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Minijobber können auch mehr als 450 Euro verdienen

Aufgrund der anhaltenden Corona-Krise kommt es vermehrt vor, dass Arbeitgeber ihre Minijobber häufiger einsetzen als ursprünglich geplant. Führt diese Mehrarbeit zum Überschreiten der monatlichen Verdienstgrenze von 450 Euro, stellt sich die Frage, ob weiterhin ein Minijob vorliegt. Für eine erneute Übergangszeit kann vorübergehend ein viermaliges Überschreiten der monatlichen Verdienstgrenze im Minijob möglich sein. In unserem Blog erklären wir, was Arbeitgeber beachten müssen, wenn ihre Minijobber in einzelnen Monaten mehr als 450 Euro verdienen.

Das Überschreiten der Verdienstgrenze muss gelegentlich und unvorhersehbar sein

Übersteigt der Verdienst des Minijobbers in einzelnen Monaten 450 Euro und liegt der Jahresverdienst dadurch bei über 5.400 Euro, führt das nicht automatisch zur Beendigung des Minijobs. Ein Minijob bleibt auch dann bestehen, wenn der höhere Verdienst gelegentlich und nicht vorhersehbar gezahlt wird. Eine betragsmäßige Obergrenze für das Überschreiten gibt es hierbei nicht.

Die Mehrarbeit des Minijobbers darf also nur gelegentlich und nicht im Voraus vereinbart worden sein. Unvorhersehbare Mehrarbeit kann zum Beispiel durch erkrankte Mitarbeiter oder Mitarbeiter, die aufgrund von Quarantänemaßnahmen ihrer Arbeit nicht nachgehen können, entstehen.

450-Euro-Minijobber profitieren von den Übergangsregelungen bei kurzfristigen Minijobs

Als gelegentlich war bislang – in Anlehnung an die Zeitgrenzen kurzfristiger Beschäftigungen – ein Zeitraum bis zu 3 Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres anzusehen. Die Zeitgrenzen für die kurzfristige Beschäftigung wurden übergangsweise vom 1. März 2021 bis 31. Oktober 2021 von 3 Monaten oder 70 Arbeitstagen auf 4 Monate oder 102 Arbeitstage angehoben. Ausführliche Informationen dazu finden Sie in unserem Blog „Corona: Zeitgrenzen für kurzfristige Minijobs werden erneut ausgeweitet“.

Analog zu der vorübergehenden Erhöhung der Zeitgrenzen bei der kurzfristigen Beschäftigung kann ein gelegentliches Überschreiten der Verdienstgrenze bei 450-Euro-Minijobs für diese Übergangszeit bis zu 4-mal innerhalb eines Zeitjahres erfolgen.

Unvorhersehbar höherer Verdienst in der Zeit vom 1. Juni bis 31.Oktober 2021

Die Möglichkeit des viermaligen nicht vorhersehbaren Überschreitens der Verdienstgrenze gilt allerdings nur für Beschäftigungszeiträume ab Inkrafttreten der Übergangsregelung. Also ab dem 1. Juni 2021. Für davor liegende Beschäftigungszeiträume ergibt sich keine Änderung und es bleibt bei der Möglichkeit des dreimaligen nicht vorhersehbaren Überschreitens der Verdienstgrenze.

Verdient ein Minijobber nach dem oben genannten Datum in den Kalendermonaten Juni bis Oktober 2021 mehr als ursprünglich vorgesehen, ist zu prüfen, wie oft dies innerhalb des letzten Zeitjahres (12-Monats-Zeitraum) geschehen ist. Der 12-Monats-Zeitraum endet immer mit dem Ende des Kalendermonats, in dem ein unvorhersehbares Überschreiten vorliegt und beginnt 12 Monate vorher. Wurde die Verdienstgrenze innerhalb des 12-Monats-Zeitraums in maximal 4 Kalendermonaten nicht vorhersehbar überschritten, liegt ein gelegentliches Überschreiten und damit weiterhin ein Minijob vor.

Beispiel

Ein Minijobber arbeitet seit dem 01.01.2020 gegen ein monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 440 Euro. Im Juni 2021 bittet der Arbeitgeber ihn, vom 01.07. bis zum 31.08.2021 die Vertretung für eine Vollzeitkraft zu übernehmen, die coronabedingt ausgefallen ist. Dadurch erhöht sich der Verdienst im Juli und August 2021 auf monatlich 1.500 Euro.

Der Minijobber hatte bereits im September und Dezember 2020 Krankheitsvertretungen für Vollzeitkräfte übernommen und dadurch in diesen Monaten die monatliche Verdienstgrenze von 450-Euro überschritten.

Ergebnis
Die Beschäftigung des Minijobbers bleibt auch für die Zeit vom 01.07. bis zum 31.08.2021 ein Minijob. Innerhalb des maßgebenden 12-Monats-Zeitraums wurde maximal in 4 Kalendermonaten die Verdienstgrenze nicht vorhersehbar überschritten.

