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Minijob und betriebliche Altersvorsorge: Änderungen seit 2022

Arbeitgeber müssen Ihren Arbeitnehmern zur betrieblichen Altersversorgung (bAV) einen Arbeitgeberzuschuss zahlen. Seit dem 1. Januar 2022 gilt dies nicht nur für Neuabschlüsse, sondern auch für alle Altverträge einer betrieblichen Altersvorsorge. Hiervon profitieren auch Minijobberinnen und Minijobber. Was das bedeutet und was Arbeitgeber bei der bAV noch beachten müssen, erklären wir in diesem Beitrag. 

Was versteht man unter einer betrieblichen Altersversorgung?

Mit einer betrieblichen Altersvorsorge können sich Beschäftigte eine zusätzliche private Altersvorsorge sichern. Das Wichtigste zusammengefasst: 

  • Rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer – auch Minijobber – dürfen Teile ihres Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge umwandeln (sogenannte Entgeltumwandlung).  
  • Lassen sich Minijobberinnen und Minijobber von der Rentenversicherungspflicht befreien, können sie sich mit ihrem Arbeitgeber ebenfalls auf eine Entgeltumwandlung einigen. 
  • Wenn die Entgeltumwandlung 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung nicht übersteigt, müssen von dem umgewandelten Verdienst keine Beiträge zur Sozialversicherung gezahlt werden. Es gilt unabhängig von dem Ort der Betriebsstätte des Arbeitgebers immer die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung West. Im Jahr 2022 sind das 3.384 Euro jährlich, also 282 Euro im Monat. 
  • Der Arbeitgeberzuschuss beträgt 15 Prozent des umgewandelten Verdienstes, höchstens jedoch die gesparten Sozialabgaben.
  • Eine betriebliche Altersvorsorge ist unter anderem über die Durchführungswege einer Direktzusage, einer Pensionskasse oder eines Pensionsfonds möglich.  

Mehr Informationen zur bAV und den Kosten für die Arbeitgeber sind in unserem Beitrag “Minijobs und betriebliche Altersvorsorge – So können Sie die Vorteile nutzen!” zu finden.

Was ist bei der bAV seit dem 1. Januar 2022 neu?

Bereits seit 2019 können Arbeitgeber den Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge ihrer Arbeitnehmer nicht ablehnen. Seit dem 1. Januar 2022 müssen Arbeitgeber nun aber auch Zuschüsse zu bereits bestehenden Verträgen leisten. Dabei handelt es sich um alle alten Verträge, die bereits vor dem Jahr 2019 geschlossen wurden und den Durchführungsweg einer Direktversicherung, Pensionskasse oder eines Pensionsfonds haben.

Was müssen Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersversorgung noch beachten?

Im Jahr 2022 ist die Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Durch die niedrigere Beitragsbemessungsgrenze sinkt 2022 auch der beitragsfreie Höchstbetrag einer betrieblichen Altersvorsorge. Wichtig ist das für Arbeitnehmer, die den Höchstbetrag der Entgeltumwandlung 2021 voll ausgeschöpft haben – also monatlich 284 Euro in einen Vertrag einer betrieblichen Altersversorgung eingezahlt haben. Dies entspricht 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen  Rentenversicherung West für das Jahr 2021. Seit dem 1. Januar 2022 bleiben nunmehr nur noch monatlich 282 Euro beitragsfrei.

Beispiel:

Beschäftigung in 2022 mit einem monatlichen Verdienst von
500 Euro
Entgeltumwandlung von monatlich

Arbeitgeberzuschuss von 15% der Entgeltumwandlung
280 Euro

42 Euro
Lösung:
laufender Verdienst nach Entgeltumwandlung (500 Euro – 280 Euro)
220 Euro
monatlicher Freibetrag in 2022: 282 Euro
beitragspflichtiger Betrag der Entgeltumwandlung (280 Euro – 282 Euro)

beitragspflichtiger Arbeitgeberzuschuss (280 Euro + 42 Euro – 282 Euro)

0 Euro


40 Euro
Beitragspflichtiger Verdienst260 Euro

Weitere Informationen und eine ausführliche Beratung zur betrieblichen Altersvorsorge erhalten Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei der gesetzlichen Rentenversicherung und auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung.

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Horst
Horst
1 Monat zuvor

Was ist denn bei euch los???
Erstens geht die bAV nur im ersten Dienstverhältnis. Wird also für viele Minijobber nicht möglich sein.
Zweitens wird ein Minijobber, der seinen Job tatsächlich als erstes Dienstverhältnis hat, sich tunlichst überlegen, ob in er eine bAV investiert.
Er hat vermutlich eine so geringe gesetzliche Rente zu erwarten, dass er am Ende sowieso aufgestockt werden muss. Und diese Lücke kann er auch nicht durch Ansparen aus einem Minijob schließen.
Und einen Minijob macht man letztendlich, weil man die Kohle jetzt braucht, und nicht, weil man was für die Zukunft ansparen will.
Also wird das wohl kaum jemand nutzen und nur wenige Arbeitgeber betreffen.
Mal ganz davon abgesehen, dass es gut für die Arbeitnehmer ist, die Möglichkeit zu haben und der Aufwand für den Arbeitgeber PillePalle ist.

