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Minijob neben Kurzarbeit in Zeiten von Corona

Hinweis:
Am 29. Mai 2020 ist das Sozialschutz-Paket II in Kraft getreten. Beim möglichen Hinzuverdienst wurde die Beschränkung auf systemrelevante Berufe aufgehoben. Kurzarbeiter können jetzt einen neuen Minijob in allen Berufen aufnehmen und dabei ihr Kurzarbeitergeld bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens erhöhen. Diese Regelung gilt bis zum 31. Dezember 2020. Die Ausführungen zu diesem Thema in unserem Beitrag sind daher nicht mehr zutreffend. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziale Sicherung erläutert die gesetzliche Änderung bereits ausführlich:
https://www.bmas.de/DE/Schwerpunkte/Informationen-Corona/Kurzarbeit/kurzarbeit.html

Aufgrund der aktuellen Situation rund um das Coronavirus ordnen viele Firmen Kurzarbeit für ihre Arbeitnehmer an. Für Minijobber ist der Bezug von Kurzarbeitergeld aus dem Minijob ausgeschlossen, weil Minijobs in der Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei sind.

Arbeitnehmer, für deren Hauptbeschäftigung Kurzarbeit angemeldet wurde, können daneben einen Minijob ausüben. Allerdings kann sich der Minijob auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes auswirken. Hier muss zwischen zwei Fallkonstellationen unterschieden werden:

1. Der Minijob wird neu aufgenommen

Bei Arbeitnehmern, die in ihrer Hauptbeschäftigung in Kurzarbeit gegangen sind und jetzt bei einer anderen Firma einen Minijob neu aufnehmen, wird der Verdienst aus dem neuen Minijob auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Das bedeutet, dass die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld des Arbeitnehmers um den Verdienst aus dem Minijob gekürzt wird.

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer verdient in seiner Hauptbeschäftigung monatlich normalerweise 3.000 Euro (Sollentgelt). Aufgrund von Kurzarbeit erhält er derzeit monatlich nur 1.800 Euro (Istentgelt) von seinem Arbeitgeber. Ausgangsbetrag für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes ist damit ein Betrag in Höhe von 1.200 Euro (Differenz zwischen dem Sollentgelt von 3.000 Euro und dem Istentgelt von 1.800 Euro).

Der Arbeitnehmer nimmt nun nach Beginn der Kurzarbeit einen Minijob in einem anderen Betrieb auf. In diesem Minijob verdient er 450 Euro monatlich. Diese 450 Euro sind dem monatlichen Verdienst aus der Hauptbeschäftigung hinzuzurechnen. Damit erhöht sich das Istentgelt auf 2.250 Euro (1.800 Euro + 450 Euro). Die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld beläuft sich nach Aufnahme des Minijobs daher nur noch auf 750 Euro (Differenz zwischen dem Sollentgelt von 3.000 Euro und dem Istentgelt von 2.250 Euro).

Beispiel 2:

Ein Arbeitnehmer verdient in seiner Hauptbeschäftigung normalerweise 3.000 Euro (Sollentgelt) monatlich. Derzeit ist die Arbeit in dem Unternehmen vollständig eingestellt. Der Arbeitnehmer ist in „Kurzarbeit null“. Von seinem Arbeitgeber erhält er kein Geld. Ausgangsbetrag für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes ist damit ein Betrag in Höhe von 3.000 Euro.

Der Arbeitnehmer nimmt nun nach Beginn der Kurzarbeit einen Minijob in einem anderen Betrieb auf. In diesem Minijob verdient er 450 Euro monatlich. Diese 450 Euro sind der derzeitige monatliche Verdienst (Istentgelt). Die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld beträgt nach Aufnahme des Minijobs daher noch 2.550 Euro (Differenz zwischen dem Sollentgelt von 3.000 Euro und dem Istentgelt von 450 Euro).

