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Zuletzt aktualisiert am 24. Mai 2022

Minijob-Grenze soll auf 520 Euro steigen

Minijobberinnen und Minijobber sollen künftig 520 Euro statt 450 Euro durchschnittlich monatlich verdienen dürfen. Ab dem 1. Oktober 2022 soll sich die Minijob-Grenze an einer Wochenarbeitszeit von 10 Stunden zu Mindestlohnbedingungen orientieren. Die wichtigsten Informationen zu den geplanten Änderungen für Minijobber und Arbeitgeber, finden Sie in diesem Beitrag.

Der Mindestlohn soll sich auf 12 Euro pro Stunde erhöhen

Der Gesetzgeber beabsichtigt eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro je Zeitstunde zum 1. Oktober 2022.

Minijob-Grenze soll auf 520 Euro monatlich angehoben werden

Die Verdienstgrenze im Minijob liegt seit dem Jahr 2013 unverändert bei 450 Euro im Monat. Zukünftig soll die Minijob-Grenze dynamisch und am Mindestlohn ausgerichtet angepasst werden. Das bedeutet, dass sich die Verdienstgrenze künftig an einer wöchentlichen Arbeitszeit von 10 Stunden und am Mindestlohn orientieren soll. Erhöht sich der Mindestlohn, steigt also auch die Minijob-Grenze.

Mit der geplanten Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde wird die Minijob-Grenze zum 1. Oktober 2022 entsprechend auf 520 Euro monatlich erhöht.

Neuregelungen auch beim Überschreiten der Minijob-Verdienstgrenze

Überschreitet der durchschnittliche Monatsverdienst die Minijob-Grenze, liegt kein Minijob mehr vor. Ausgenommen hiervon sind gelegentliche nicht vorhersehbare Überschreitungen. Die Höhe der Verdienste in den Monaten des unvorhersehbaren Überschreitens ist unerheblich. Als gelegentlich wird heute ein Zeitraum von bis zu drei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres angesehen. Diese Regelung ergibt sich bisher ausschließlich aus den Geringfügigkeits-Richtlinien.

Zukünftig soll das unvorhersehbare Überschreiten gesetzlich geregelt werden. Gelegentlich ist dann ein unvorhersehbares Überschreiten bis zu zwei Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres. Darüber hinaus darf die Überschreitung maximal 520 Euro monatlich betragen, so dass auf Jahressicht ein maximaler Verdienst bis zur Höhe des 14-fachen der Minijob-Grenze möglich sein wird. Eine Minijobberin oder ein Minijobber darf also grundsätzlich 6.240 Euro über 12 Monate und in begründetem Ausnahmefall höchstens 7.280 Euro im Jahr verdienen.

Wichtiger Hinweis für Rentner:

Für einige Rentenbezieher gilt in der Rentenversicherung eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze. Mit Erhöhung der Verdienstgrenze im Minijob ab dem 1. Oktober 2022 sollten Rentner diese bei der Ausübung eines Minijobs im Blick haben.
Nach aktuellem Stand wird die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 6.300 Euro für Bezieher einer Rente wegen voller Erwerbsminderung oder der Knappschaftsausgleichsleistung nicht angepasst. Ein gelegentliches unvorhersehbares Überschreiten der Verdienstgrenze im Minijob könnte dazu führen, dass Rentner die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 6.300 Euro überschreiten. Dies würde sich rentenschädlich auswirken. Bei der Knappschaftsausgleichsleistung würde sogar der Anspruch auf diese Rente entfallen.
Für Bezieher einer Altersrente vor Erreichen der Regelaltersgrenze gilt derzeit eine höhere Hinzuverdienstgrenze. Ab dem 1. Januar 2023 beträgt diese nach aktueller Rechtslage auch wieder 6.300 Euro. Mehr dazu können Sie in unserem Beitrag „Minijob neben der Altersvollrente: Höhere Hinzuverdienstgrenze auch in 2022“ lesen.