Der 12-Monats-Zeitraum endet immer mit dem Ende des Entgeltabrechnungsmonats, in dem ein unvorhersehbares Überschreiten vorliegt und beginnt 12 Monate vorher. Somit verläuft die Frist für den Monat August 2021 vom 1. September 2020 bis 31. August 2021. Innerhalb dieses Zeitraums hat die Reinigungskraft in 4 Kalendermonaten unvorhersehbar mehr verdient (September und Dezember 2020 sowie Juli und August 2021). Damit liegt ein gelegentliches Überschreiten der Verdienstgrenze vor und es handelt sich weiter um einen Minijob.

Überschreiten der Verdienstgrenze ab November 2021

Die Möglichkeit des viermaligen nicht vorhersehbaren Überschreitens der Verdienstgrenze ist auf die Zeit bis 31. Oktober 2021 begrenzt. Wird die monatliche Verdienstgrenze danach (also ab dem 1. November 2021) überschritten, darf dies nicht in mehr als 3 Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres passieren, damit ein gelegentliches Überschreiten vorliegt.

Fortsetzung des Beispiels

Der Arbeitgeber bittet den Minijobber erneut Ende Oktober 2021, vom 01.11. bis zum 30.11.2021 zusätzlich die Krankheitsvertretung für eine Vollzeitkraft zu übernehmen. Dadurch erhöht sich der Verdienst im Monat November 2021 auf 1.500 Euro. Ab 01.12.2020 werden wieder laufend 440 Euro monatlich gezahlt.

Ergebnis
Die Beschäftigung ist für die Zeit vom 01.11. bis 30.11.2021 kein Minijob mehr, sondern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Der regelmäßige monatliche Verdienst übersteigt unter Berücksichtigung der Krankheitsvertretung im Durchschnitt der Jahresbetrachtung (01.01.2021 bis 31.12.2021) die Verdienstgrenze von 450 Euro.

Innerhalb des maßgebenden 12-Monats-Zeitraums (01.12.2020 bis 30.11.2021) hat bereits in den Monaten Dezember 2020 sowie Juli und August 2021 ein nicht vorhersehbares Überschreiten der Verdienstgrenze vorgelegen. Im Monat November 2021 liegt somit kein gelegentliches (für die Zeit ab 1.11, maximal dreimaliges) Überschreiten der Verdienstgrenze mehr vor.

Ab 01.12.2021 liegt wieder ein Minijob vor, weil der regelmäßige monatliche Verdienst von diesem Zeitpunkt an durchschnittlich 450 Euro nicht übersteigt.

Überschreiten der Verdienstgrenze vor dem 1. Juni 2021

Die Möglichkeit des gelegentlichen viermaligen Überschreitens der Entgeltgrenze wirkt erst ab dem 1. Juni 2021 (dem Tag des Inkrafttretens der Übergangsregelung). Für davor liegende Beschäftigungszeiträume gilt also noch ein maximal dreimaliges Überschreiten der Verdienstgrenze als gelegentlich.

Beispiel

Ein Minijobber arbeitet seit dem 01.01.2020 gegen ein monatliches Arbeitsentgelt in Höhe von 420 Euro. Im Februar 2021 bittet der Arbeitgeber ihn, vom 01.03. bis zum 31.03.2021 die Vertretung für eine Vollzeitkraft zu übernehmen, die sich aufgrund der Corona-Pandemie in Quarantäne befindet. Dadurch erhöht sich der Verdienst im März 2021 auf monatlich 2.000 Euro.

Der Minijobber hat bereits im Jahr 2020 über einen längeren Zeitraum von Juli bis September 2020 die Vertretung einer damals erkrankten Vollzeitkraft übernommen und dadurch in diesen Monaten die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro überschritten.

Ergebnis
Die Beschäftigung des Minijobbers ist für die Zeit vom 01.03. bis 31.03.2021 kein Minijob mehr, sondern eine sozialversicherungspflichte Beschäftigung.

Der regelmäßige monatliche Verdienst übersteigt unter Berücksichtigung der Krankheitsvertretung im Durchschnitt der Jahresbetrachtung (01.01.2021 bis 31.12.2021) die Verdienstgrenze von 450 Euro.

Innerhalb des maßgebenden 12-Monats-Zeitraums (01.04.2020 bis 31.03.2021) hat bereits in den Monaten Juli bis September 2020 ein nicht vorhersehbares Überschreiten der Verdienstgrenze vorgelegen. Im Überschreitungsmonat März 2021 galt noch ein maximal dreimaliges Überschreiten der Entgeltgrenze als gelegentlich. Im Monat März 2021 liegt somit kein gelegentliches Überschreiten der Verdienstgrenze mehr vor.

Ab 01.04.2021 liegt wieder ein Minijob vor, weil der regelmäßige monatliche Verdienst von diesem Zeitpunkt an durchschnittlich 450 Euro nicht übersteigt.