Ausnahmen für Minijobs in einem systemrelevanten Bereich

Wer in einem systemrelevanten Bereich (z. B. im Gesundheitswesen, Apotheke, Landwirtschaft) während der Kurzarbeit einen Minijob aufnimmt, bei dem wird der Verdienst nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Voraussetzung ist jedoch, dass der aus der Hauptbeschäftigung noch gezahlte Verdienst zusammen mit dem Kurzarbeitergeld und dem Verdienst aus dem Minijob das normale Bruttoeinkommen nicht übersteigt. Dies wurde am 23. März 2020 vom Bundeskabinett im Rahmen des milliardenschweren Maßnahmenpakets beschlossen. Noch in dieser Woche soll dies von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

2. Der Minijob bestand schon vor Beginn der Kurzarbeit in der Hauptbeschäftigung

Bei Arbeitnehmern, die bereits vor der Kurzarbeit einen Minijob neben ihrer Hauptbeschäftigung ausgeübt haben und diesen lediglich fortsetzen, ist die Situation eine andere. Diese Arbeitnehmer können ihren Minijob fortführen, ohne dass es Abzüge beim Kurzarbeitergeld gibt. Die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld wird nicht um den Verdienst aus dem Minijob gekürzt.

Eine Mindestbeschäftigungszeit im Minijob vor Beginn der Kurzarbeit ist hierbei nicht erforderlich.

Beispiel 3:

Ein Arbeitnehmer verdient in seiner Hauptbeschäftigung normalerweise monatlich 3.000 Euro (Sollentgelt). Derzeit ist die Arbeit in dem Unternehmen vollständig eingestellt. Der Arbeitnehmer ist in „Kurzarbeit null“. Von seinem Arbeitgeber erhält er kein Geld. Ausgangsbetrag für die Berechnung des Kurzarbeitergeldes ist damit ein Betrag in Höhe von 3.000 Euro.

Aus seinem schon länger bestehenden Minijob hat er einen gleichbleibenden monatlichen Verdienst in Höhe von 450 Euro. Der Verdienst aus dem Minijob wird nicht angerechnet, da der Minijob bereits seit längerem besteht. Die Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld beträgt unverändert 3.000 Euro.

Fortführung Beispiel 3:

Der Minijob-Arbeitgeber fragt seinen Minijobber nun, ob er aufgrund der momentanen Lage im Minijob mehr arbeiten kommen könnte. Im Blog der Minijob-Zentrale hat er gelesen, dass bei Mehrarbeit wegen Corona die zulässige Entgeltgrenze für einen 450 Euro-Minijob überschritten werden darf, da es sich um ein gelegentliches unvorhergesehenes Überschreiten handelt.

Dies ist möglich. Der Verdienst aus dem Minijob wird nach den Ausführungen der Bundesagentur für Arbeit in den „Hinweisen zum Antragsverfahren Kurzarbeitergeld (Kug) und Transfer- Kurzarbeitergeld (T-Kug)“ auch dann nicht bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes berücksichtigt, wenn sich der Verdienst aus dem Minijob während der Kurzarbeit erhöht.

Hinweis:

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, über die Höhe des Verdienstes einen schriftlichen Nachweis zu führen. Dieser Nachweis ist dem Antrag auf Kurzarbeitergeld hinzuzufügen.

Anmerkung:
Liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs,
soweit es uns möglich ist, beantworten wir gerne alle Ihre Fragen. Wir bitten Sie zu berücksichtigen, dass wir ein Sozialversicherungsträger sind und unsere Kernkompetenz somit im Bereich des Sozialversicherungsrechts liegt. Bei arbeitsrechtlichen Fragen haben wir nur die Möglichkeit über gesetzliche Regelungen zu informieren. Wir dürfen weder zu diesen Themen beraten, noch Hinweise über die praktische Umsetzung geben.
Zu arbeitsrechtlichen Fragen informiert das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Dieses erreichen Sie montags bis donnerstags zwischen 8:00 und 20:00 Uhr unter der Rufnummer 030 221 911 004. Im Zusammenhang mit dem Coronavirus hat das BMAS auch einen Fragen- und Antwortenkatalog zu arbeitsrechtlichen Fragen veröffentlicht.

