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Hauptbeschäftigung und Minijob beim gleichen Arbeitgeber – Geht das?

Grundsätzlich kann ein Arbeitnehmer neben seiner Hauptbeschäftigung einen 450-Euro-Minijob ausüben. Doch was gilt, wenn der Arbeitgeber beider Jobs ein und dieselbe Person ist? Wie wirkt sich das auf die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung des Minijobs aus? Liegt weiterhin ein Minijob vor? Diese Fragen klären wir in unserem Beitrag.

Wann liegt ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor?

Hat ein Arbeitnehmer mehrere Jobs bei demselben Arbeitgeber sind diese sozialversicherungsrechtlich immer als Einheit zu betrachten. Man spricht in diesem Fall von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis.

Für die Beurteilung, ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vorliegt, ist ausschließlich die sogenannte Arbeitgeberidentität zu prüfen. Die Art der jeweils ausgeübten Tätigkeit spielt hierbei keine Rolle.

Arbeitgeber können sein:

  • natürliche Personen (z. B. Privatpersonen, eingetragener Kaufmann/eingetragene Kauffrau)
  • juristische Personen des privaten Rechts (z. B. GmbH, e.V.),
  • juristische Personen des öffentlichen Rechts (z. B. Körperschaft oder Anstalt des öffentlichen Rechts) oder
  • Personengesellschaften (z. B. Kommanditgesellschaft, Gesellschaft bürgerlichen Rechts).

Hat ein Arbeitgeber mehrere Betriebe, ist immer von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen, unabhängig davon, in welchen Betrieben oder Betriebsstellen die jeweilige Beschäftigung ausgeübt wird. Hierbei ist es auch unerheblich, ob es sich um organisatorisch selbstständige oder unselbstständige Betriebe bzw. Betriebsteile handelt. Entscheidend ist allein, dass es sich nach den vorgenannten Merkmalen rechtlich um ein und denselben Arbeitgeber, das heißt um ein und dieselbe natürliche oder juristische Person bzw. Personengesellschaft handelt.

Beispiel 1:
Ein freiberuflich selbständiger Rechtsanwalt (Einzelunternehmer) beschäftigt eine Arbeitnehmerin sowohl als Sekretärin in seiner Kanzlei als auch als Haushaltshilfe in seiner privaten Wohnung.
Der Rechtsanwalt als Arbeitgeber ist eine natürliche Person, die nicht  für den Arbeitsbereich in der Kanzlei und den Arbeitsbereich im Haushalt getrennt betrachtet werden kann. Es liegt also ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor. Dabei spielt es keine Rolle, dass die Arbeitnehmerin zwei völlig verschiedenen Tätigkeiten (Sekretärin und Haushaltshilfe) ausübt.

Beispiel 2:
Die Kfz-Werkstatt Auto GmbH und die Autovermietung Pacht GmbH werden von demselben Geschäftsführer betrieben. Ein Arbeitnehmer arbeitet Vollzeit in der Werkstatt und gelegentlich am Wochenende auf 450-Euro-Basis in der Autovermietung.
Obwohl beide Gesellschaften von demselben Geschäftsführer geführt werden, sind die beiden Gesellschaften als rechtlich getrennte juristische Personen zu betrachten. Somit ist Arbeitgeberidentität nicht gegeben und es liegt kein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor. Es handelt sich um zwei getrennt voneinander zu beurteilende Beschäftigungen: Eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei der Auto GmbH und einen 450-Euro-Minijob bei der Pacht GmbH.

Welche Auswirkungen hat ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis?

Die Frage, ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vorliegt, ist vor allem im Zusammenhang mit der Ausübung eines Minijobs von Bedeutung. 

Liegt ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vor, muss die dem Grunde nach geringfügige Beschäftigung mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet werden. Der Arbeitgeber muss somit von dem gesamten Verdienst die vollen Sozialversicherungsbeiträge für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung an die gesetzliche Krankenkasse des Beschäftigten abführen. 

