Zuletzt aktualisiert am 17. August 2020

Lesezeit: 7 Minuten

Rentenversicherungspflicht im Minijob: Was ist bei der Befreiung zu beachten?

Minijobber sind rentenversicherungspflichtig und haben dadurch in der Rentenversicherung die gleichen Ansprüche wie alle anderen Beschäftigten auch. Sie haben jedoch die Möglichkeit, sich von der Zahlung eigener Beiträge zu befreien. In diesem Beitrag erklären wir, was Minijobber und Arbeitgeber hierfür tun müssen und was das für die spätere Rente bedeutet.

Wie können sich Minijobber befreien lassen?

Wollen Minijobber keine eigenen Beiträge zahlen und sich von der sogenannten Rentenversicherungspflicht befreien, müssen sie dies bei ihrem Arbeitgeber beantragen. Der Antrag ist schriftlich zu stellen. Ein Muster für den Befreiungsantrag befindet sich auf der Webseite der Minijob-Zentrale.

Worauf muss der Minijobber bei der Befreiung achten?

Soll die Befreiung ab Beschäftigungsbeginn wirken, muss der Minijobber dies im ersten Monat der Beschäftigung beim Arbeitgeber beantragen.

Auch im Verlauf der Beschäftigung kann der Minijobber jederzeit die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragen. Die Befreiung gilt in der Regel ab Beginn des Kalendermonats, in dem der Minijobber den Antrag beim Arbeitgeber einreicht.

Wichtig zu wissen: Die Befreiung von der Rentenversicherungsp?icht ist für die Dauer des Minijobs bindend und kann nicht widerrufen werden. Übt ein Minijobber mehrere Minijobs gleichzeitig aus, gilt der Antrag auf Befreiung einheitlich für alle Minijobs. Über seinen Befreiungsantrag muss der Minijobber alle weiteren – auch zukünftigen – Minijob-Arbeitgeber informieren.

Wie ist die Befreiung der Minijob-Zentrale zu melden?

Liegt dem Arbeitgeber der Befreiungsantrag des Minijobbers vor, hat dieser 6 Wochen bzw. 42 Kalendertage Zeit, um die Befreiung der Minijob-Zentrale zu melden. Meldet der Arbeitgeber der Minijob-Zentrale den Befreiungsantrag erst nach Ablauf der Sechs-Wochen-Frist, verspätet sich auch die Befreiung des Minijobbers.

Der Arbeitgeber muss der Minijob-Zentrale die Befreiung mit der Meldung zur Sozialversicherung mitteilen. Dafür ist in den Meldedaten die Beitragsgruppe zur Rentenversicherung mit der „5“  zu schlüsseln.

Der Befreiungsantrag ist zu den Entgeltunterlagen zu nehmen.

Ab welchem Zeitpunkt der Arbeitgeber die Befreiung zu melden hat, ist abhängig davon, wann der Antrag auf Befreiung bei ihm eingeht.

Beispiel für eine Befreiung ab Beschäftigungsbeginn

Beginn der Beschäftigung:                                               1. März 2020

Eingang des Befreiungsantrags beim Arbeitgeber:      9. März 2020

Der Arbeitgeber übermittelt die SV-Meldung am 10. März 2020 an die Minijob-Zentrale:

Beschäftigungsbeginn:                                                     01032020

Beitragsgruppenschlüssel:                                               X500

Meldegrund:                                                                      10 (Anmeldung)

Der Minijobber hat den Befreiungsantrag im März (Monat der Beschäftigungsaufnahme) gestellt und der Arbeitgeber hat die Meldung zur Sozialversicherung fristgerecht an die Minijob-Zentrale übermittelt – innerhalb von 42 Tagen nach Antragseingang (10. März 2020 bis 20. April 2020).

Die Befreiung wirkt damit rückwirkend ab Beschäftigungsbeginn zum 1. März 2020.

Beispiel für eine Befreiung zu einem späteren Zeitpunkt

Beginn der Beschäftigung:                                          1. Februar 2020

Eingang des Befreiungsantrags beim Arbeitgeber:     16. März 2020

Der Minijobber hat den Befreiungsantrag erst im März gestellt, damit wirkt dieser frühestens ab dem 1. März 2020. Der Arbeitgeber übermittelt die Meldung zur Sozialversicherung am 17. März 2020 an die Minijob-Zentrale. Die bereits erstellte Anmeldung mit dem Beitragsgruppenschlüssel X100 ist mit dem Meldegrund 32 (Abmeldung wegen Wechsel der Beitragsgruppe bei fortbestehendem Beschäftigungsverhältnis) zum 28. Februar 2020 zu beenden. Gleichzeitig wird eine neue Anmeldung mit dem Meldegrund 12 und dem Beitragsgruppenschlüssel X500 ab dem 1. März 2020 erstellt.

