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Zuletzt aktualisiert am 3. Dezember 2020

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2021: Mindestlohn steigt auch im Minijob stufenweise

Im kommenden Jahr steigt der gesetzliche Mindestlohn erneut. Von derzeit 9,35 Euro wird er zum 1. Januar 2021 auf 9,50 Euro erhöht. Insgesamt steigt der Mindestlohn bis zum 1. Juli 2022 in einem 4-Stufen-Modell bis auf 10,45 Euro. Davon profitieren auch Minijobber. Was für Arbeitgeber und Minijobber wichtig ist, erklären wir in diesem Beitrag.

Mindestlohn auch für Minijobber

Seit Januar 2015 gilt in Deutschland bundesweit ein gesetzlicher Mindestlohn. Arbeitgeber sind grundsätzlich verpflichtet, ihren Arbeitnehmern mindestens den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Dies gilt natürlich auch für einen Minijob.

Wer beschließt die Erhöhung des Mindestlohns?

Im Mindestlohngesetz ist vorgesehen, dass der bundesweite Mindestlohn turnusmäßig angepasst wird. Hierzu hat der Gesetzgeber eine Kommission eingerichtet – die sogenannte Mindestlohnkommission. Diese besteht aus Vertretern der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Wissenschaft.

Die aktuelle Anpassung wurde bereits im Juni 2020 von der Mindestlohnkommission beschlossen. Sie orientiert sich an der derzeitigen Tarifentwicklung, berücksichtigt aber auch die wirtschaftlichen Unsicherheiten der Corona-Krise. Die vorgesehene vierstufige Anhebung soll die Situation der Arbeitnehmer in den nächsten zwei Jahren stetig verbessern und für Arbeitgeber die Steigerung der Lohnkosten tragbar verteilen. 

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Entwicklung des Mindestlohns bis Juli 2022

Der gesetzliche Mindestlohn wird in den nächsten beiden Jahren stufenweise erhöht. In vier Schritten steigt der mindestens zu zahlende Stundenlohn an. Es gelten bundesweit die folgenden Mindestlöhne:

StichtagErhöhung auf
1. Januar 20219,50 Euro
1. Juli 20219,60 Euro
1. Januar 20229,82 Euro
1. Juli 202210,45 Euro

Neuer Mindestlohn – Was heißt das für den Minijob?

Ein 450-Euro-Minijob liegt vor, wenn der Verdienst durchschnittlich im Monat 450 Euro nicht überschreitet. Für einen Minijobber, dem der gesetzliche Mindestlohn gezahlt wird und bereits jetzt die Minijob-Grenze voll ausschöpft, kann die Beschäftigung durch die Erhöhung des Stundenlohns sozialversicherungspflichtig werden. Das monatliche Arbeitsentgelt liegt bei gleicher Arbeitszeit dann schnell oberhalb von 450 Euro.

Soll die Beschäftigung weiterhin ein Minijob bleiben, muss die monatliche Arbeitszeit reduziert werden. Der Minijobber kann ab Januar 2021 nur noch rund 47 Stunden monatlich (= 450 Euro/Monat: 9,50 Euro/Stunde) beschäftigt werden. Im Jahr 2020 liegt der Vergleichswert bei ca. 48 Stunden pro Monat. Diese Berechnung unterstellt, dass dem Minijobber lediglich die Arbeitsstunden vergütet werden und keine Einmalzahlungen, wie z. B. Weihnachtsgeld, zustehen. 

Nach der stufenweisen Erhöhung des Mindestlohns gelten die folgenden maximalen Arbeitszeiten für einen Arbeitnehmer in einem Minijob: 

StichtagMaximale Arbeitszeit 
ab 1. Januar 202147,37 Stunden pro Monat
ab 1. Juli 202146,88 Stunden pro Monat
ab 1. Januar 202245,82 Stunden pro Monat
ab 1. Juli 202243,06 Stunden pro Monat

Überschreitet der durchschnittliche monatliche Verdienst durch den höheren Mindestlohn die Grenze von 450 Euro, liegt eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor. Diese Beschäftigung muss dann bei der Minijob-Zentrale abgemeldet werden. Dann ist die gesetzliche Krankenkasse des Arbeitnehmers der richtige Ansprechpartner für den Arbeitgeber.