Midijob-Grenze soll von 1.300 auf 1.600 Euro angehoben werden

Der Gesetzesentwurf sieht auch eine Erhöhung der Grenze für eine Beschäftigung im Übergangsbereich vor. Bisher liegt ein sogenannter Midijob vor, wenn das durchschnittliche monatliche Arbeitsentgelt der Arbeitnehmerin oder des Arbeitnehmers im Übergangsbereich 450,01 Euro bis 1.300 Euro beträgt. Künftig liegt ein Midijob vor, wenn Arbeitnehmer regelmäßig im Monat mehr als 520,00 Euro und maximal 1.600 Euro verdienen. 

Im neuen Übergangsbereich werden Arbeitgeber stärker belastet als heute. Der Beitragsanteil des  Arbeitgebers bzw. der Arbeitgeberin beläuft sich im unteren Bereich des Übergangsbereichs (ab 520,01 Euro) wie bei Minijobs auf ca. 28 Prozent und wird gleitend bis 1.600 Euro auf den regulären Sozialversicherungsbeitrag abgeschmolzen. Midijobber und Midijobberinnen profitieren dadurch, dass der Belastungssprung beim Übergang vom Minijob zum Midijob geglättet wird. Dadurch soll der Anreiz für Minijobber erhöht werden, ihre Arbeitszeit über die Minijob-Grenze hinaus auszuweiten.

Midijobs sind sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen, für die die Krankenkassen zuständig sind und nicht die Minijob-Zentrale.

Hinweis

Bitte beachten Sie, dass bisher lediglich der “Entwurf eines Gesetzes zur Erhöhung des Schutzes durch den gesetzlichen Mindestlohn und zu Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung” vorliegt. Bis zum Abschluss des  Gesetzgebungsverfahren stehen die Neuregelungen unter Vorbehalt. Wir werden Sie aber wie gewohnt über die aktuelle Entwicklung auf unseren Kanälen informieren.

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3 Tage zuvor

Wie sieht es bei bestehenden Soz.vers.Pflichtigen Jobs von 1301 -1600 Euro dann aus.
Werden diese dann zum Midijob ab 01.10.2022 ?

Bernd
Bernd
18 Tage zuvor

Wie sieht es mit bestehenden Midijobs mit einem Gehalt von über 450.- aber unter 520.- aus? Werden diese Tätigkeiten dann zum Minijob?

Last edited 18 Tage zuvor by Bernd
Norbert
Norbert
1 Monat zuvor

Wie sieht das aus bei erwerbsunfähigkeits rente?
Ich darf ja Täglich bis 3 std Arbeiten wenn ich das Gesundheitlich packe
und 450 Euro Nebenbei verdienen zur zeit

pashmak
pashmak
1 Monat zuvor

wenn jemanden bekommt hilfe von jobcenter ,wie die mindestens vertrag darf yu seien?

Elisabeth B.
Elisabeth B.
1 Monat zuvor

Wenn der Monatssatz auf 520,- Euro angehoben wird, ist der Jahresumsatz dann von 5400,- auf 6240,- angehoben. Müsste es eigentlich, aber man weiß ja nie.

Gabriela Beu
Gabriela Beu
1 Monat zuvor

Hallo zusammen,
werden die Zuschläge bei einer geringfügigen Beschäftigung zu der Jahresgrenze dazu gezählt oder bleiben die unberücksichtigt?
Danke

M. aus O.
M. aus O.
1 Monat zuvor

Wie wirken sich die geplanten Verdienstgrenzen für Mini- bzw. Midijob dann bei dem Bezug einer unbefristeten, vollen EM-Rente aus ?

Christoph H.
Christoph H.
1 Monat zuvor

Was passiert, wenn durch die Zahlung einer Jahressonderzahlung die monatliche Grenze, nicht aber die Jahresgrenze überschritten wird? Eine Zahlung von z.B. “Weihnachtsgeld” ist ja kein unvorhersehbares Überschreiten.
Ist der Mitarbeiter dann schon ein Fall für den Midijob?