Weitere Informationen zum Thema:

Coronavirus und Minijob – Ihre Fragen an uns im Blog der Minijob-Zentrale

Kein Kurzarbeitergeld für Minijobber auf der Internetseite der Minijob-Zentrale

Arbeits- und arbeitsschutzrechtliche Fragen zum Coronavirus (SARS-CoV-2) auf der Internetseite des BMAS

Informationen zum Kurzarbeitergeld auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit

114 Kommentare zu “Minijob neben Kurzarbeit in Zeiten von Corona”

  1. Guten Tag,
    darf ein Unternehmen, wenn es Kurzarbeit angemeldet hat, ausschließlich die Personen in Voll- und Teilzeit beschäftigen, die von der Kurzarbeit betroffen sind, oder kann das Unternehmen zusätzlich auch weiterhin Arbeit an Minijobber vergeben, die bereits für die Firma angemeldet sind?
    Freundliche Grüße

    1. Hallo,

      in ihren Informationen für Unternehmen zum Kurzarbeitergeld sagt die Bundesagentur für Arbeit hierzu Folgendes:
      „Anspruch auf KUG besteht, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben.“ https://t1p.de/BfA-Corona-Kurzarbeitergeld

      Da das Kurzarbeitergeld eine Leistung der Agentur für Arbeit ist, bitte wir Sie daher, Ihre Frage an die zuständige Agentur für Arbeit zu richten.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Guten Tag,

    bei uns kommt voraussichtlich ab 01.07.2020 Kurzarbeit.

    Was ist wenn ich z. B. zum 01.06. oder 15.06.2020 einen Minijob anfange. Wird dieser dann nun angegerechnet?

    1. Guten Tag,

      haben Sie Ihren Minijob bereits vor dem Eintritt der Kurzarbeit begonnen, erfolgt keine Abrechnung. Wie lange der Minijob vorher bereits bestand, ist hierbei nicht relevant.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Guten Tag,

    entschuldigt, ich steige einfach nicht ganz durch.
    Ab Juli bin ich in Kurzarbeit, verdiene aktuell 2500 Brutto, in Kurzarbeit arbeite ich gar nicht mehr und bekäme dann ja 60% (vom Netto der Brutto Gehalt?) – vom Netto wären es ja ca 1000 die übrig bleiben – deutlich zu wenig.

    Wenn ich jetzt einen Nebenjob annehmen möchte, bedeutet dass, dass der mit verrechnet wird oder eben nicht? Und was würde übrig bleiben bei einem 450 Euro Job?

    Freundlichen Grüße
    Lina Hermans

    1. Hallo Lina,

      Kurzarbeitergeld ist eine Leistung, die von der Agentur für Arbeit ausgezahlt wird. Auf Ihre Frage zur Höhe des Kurzarbeitergeld antwortet diese wie folgt:

      Die gesetzliche Grundlage bildet der § 105 SGB III. Danach gilt:
      – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent des während der Kurzarbeit ausgefallenen Nettolohns
      – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die mindestens 1 Kind haben, bekommen 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.

      Grundsätzlich wird der Verdienst aus einem Minijob, welcher während des Bezuges von Kurzarbeitergeld aufgenommen wird, auf dieses angerechnet. Momentan gelten jedoch aufgrund der Corona-Krise in vielen Bereichen Sonderreglungen. Ob Ihr Verdienst aus einem neu aufgenommenen Minijob daher auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird bitten wir Sie, bei der zuständigen Agentur für Arbeit als auszahlende Behörde zu erfragen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    2. Auf der Internetseite der Bundesregierung ist zu lesen: „Die Hinzuverdienstmöglichkeiten für Kurzarbeizer werden ausgeweitet: Ab 1. Mai dürfen sie in allen Berufen bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens hinzuverdienen. Die Beschränkung auf systemrelevante Berufe wird aufgehoben. Die Regelungen gelten bis Jahresende.“ (Stand 15. Mai 2020) Es ist erstaunlich, dass weder die Minijob-Zentrale noch die Bundesagentur für Arbeit hiervon Kenntnis zu haben scheint, obwohl der Bundestag und der Bundesrat (am 15.02.2020) diese Änderung zugestimmt haben.

      1. Hallo Neffe,

        diese Neuregelung ist ein Bestandteil des Sozialschutzpaketes II der Bundesregierung. Der dazugehörige Gesetzentwurf wurde am 15. Mai 2020 vom Bundesrat bestätigt. Das Gesetzgebungsverfahren ist hiermit jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen.

        Der Gesetzentwurf wird in Kürze im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und erst dann in Kraft treten. Sobald dies erfolgt ist, werden wir in unseren öffentlichen Kanälen hierüber informieren.

        Unter folgendem Link finden Sie die aktuellen Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zu diesem Thema: https://t1p.de/BMAS-Sozialschutzpaket-II

        Freundliche Grüße

        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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