B:WAHR
B:WAHR
1 Monat zuvor

Dann werden wir halt keinen Minijobber mehr beschäftigen und den Laden besser auflösen. Unglaublicher Bürokratiewahn. Da blickt keiner mehr durch.

Berni
Berni
Reply to  B:WAHR
1 Monat zuvor

Das ist unglaublich.!!! Einst gepriesen als unbürokratisch, unkompliziert.
Hubertus “Unheil” hat entweder seinen Laden nicht im Griff oder er gaukelt uns etwas vor.

K.G.
K.G.
1 Monat zuvor

Dito, kann mich hier den Meinungen nur anschliessen. Was mal Gut war wird per Gesetz verschlimmbessert, kostet wieder Voll & Teilzeit Arbeitsplätze. Mit teure € kennen wir ja schon, nix Neues bei der Bürgerabzocke, egal welche Branche. MfG.

Heydenreich
Heydenreich
1 Monat zuvor

H

Heydenreich
Heydenreich
Reply to  Heydenreich
1 Monat zuvor

Wenn sich unsere Sozialbürokraten noch mehr Oxer einfallen lassen über die wir springen sollen müssen sie sich nicht wundern wenn die Schwarzarbeit zunimmt.

Ebert
Ebert
1 Monat zuvor

…Schade, das sehe ich genauso wie Herr Piegler!! Höchtwahrscheinlich sind Mini-Jobber gar nicht gewollt!

Riege, Waltraudr
Riege, Waltraudr
Reply to  Ebert
1 Monat zuvor

.. sind schon gewollt – jedoch alle vorangehenden Kommentare treffen den “Kern” der Sache und alles wird komplizierter – es ist zwar schon i.O. wenn Minjober die nicht Rentner sind auch gute versorgt werden können – aber es ist wie erwähnt viel zu kompliziert verwaltungs-mäßig!

Felix Albrecht Piegler
Felix Albrecht Piegler
1 Monat zuvor

Leider wird in Deutschland alles immer nur noch komplizierter. Wenn wir für einen einzigen Minijobber nunmehr einen Steuerberater benötigen, werden wir die Arbeit eben selbst machen und keine Minijobber mehr einstellen. Was mal als wirklich einfache Lösung gedacht war, ist inzwischen zu einem Bürokratiemonster verkommen.

Hannes Kannes
Hannes Kannes
Reply to  Felix Albrecht Piegler
1 Monat zuvor

Was ist den daran kompliziert? Man höt immer nur “MIMIMI” von den Unternehmern. Gäbe es aber eine Zuschussmöglichkeit für den laufenden Wirtschaftsbetrieb, oder ein Bundesbudget, das für bestimmte Arbeitgeber ausgeschüttet wird, oder sonstige Zuschussmöglichkeiten – dann sind keine Bürokratiewege zu kompliziert, um an diese Töpfe zu gelangen. Als Arbeitgeber hat man nun auch Verantwortung für seine Mitarbeiter und auch deren Versorgung. Hier gibt es kein “nach mir die Sinnflut”. Arbeitgeber müssen sich einfach ihrer Verantwortung bewusst werden. Ich sehne Zeiten herbei, in denen Arbeitnehmer sich nicht nur wegen eines bestimmten Bruttogehalts im Bewerbungsprozess entscheiden, sondern auch auf Grund seines Sozialverhaltens und seiner Einstellung zur Mitarbeiter Absicherung und Altersversorgung. Dann wird das Geschreie auch gleich wieder laut wegen “FACHKRÄFTEMANGEL”. Ist dann auch wieder nichts anderes als MIMIMI. Schuld an diesen “komplizierten” Bürokratien sind die Arbeitgeber selbst – weil Sie sich nämlich nie Gedanken über die Absicherung Ihrer Mitarbeiter (ihres KAPITALS) machen. Sie hötten schon längst einen eigenen “unkomplizierten” Weg entwickeln können. Aber nein. Man unterlässt diese Möglichkeit. Sie kostet ja Geld. Folglich muss der Staat einspringen und diese Lücke schließen – und dass dieser nicht jedem UNternehmen eine eigene Maßgeschneiderte Lösung bieten kann, ist doch klar! Ich finde es sehr gut, dass die bAV nun so, wenn auch staatlich geregelt wurde. Unternehmer sind selbst dafür verantwortlich, weil Sie sich selbst keine Lösungen überlegen. Denken immer nur an ihren Gewinn und Eigenvorteil. Diese Zeiten sind vorbei. Auch hier wird eine Zeitenwende eintreffen. Gott sei Dank.