Wie sich der gesetzliche Mindestlohn auf die Höhe des Verdienstes und die Stundenzahl auswirkt, kann man übrigens auch ganz leicht mit dem Mindestlohn-Rechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) ausrechnen. Den Mindestlohn-Rechner gibt es hier.

Mehr zum Thema

Ausführliche Informationen rund um das Thema Mindestlohn finden Sie auf der Homepage der Minijob-Zentrale und auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Für konkrete Fragen zum Mindestlohn, hat das BMAS eine Mindestlohn-Hotline unter 030/ 60 28 00 28 eingerichtet.

Auch auf den Webseiten der Mindestlohnkommission und beim Zoll gibt es viele hilfreiche Infos für Arbeitnehmer und Arbeitgeber rund um den Mindestlohn.

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16 Kommentare zu “2021: Mindestlohn steigt auch im Minijob stufenweise”

  1. Erhöhung der Minijob-Grenze auf 600 Euro

    Für Unternehmen ist die 450 Euro Grenze zu gering und ein großes Problem.
    Eine Lohnerhöhung führt zu einer kürzeren Arbeitszeit, unabhängig vom Mindestlohn.
    Eine Firma braucht ihre eingearbeiteten Mitarbeiter.
    Für Frauen und Mütter ist es wichtig, eine angemessene Entlohnung zu erhalten.
    Die “Minijob-Falle”
    Die Mindestlohnkommission sollte hier eine Entscheidung treffen.

    Aloysius

  2. Toll!!!
    Die Politik spaltet die Gesellschaft immer weiter.
    10 Cent Lohnerhöhung pro Stunde für den Mini-Jop.
    >100 Cent Lohnerhöhung für die Niedriglohnverdienenden des öffentlichen-Dienstes.

    Das, “Die Politik sich den Staat zur Beute gemacht hat”, sagte Richard von Weizsäcker in seinem Buch “Die deutsche Geschichte geht weiter” schon 1983.

    1. Die geringfügige Beschäftigung ist ein Arbeitsverhältnis wie jedes andere. Also gelten auch hier die Regelungen für Urlaub oder Arbeitsunfähigkeit. Ansprüche auf Lohnfortzahlung sind somit auch beim Minijob gegeben.
      Mein persönlicher Kommentar: Diese selbstverständlichen Regelungen und Ansprüche werden oftmals leider nicht erfüllt :-(

    2. Hallo Leo,

      im Rahmen eines Minijobs haben Sie Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Nach- oder vorarbeiten müssen Sie diese Zeiten nicht.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Die Arbeitgebernebenkosten für sozialversicherungspflichtige Mitarbeitenden betragen ca. 20,435 %.
    Die Arbeitgebernebenkosten für Minijobs betragen 30,250 %.
    Wenn die Mitarbeitenden richtig eingruppiert und alle Rechte (Urlaub, Entgeltfortzahlung, Einmalzahlungen, …) korrekt bezahlt werden, sind Minijobs um fast 10 % teurer!

  4. Da der Mindestlohn wieder steigt, ohne das die Verdienstgrenze des Mini Jobs erhöht wird, finde ich nicht gerecht gegenüber den Teil oder Vollzeitbeschäftigten.
    Wir haben doch so was wie ein Gleichstellungsgesetz wo es heißt das man keinen benachteiligen darf. Mini Jobs Mitarbeiter sind aber leider benachteiligt. Sie kommen nicht in den Genuss bei einer Lohnerhöhung mehr Geld zu erhalten. Sie brauchen leider nur wieder ein bisschen weniger zu arbeiten. Mehr Geld in der Tasche wäre Ihnen aber lieber. Auch für uns Arbeitgeber ist es sehr wünschenswert die Verdienstgrenze beim Mini Job endlich auch mal wieder anzuheben.
    Falls von unserer Regierung keine Mini Jobs mehr gewünscht werden sollen sie dies doch auch sagen.
    Es wird immer schwieriger Personal zu bekommen. Wenn man aber einige Mini Job Mitarbeiter hat (weil diese keine Teilzeitbeschäftigung wollen) wird dies immer schwieriger Verkaufszeiten zu besetzen. Es wäre meine Bitte dies an die Politik weiterzugeben, oder können Sie mir eine Stelle sagen bei der man mit dem Anliegen die Grenze der Mini Jobs zu erhöhen richtig ist.
    Mit Freundlichem Gruß
    Pinzinger Martina

    1. Hallo Frau Pinzinger,

      es ist richtig, dass die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro trotz der Erhöhung des Mindestlohns unverändert bleibt.