Beschäftigungsbeginn:                                                01022020

Beschäftigungsende:                                                   28022020

Beitragsgruppenschlüssel:                                          X100

Meldegrunde:                                                               32 (Abmeldung)

Beschäftigungsbeginn:                                                01032020

Beitragsgruppenschlüssel:                                          X500

Meldegrund:                                                                 12 (Anmeldung)

Der Minijobber hat den Befreiungsantrag im März gestellt und der Arbeitgeber hat die Meldung zur Sozialversicherung fristgerecht an die Minijob-Zentrale übermittelt – innerhalb von 42 Tagen nach Antragseingang (17. März 2020 bis 27. April 2020). Die Befreiung wirkt somit rückwirkend zum 1. März 2020.

Was passiert, wenn der Arbeitgeber die Befreiung verspätet meldet?

Wird die Befreiung vom Arbeitgeber zu spät – also erst nach der 6-Wochen-Frist – übermittelt, wirkt sie später. Die Minijob-Zentrale hat einen Monat nach Eingang der Meldung Zeit, der Befreiung zu widersprechen. An dieser Widerspruchsfrist orientiert sich dann auch der Zeitpunkt des Beginns der Befreiung von der  Rentenversicherungspflicht. Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung sind in diesem Fall erst ab Beginn des Kalendermonats nicht mehr zu zahlen, der dem Kalendermonat folgt, in dem die Widerspruchsfrist endet. Bis dahin bleibt die Beschäftigung rentenversicherungspflichtig.

Beispiel für eine verspätete Meldung

Beginn der Beschäftigung:                                               1. Februar 2020

Eingang des Befreiungsantrags beim Arbeitgeber:         16. März 2020

Der Arbeitgeber übermittelt die Meldung zur Sozialversicherung am 26. Mai 2020 an die Minijob-Zentrale.

Die sechswöchige Meldefrist des Arbeitgebers (= 42 Tage) läuft vom 17. März 2020 bis 27. April 2020

Einmonatige Widerspruchsfrist der Minijob-Zentrale läuft vom 27. Mai 2020 bis 26. Juni 2020

Der Minijobber hat den Befreiungsantrag im März bei seinem Arbeitgeber gestellt, so dass er grundsätzlich ab Beginn dieses Monats hätte befreit werden können. Der Arbeitgeber hat es aber versäumt, die Meldung zur Sozialversicherung fristgerecht an die Minijob-Zentrale zu übermitteln. Damit wirkt die Befreiung erst ab dem 1. Juli 2020 (Beginn des auf den Ablauf der Widerspruchsfrist folgenden Kalendermonats). Bis einschließlich Juni 2020 besteht Rentenversicherungspflicht und für diese Zeit sind volle Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen.

Wie hoch ist der Beitrag des Arbeitgebers nach der Befreiung?

Aktuell beträgt der Beitrag zur Rentenversicherung insgesamt 18,6 Prozent des Verdienstes des Minijobbers. Hat der Minijobber sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, entfällt sein Eigenanteil in Höhe von 3,6 Prozent. Arbeitgeber zahlen unabhängig von der Befreiung einen Pauschalbeitrag in Höhe von 15 Prozent.

Wie wirkt sich die Befreiung auf die spätere Rente aus?

Mit dem Antrag auf Befreiung von der Rentenversicherungspflicht verzichten Minijobber auf das volle Leistungspaket der Rentenversicherung. Der Minijob wird nur in reduziertem Umfang bei der späteren Rente berücksichtigt.

Minijobbern, die sich für die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht entscheiden, empfehlen wir eine individuelle Beratung bezüglich der rentenrechtlichen Auswirkungen der Befreiung bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung einzuholen. Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung ist kostenlos unter der 0800 10004800 zu erreichen. Bitte nach Möglichkeit beim Anruf die Versicherungsnummer der Rentenversicherung bereithalten.

Über die Vorteile der Rentenversicherungspflicht informieren wir in unserem Blogbeitrag „Versicherungspflicht in der Rente – So profitieren Minijobber“.  

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16 Kommentare zu “Rentenversicherungspflicht im Minijob: Was ist bei der Befreiung zu beachten?”

  1. Bin seid Jahren im Minijob mit Rentenzahlung möchte jetzt aber keine mehr leisten da ich auch auf Lohnsteuer Karte arbeite . Mein Minijob Arbeitgeber sagt das geht nicht mehr . Ich muss weiterhin bezahlen . kommt man da nicht mehr raus ?

    1. Hallo,

      wir gehen davon aus, dass Sie Ihren 450-Euro-Minijob nach 2013 aufgenommen haben. Ist dies der Fall, bestand von Beschäftigungsbeginn an Versicherungspflicht in der Rentenversicherung. Als Minijobberin haben Sie somit die Möglichkeit sich jederzeit auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht https://t1p.de/MJZE-Befreiungsantrag-Rentenversicherungspflicht befreien zu lassen. Diesen Antrag stellen Sie gegenüber Ihrem Arbeitgeber, dieser hat die Befreiung bei der Minijob-Zentrale zu melden.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Muss der Befreiungsantrag tatsächlich vollständig ausgefüllt sein? Ist der Antrag ungültig, wenn die Rentenversicherungsnummer und die Betriebsnummer fehlen aber das Datum und beide Unterschriften sind vorhanden? Gibt es dazu evt. etwas schriftliches?