Weitere Informationen zur Verdienstgrenze im Minijob finden Sie in unserem Blogbeitrag „Schwankender Verdienst im Minijob – Worauf Arbeitgeber achten müssen!“.

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Wagert
Wagert
2 Tage zuvor

Hallo,

Arbeitnehmer A (Minijobber) Eintritt bereits 01.01.2020 in einer Apotheke musste wegen der Vorlagen in Deutschland bzgl. Pandemie als Tester tätig werden. Die Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer pro Test € 7,50. Da ein Arbeitnehmer B auch Minijobber im Mai 2021 wegen ungeklärten Gründen ausgefallen ist (unbezahlte Fehlzeit abgerechnet) sind für den Arbeitnehmer A viel mehr Tests angefallen. Weiterhin kann man die Tests ja auch nicht planen.

Also Frage: Arbeitnehmer A hat 416 Tests im Mai abgewickelt und bekommt pro Test 7,50 somit wären das € 3.120,00. Können wir dies für den Monat Mai 2021 weiterhin über MInijobber abrechnen?

Grüße und Danke

Last edited 2 Tage zuvor by Wagert
D.T.
D.T.
3 Tage zuvor

Hallo, 
ich bin in Vollzeit berufstätig und habe seit Juni 2021 eine zusätzliche Minijob-Stelle. Mein Arbeitgeber möchte mich schon diesen Monat länger als geplant einsetzen, da einige Mitarbeiter krankheitsbedingt ausgefallen sind.
Meine Frage: gilt die Jahresgrenze von 5.400€ nur für den Minijob oder wird auch der Hauptverdienst mit angerechnet?

Vielen Dank!

Andreas
Andreas
3 Tage zuvor

Hallo an das tolle Team der minijob-Zentrale,
ich habe eine Frage zum gelegenlichen Überschreiten der 450€ Grenze aus unvorhersehbaren Gründen.
Muss der Mehrverdienst in dem Monat ausbezahlt werden, in dem er erarbeitet wurde?
Beispiel – ich vertrete auf zwei aufeinanderfolgenden Monaten einen kranken Kollegen (es ist absehbar das er länger ausfällt), kann ich mir den Mehrverdienst dann erst nach dem zweiten Vertretungsmonat auszahlen lassen?
Hätte den Vorteil das ich noch für weitere Vertretungen einspringen könnten, damit die Grenze von 3 Mal in einem 12-Monatszeitraum eingehalten wird.
Vielen Dank
Andreas

Elsa
Elsa
6 Tage zuvor

Hallo!
Ich möchte gerne eine Mitarbeiterin anstellen und ihr ein regelmäßiges Gehalt von ( 450€) zahlen. Die Stunden die sie arbeiten wird werden jedoch variieren. Kann ich in so einem Fall ein internes Arbeitszeitkonto führen, sodass sich mögliche Minusstunden mit den Plusstunden des nächsten Monats ausgleichen? Unter Beachtung, dass am Ende des Jahres wieder ausgeglichen ist?

Katrin
Katrin
14 Tage zuvor

Hallo, ich verdiene ca. 430€ im Monat seit mehr als 1 Jahr und lag bisher nie drüber. ab dem 1.7.-31.8. also für 2 Monate soll ich durch die Urlaubszeit mehr arbeiten, ca. 30h /Woche mit insgesamt ca, 1250€ im Monat. Zum 30.9. habe ich allerdings gekündigt da ich danach eine Ausbildung beginne. Sind beide Monate weiterhin als MInijob möglich oder muss mein Arbeitgeber mich szialversicherungspflichtig melden? Bisher bekam ich auch noch Kindergeld – fällt dieses für die beiden Monate dann weg?

Susanne Fischbach
Susanne Fischbach
16 Tage zuvor

Hallo, ich teile meinen Minijob bei 2 Arbeitgeber. Beim Arbeitgeber 1 bekomme ich 320 Euro und bei Arbeitgeber 2 bekomme ich ab Juli 216, 60 Euro.
Habe dadurch 86.60 zuviel…
Wird alles zusammengerechnet oder nur die 86,60 versteuert?

Michael
Michael
22 Tage zuvor

Wie soll denn die kurzfristige Mehrarbeit berechnet werden? Welche Abgabensätze gilt es anzuwenden?

Anja
Anja
23 Tage zuvor

Welcher Zeitraum ist nun für 2021 bindend für kurzfristig und geringfügig: 01.03.2021 bis 31.10.2021 (in diesem Artikel für kurzfristig genannt im 2. Abschnitt) oder wie im anderen Blog-Artikel 01.06.2021 (Siehe Inkrafttreten) bis 31.10.2021 ???

Karl-Heinz Schreiber
Karl-Heinz Schreiber
23 Tage zuvor

wie sieht es mit der Gesamtjahresvergütung von € 5.400 aus.
Ist diese Überschreitung dann auch ok?