      Wir als Minijob-Zentrale sind hier an die gesetzlichen Bestimmungen gebunden und haben insofern keinen Einfluss auf den Gesetzgeber. Um eine Erhöhung der Verdienstgrenze für 450-Euro-Minijobs durchzusetzen, ist eine Änderung der gesetzlichen Grundlage im Sozialgesetzbuch notwendig. Ansprechpartner für Anliegen, die sozialversicherungsrechtliche Regelungen betreffen, ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      1. Hallo, das Wort “MINI”-Job sagt, dass es nur mini ist und nicht maxi. Mitarbeiter zu bekommen ist nicht immer leicht, aber wer es nicht maxi machen will, der weiß warum. Und als Steigerung nach dem Minijob gibt es den “MIDI-Job”, da sind die Abzüge für den Arbeitnehmer niedriger als beim regulären Job, das ist dafür da, dass jemand mehr als 450 EUR erarbeiten will. Das System Minijob ist arbeitnehmerfreundlich gedacht, es soll auch nicht den regulären Arbeitsplatz ersetzen, es ist etwas “dazu”. Und nebenbei ist es halt auch für Arbeitgeber durch pauschale Beiträge interessant. Der Arbeitnehmer kostet weniger als ein regulärer Beschäftigter.

        Der Kommentar von Frank ist sehr plausibel.

        So verstehe ich dies.
        daggi

        1. Hallo “daggi”.
          Sicher ist es richtig, dass der Minijob nicht den “regulären” also SV-pflichtigen Job ersetzen soll.
          Das ist auch von keinem vernünftigen Arbeitgeber gewollt.

          Aber zu behaupten, dass der Minijob per se für den Arbeitgeber kostengünstiger sei, als der SV-pflichtige Job, ist schlicht falsch. Beim Minijob werden 30% pauschale Beiträge fällig; beim SV-pflichtigen Job sind es ca. 20%. Und bevor in diese Richtung argumentiert wird: auch der Minijobber hat Anspruch auf die sonstigen Leistungen, wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch, etc.

          Ich stimme Frau Pinzinger zu, dass es wenig Sinn macht, die Mindestlöhne zu erhöhen, ohne gleichzeitig auch die Minijob-Obergrenze anzupassen. In der Konsequenz heißt das nämlich nur: weniger Stunden pro Monat, bei gleichem Geld.

          Will die Politik (was ein Hubertus Heil ja nicht Müde wird, in die Kameras zu behaupten), dass die Minijobber “mehr in der Tasche haben” – warum erhöht er dann nicht die Obergrenze? Ein Minijobber, der jetzt 450 EUR im Monat hinzuverdient, wird auch bei 20 oder 30 EUR Stundenlohn nur 450 EUR im Monat verdienen können/dürfen.

          Will die Politik die Vermehrung von Minijobs eindämmen, dann ist auch hier das probate Mittel, die Obergrenze zu erhöhen; die “einseitige” Erhöhung des Mindestlohnes ist dabei kontraproduktiv:
          der Arbeitgeber benötigt X Arbeitsstunden – darf ein Minijobber weniger Stunden leisten, braucht der Arbeitgeber mehr Minijobber. Das sollte sogar ein Herr Heil ausrechnen können…

          Bleibt gesund!
          Hartmut

    2. Hallo, dafür haben Minijobber den Stundenlohn “Brutto für Netto” (je nachdem, ob mit RV Aufstockung oder nicht) Das ist gegenüber einem sozialversicherungspflichtigen auch nicht korrekt! Verdient man 450,01 EUR bleiben einem von den 9,50 EUR nur noch 7 Euro irgendwas. Bei 450,00 EUR bleibt es bei den 9,50 EUR! Das ist auch nicht “gerecht”

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