebung von Säumniszuschlägen. Auch diese Säumniszuschläge und Zinsen für Beiträge, etwa im Falle von Stundungen, führen wir an unsere Auftraggeber ab.

Minijobs in den Semesterferien – was Studenten beim Jobben beachten sollten

Studenten - © goodluz / Fotolia.comIn den ersten Bundesländern, so auch in NRW, starten jetzt die Semesterferien. Viele Studenten nutzen die vorlesungsfreie Zeit, um sich etwas Geld zum Studium hinzuzuverdienen. Ob sie für ihre Beschäftigung Beiträge zu den verschiedenen Zweigen der Sozialversicherung zahlen müssen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hier ein kurzer Überblick, was Studenten beachten sollten, wenn sie in den Ferien einen Minijob ausüben oder eine kurzfristige Beschäftigung annehmen:

Studenten, die einen Minijob ausüben, sind in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei, sie selbst müssen keine Beiträge zahlen. Hier führt der Arbeitgeber einen Pauschalbetrag für die Krankenversicherung und Steuer ab.

In der Rentenversicherung sind jedoch Studenten wie auch alle anderen Minijobber, die seit dem 1. Januar 2013 im 450-Euro-Job Geld hinzuverdienen versicherungspflichtig. Der Arbeitgeber zahlt dabei 15 Prozent des Bruttoverdienstes an die Rentenkasse, der Minijobber zahlt die Differenz-von zur Zeit 3,9 Prozent, bis zum vollen Beitragssatz der Rentenversicherung.

Je nachdem, ob Studenten als Minijobber im gewerblichen Bereich arbeiten oder einen Minijob im Privathaushalt ausüben, gelten hier für Arbeitgeber und Minijobber unterschiedliche Beitragsätze: Abgaben für gewerbliche 450-Euro Minijobs

Auf Antrag können sich Studenten auch von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Allerdings verliert man hierdurch einige Vorteile. Denn durch die Versicherungspflicht erwirbt der Student vollwertige Beitragszeiten, die u. a. zur Erfüllung der Anspruchsvoraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente erforderlich sind. Die Versicherungspflicht wirkt sich zudem rentensteigernd aus.

Kurzfristiger Minijob – der typische Ferienjob bei Studenten

Beliebt und am häufigsten ausgeübt sind die so genannten Semesterferien-Jobs. Meist sind diese Jobs kurzfristige Beschäftigungen. Das sind Beschäftigungen, die von vornherein auf nicht mehr als zwei Monate oder 50 Arbeitstage innerhalb eines Kalenderjahrs befristet sind und nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Sie sind – auch für den Arbeitgeber – völlig frei von Sozialabgaben. Die Höhe des Verdiensts ist ohne Bedeutung. Kurzfristige Beschäftigungen zählen im Übrigen auch zu den Minijobs. Hier ist die Minijob-Zentrale der zentrale Ansprechpartner: Kurzfristiger Minijob

Vorsicht: BAföG-Kürzung droht

Beschäftigte Studenten mit einem Minijob müssen aber noch etwas beachten: Das BAföG wurde zum 1. Januar 2013 nicht angepasst! Bevor Studenten einen Nebenjob annehmen, sollten sie sich vom zuständigen BaföG-Amt ausrechnen lassen welches Einkommen anrechnungsfrei ist.