Handelt es sich um zwei verschiedene Beschäftigungen, wird der 450-Euro-Minijob nicht mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Für den Minijob muss der Arbeitgeber somit lediglich Pauschalbeiträge zur Kranken- und (gemeinsam mit dem Arbeitnehmer) Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung an die Minijob-Zentrale zahlen. Hat sich der Arbeitnehmer von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, zahlt der Arbeitgeber nur seinen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung. Darüber hinaus fallen für den Arbeitgeber die Umlagebeiträge für Aufwendungen bei Krankheit sowie bei Mutterschaft und die Insolvenzgeldumlage an.

Wann erfolgt die Überprüfung der Beschäftigung?

Ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vorliegt, wird immer dann überprüft, wenn ein Arbeitnehmer bei seinem Arbeitgeber neben der Hauptbeschäftigung zusätzlich einen Minijob ausüben möchte.

Übrigens: Eine Überprüfung erfolgt ebenfalls, wenn ein weiterer Minijob zusätzlich zu einem bereits ausgeübten Minijob aufgenommen wird. 

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auch in unserem Beitrag Minijob und Hauptjob beim gleichen Arbeitgeber. Geht das? (Nachgefragt #25)

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Sandra
Sandra
44 Minuten zuvor

Hallo, ich möchte gern wissen, ob in meinem Fall das Beispiel 1 oder Beispiel 2 gilt. Ich arbeite bei einem Versicherungsmakler (Einzelunternehmer) in Vollzeit mit Büroadresse. Des weiteren hat er noch auf seine Privatadresse ein Immobiliengewerbe (auch Einzelunternehmer) angemeldet. Kann ich dann auf das Immo-Gewerbe bei Ihm auf 450€ Basis bzw. Minijob privat als Haushaltshilfe angestellt werden ohne das es mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet wird? Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.
VG
Sandra

Kristin
Kristin
13 Tage zuvor

Hallo liebes Team der Minijob-Zentrale,

ich habe so ein ähnliches Problem wie unter Beispiel 2.
Der Arbeitnehmer ist bei einer SX GmbH beschäftigt. Er will nun einen Minijob aufnehmen bei der xxxnow GmbH & Co.KG.
Ein Gesellschafter der xxxnow GmbH & Co.KG ist allerdings die SX GmbH.
Die SX GmbH sowie xxxnowGmbH & Co.KG haben den selben Geschäftsführer.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort.

Freundliche Grüße
Thea

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Kristin
13 Tage zuvor

Hallo Thea,

auf den ersten Blick spricht für uns nichts gegen eine getrennte Beurteilung beider Beschäftigungsverhältnisse. Bei der SX GmbH und der der xxxnow GmbH & Co.KG handelt es sich rechtlich gesehen um zwei unterschiedliche juristische Personen. Der Abreitnehmer kann grundsätzlich bei der SX GmbH sozialversicherungspflichtig tätig sein und nebenbei einen Minijob bei der xxxnow GmbH & Co.KG ausüben. Das gilt auch dann, wenn beide Firmen denselben Geschäftsführer haben.

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Thomas Schilling
Thomas Schilling
20 Tage zuvor

Hallo, ich habe mal 2 Fragen, darf ich wenn ich hauptberuflich Mechatroniker bin, in meiner Firma über einen externen Sicherheitsdienst als Fachkraft für Schutz und Sicherheit arbeiten oder wäre das ein Interessen Konflikt?…
Meine zweite Frage is, wie oft im Jahr, darf ich ab 2021 über die 450€ verdienen ohne direkte Abzüge zu erhalten?…
danke schonmal für die Antwort :)

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Thomas Schilling
15 Tage zuvor

Hallo Thomas,

zu Frage 1 empfehlen wir Ihnen, das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber zu suchen. Es gibt zwar grundsätzlich kein Gesetz, welches eine Nebentätigkeit pauschal verbietet. Allerdings ist nicht jede Nebentätigkeit zulässig und manche Nebenjobs dürfen vom Arbeitgeber auch untersagt werden. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Nebentätigkeit gegen die berechtigten Interessen des Hauptarbeitgebers verstößt.
Zu Ihrer 2. Frage: Unschädlich für Ihren 450-Euro-Minijob ist das gelegentliche Überschreiten aus unvorhersehbaren Gründen. Diese Möglichkeit besteht auch weiterhin außerhalb der Corona-Sonderregelungen. Als gelegentlich gilt ein Zeitraum von bis zu 3 Monaten innerhalb der zurückliegenden 12 Monate.