Ronny
Ronny
1 Monat zuvor

gilt das auch für die Minijobber in Privathaushalten?

Guido
Guido
1 Monat zuvor

Ja, ist mir schon klar, ein Minijob wird als eine ganz tolle Sache angesehen. Tatsächlich ist ein Minijob teurer als ein SV-Pflichtiger. Der Einsatz ist unflexibel. Immer die Überprüfung, ob der Einsatz die Minijobgrenze überschreitet. Die gleiche Prüfung bei jeder Tariferhöhung. Überprüfungen und Zusammenrechnungen von vorhandenen mehreren Minijobs. Ganz ehrlich: schafft den Minijob ab! Installiert von mir aus den Übergangsbereich vom ersten Euro an. Hier muss zwar auch eine Mehrfachbeschäftigung geprüft werden, ist aber immer noch besser als so ein Minijob.

Juliana
Juliana
Reply to  Guido
1 Monat zuvor

so ein Schmarrn…. wir haben bei uns seit Jahren immer mehrere Minijobler im Einsatz und noch nie solch Probleme gehabt…

Kalle
Kalle
1 Monat zuvor

Was wird als “unvorhersehbarem Grund” anerkannt und was nicht ?

Gabi B.
Gabi B.
1 Monat zuvor

Wie ist das mit der Berechnung der Jahresgrenze für 2022, darf ich jeden Minijob ab dem 01.10.2022 neu beurteilen und wenn ja, was ist dem vorangegangenen Teil im Jahr 2022? Gibt es dazu dann Teilberechnungen oder wie läuft das ab?

Messerer
Messerer
1 Monat zuvor

Was passiert mit dezeit SV-Pflichtigen Midijoblern die zwischen € 450,01 und € 520 monatlcih verdienen? Werden diese dann automatich zu geringfüg Beshcäftigten ohne eiengen KV-anspruch und -schutz?

Wolff
Wolff
Reply to  Messerer
1 Monat zuvor

Hierzu wird es Übergangsregelungen geben:
Personen, die am 30. September 2022 mehr als geringfügig beschäftigt sind, und die ab 01.10.2022 die Merkmale einer geringfügigen Beschäftigung erfüllen (also zwischen 451 – 519 Euro verdienen) bleiben in dieser Beschäftigung längstens bis zum 31. Dezember 2023 in der KV/PV versicherungspflichtig – sofern kein Anspruch auf Familienversicherung vorhanden ist.

Die Berechnungsmethode wird ebenfalls während des Bestandsschutzes unverändert bleiben.

Nicole
Nicole
Reply to  Wolff
1 Monat zuvor

Und was passiert ab dem 1.1.2024? Letztendlich gibt es einen bestehenden Midijob-Vertrag. Bei mir arbeitet die Kraft 7 Wochenstunden (2*3,5 h) mit 15 €, rechnerisch 456,25 € im Monat als ambulante Betreuungskraft und ich bekomme den Betrag als Entlastungsleistung und Verhinderungspflege überwiegend erstattet.
Problem wäre dann
1. Der Haushalt wird nicht größer, es ist nicht mehr Arbeit da.
2. Die Arbeitszeit ist an die Kinderbetreuung der Frau angepasst,
3. Bei Minijob verliert die Alleinerziehende Mutter ihre Krankenversicherung obwohl ich einzahle. Sie muss dann selbst zahlen und rutscht so faktisch unter Mindestlohn!!
4. Was sagt das Arbeitsrecht? Ist der Arbeitsvertrag dann ab 1.1.2024 per Gesetz unwirksam? Selbst mit 2 € Lohnerhöhung komme ich nicht auf die 520 €.

Nurane murati
Nurane murati
2 Monate zuvor

Hallo, darf mann 1 monat mehr als 450 verdient