    1. Hallo,

      gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Arbeitnehmer den Befreiungsantrag schriftlich beim Arbeitgeber stellt. Auf dem Antrag müssen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer, der den Befreiungsantrag stellt, eindeutig erkennbar sein. Darüber hinaus ist der Antrag zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht an keine Form gebunden. Die Versicherungsnummer und Betriebsnummer müssen somit nicht zwingend auf dem Befreiungsantrag vorhanden sein. Der von der Minijob-Zentrale zum Download zur Verfügung gestellte Befreiungsantrag ist lediglich ein Mustervordruck und muss nicht verwendet werden.

      Der Arbeitgeber ist jedoch verpflichtet den Tag des Eingangs des Befreiungsantrags zu dokumentieren und den Antrag zu den Entgeltunterlagen des Arbeitnehmers zu nehmen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Möchte meine Befreiung für meinen Minijob ab sofort “kündigen”. Minijob besteht aber weiter. Was ist zu tun, in dem Beitrag hab ich entnommen, dass das nicht möglch ist? Nehme einen weiteren Minijob an, in dem ich keine Befreiung beantragen möchte……..hab ich da ein Problem?

    1. Hallo,

      haben Sie sich als Arbeitnehmer von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, gilt diese Befreiung für die gesamte Dauer der Beschäftigung und kann nicht widerrufen werden. Nehmen sie parallel einen weiteren 450-Euro-Minijob auf, gilt die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht auch für diesen.

      Die Befreiung wird für alle 450-Euro-Minijobs gleichzeitig wirksam und endet erst, wenn kein Minijob mehr besteht.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      1. Ich will die Befreiung nicht widerrufen(rückwirkend), sondern ab z.B. Beispiel 1.11.2020 “kündigen”, weil da auch der neue Minijob beginnt. Beide 450,– Euro Jobs sind gesamt unter 450,–.
        Hab ich da wirklich nur die Möglichkeit mit einer Kündigung meines 1. Minijobs und Wiedereinstellung (hoffentlich von AG Seite aus überhaupt möglich), die Chance das zu ändern? Gibt es da keine andere Lösung?Das ist ja dann sehr einschneidend, weil die Einnahmen einen Zeitraum fehlen, bzw. Risiko w/Wiederanstellung hat man ja auch.

        1. Hallo,

          eine neue “Wahlmöglichkeit” im Rahmen der Rentenversicherung erlangen Sie erst, wenn der erste Minijob für 2 Monate beendet wird oder ein Wechsel in eine versicherungspflichtige Beschäftigung erfolgt. Eine andere Möglichkeit gibt es hier leider nicht.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Hallo Uwe,

      haben Sie als Rentner bereits die Regelaltersgrenze erreicht, sind Sie per Gesetz rentenversicherungsfrei. Ein Befreiungsantrag muss in diesem Fall nicht gestellt werden.
      Anders ist es, wenn Sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben. In diesem Fall müssen Sie eine gewünschte Befreiung beantragen. Bevor Sie sich jedoch hierzu entschließen, empfehlen wir Ihnen, sich bei Ihrem Rentenversicherungsträger über die Vor- und Nachteile einer Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beraten zu lassen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Weil der Gesetzgeber wollte, dass auch für Minijobber mit Befreiung ein Sozialversicherungsbeitrag geleistet wird. Hierfür erhält der Versicherte ja auch Rentenansprüche – wenn auch nicht in dem Umfang wie jemand der zusätzlich eigene Beiträge leistet. Unabhängige Rentenberater können hier gute Beratung leisten

    2. Hallo,

      die Beiträge des Arbeitgebers im Rahmen eines 450-Euro-Minijobs sind gesetzlich geregelt und für alle Minijobber gleich. Für den Arbeitgeber spielt es keine Rolle, ob sich sein Minijobber von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt oder doch lieber eigene Beiträge zahlen möchte. So soll nicht zuletzt auch eine Chancengleichheit zwischen allen Minijobber – mit oder ohne Aufstockung – sichergestellt werden. Die vom Arbeitgeber entrichteten Pauschalabgaben in Höhe von 15 % fließen in jedem Fall in das Rentenkonto des Minijobbers.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Auch ein kompetenter unabhängiger Rentenberater kann – insbesondere wenn auch krankenversicherungsrechtliche oder andere sozialversicherungsrechtliche Bezüge zu beachten sind – unabhängig Beratung leisten!

      1. Unabhängig ist man halt nur, wenn man nicht im Dienst eines Sozialversicherungsträgers steht und derjenige welcher auf unabhängige Beratung wert legt, kann auch nicht erwarten einen Fachmann umsonst zu bekommen.

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