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Sabine
Sabine
2 Monate zuvor

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir hätten in unserem Unternehmen den aktuellen Fall, dass ein sozialversicherungspflichtiger Mitarbeiter aus der Verwaltung/Bürotätigkeit der Firma X GmbH gerne als Mini-Jobber bei der Firma Y GbR als Servicemitarbeiter im Dienstleistungssektor arbeiten würde.
Bei den Firmen X GmbH (Sicherheitsunternehmen) und Y GbR (Serviceunternehmen) sind die Geschäftsführer identisch und zu gleichen Teilen beteiligt.
Wäre das hier, wie im Beispiel 2 angegeben, zulässig?

Mit freundlichen Grüßen

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Sabine
2 Monate zuvor

Hallo Sabine,

bei GmbH X und GbR Y handelt es sich um zwei unterschiedliche juristische Personen. Die Beschäftigungen sind daher grundsätzlich wie im Beispiel 2 getrennt voneinander zu beurteilen. Eine Hauptbeschäftigung bei GmbH X und ein Minijob bei GbR Y sind möglich.

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Karl Exler
Karl Exler
2 Monate zuvor

wie wird der Nebenjob steuerlichg behandelt?

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Karl Exler
2 Monate zuvor

Hallo Karl,

Besteuerung für 450-Euro-Minijobs

Allgemein gilt bei der Versteuerung eines 450-Euro-Minijobs Folgendes:

Grundsätzlich bestimmt der Arbeitgeber die Art der Versteuerung. Er kann hierbei wählen zwischen der Besteuerung nach den individuellen Lohnsteuermerkmalen des Arbeitnehmers und der Pauschsteuer in Höhe von 2 Prozent. Bei der Entscheidung wird der Arbeitgeber aber immer die individuelle Situation des Minijobbers beachten, damit ihm hierbei keine Nachteile entstehen. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch auf unserer Homepage unter dem Punkt “Besteuerung von 450-Euro-Minijobs im Gewerbe “. http://t1p.de/MJZE-Steuerrecht-450-Euro-Minijob

Weitere Informationen erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt.

Besteuerung für kurzfristige Minijobs

Auch der Verdienst aus einem kurzfristigen Minijob muss versteuert werden. Die Art der Besteuerung darf grundsätzlich der Arbeitgeber bestimmen. Er kann hierbei zwischen zwei Varianten auswählen: Der Besteuerung nach den individuellen Lohnsteuermerkmalen des Minijobbers oder unter bestimmten Voraussetzungen auch pauschal mit 25 Prozent. Auf unserer Homepage erfahren Sie mehr zu diesem Thema: Besteuerung kurzfristiger Minijobs oder http://t1p.de/MJZE-Steuerrecht-kurzfristig

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Steinwender Stephanie
Steinwender Stephanie
2 Monate zuvor

Kann ein AN bis 15. d.M. als Minijobber und ab 16. d.M. als Hauptbeschäftigter gemeldet werden?
Wenn ja, dürfen dann die 450,00 € nur anteilsmäßig für die ersten zwei Wochen ausbezahlt werden?
Was wäre wenn sein Stundenlohn so hoch wäre, dass er nur 5 Arbeitstage benötigt, um an die Grenze zu kommen?

Steinwender Stephanie
Steinwender Stephanie
2 Monate zuvor

Stephanie Steinwender
Wenn der AN bis Mitte Monat als Minijobber beschäftigt ist und dann ab den 15. d.M. eine Hauptbeschäftigung beim selben AG aufnimmt. Können die beide Jobs anteilmäßig als zwei Jobs bei dem selben AG abgerechnet werden?

Anonym
Anonym
Antwort auf  Steinwender Stephanie
2 Monate zuvor

Klar!

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Steinwender Stephanie
2 Monate zuvor

Hallo Stephanie,

mit jeder dauerhaften Veränderung im Beschäftigungsverhältnis haben Arbeitgeber eine erneute sozialversicherungsrechtliche Beurteilung vorzunehmen. Somit ist der Wechsel von einem Minijob in eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung auch mitten im Monat möglich. Im anteiligen Monat des Minijobs können die vollen 450 Euro verdient werden. Zwei 450-Euro-Minijobs in einem Monat beim gleichen Arbeitgeber sind jedoch nicht möglich.

Ist der Stundenlohn so hoch, dass die 450 Euro monatlich an 5 Tagen verdient werden, kann die Beschäftigung als 450-Euro-Minijob auch nur an 5 Tagen im Monat ausgeübt werden.

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Steinwender
Steinwender
Antwort auf  Steinwender Stephanie
2 Monate zuvor

Vielen Dank für die Antwort und einen schönen Tag.

Anonym
Anonym
2 Monate zuvor

wenn ein Notar eine Putzfrau über die Notarskammer beschäftigt und die gleich Putzfrau als Haushaltshilfe anstellt?

Team der Minijob-Zentrale
Team der Minijob-Zentrale
Antwort auf  Anonym
2 Monate zuvor

Hallo,

übt eine Arbeitnehmerin bei demselben Arbeitgeber gleichzeitig mehrere Beschäftigungen aus, ist ohne Rücksicht auf die arbeitsvertragliche Gestaltung sozialversicherungsrechtlich von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen. Die Art der jeweils ausgeübten Beschäftigung ist dabei unbedeutend; es ist also nicht erforderlich, dass innerhalb eines Arbeitgebers gleiche oder funktionsverwandte Tätigkeiten ausgeübt werden.

Der in der Sozialversicherung verwendete Begriff des Arbeitgebers setzt voraus, dass dieser eigenständige Arbeitgeberfunktionen besitzt, das heißt, dass dieser das Weisungsrecht gegenüber der Arbeitnehmerin auch tatsächlich in eigener Verantwortung ausübt. Arbeitgeber im Sinne der Sozialversicherung können natürliche Personen, juristische Personen des privaten Rechts, juristische Personen des öffentlichen Rechts sowie Personengesellschaften sein.

Somit ist zunächst zu prüfen, wer Arbeitgeber im gewerblichen Bereich ist (Notar oder Notkammer). bzw. ob eine Personengleichheit vorliegt. Von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis ist auszugehen, wenn z.B. Arbeitgeberidentität in einer natürlichen Personen besteht.

Beschäftigt z.B. eine natürliche Person eine Arbeitnehmerin im gewerblichen und auch im haushaltsnahen Bereich, ist von einem einheitlichen Beschäftigungsverhältnis auszugehen. In diesem Fall findet das Haushaltsscheckverfahren keine Anwendung und diese Beschäftigung ist gewerblich zu melden.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir in diesem öffentlichen Blog keine sozialversicherungsrechtliche Beurteilung vornehmen können. Für weitere Detailfragen dürfen Sie sich aber gerne schriftlich an uns wenden. Unser Kontaktformular finden Sie unter minijob-zentrale.de. https://t1p.de/MJZE-Kontakt

Freundliche Grüße

Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Peter Schau
Peter Schau
2 Monate zuvor

Hallo, eine sehr gute Klarstellung für den Arbeitgeber. Wie ist es aber, wenn ich als Rentner 2 Minijobs bei jeweils einem anderen Arbeitgeber ausführe? Vielen Dank für die Antwort.