Lesezeit: 8 Minuten

Zuletzt aktualisiert am 10. Juli 2020

Ferienjobs: Das müssen Schüler in diesem Jahr beachten

Die Sommerferien stehen vor der Tür. Viele Schülerinnen und Schüler nutzen die schulfreie Zeit, um sich mit einem Minijob das Taschengeld aufzubessern oder erste Einblicke in die Berufswelt zu erhalten. Was hierbei beachtet werden muss und welche Besonderheiten während der Corona-Pandemie gelten, erklären wir in diesem Beitrag.

Welche Minijobs kommen für einen Ferienjob in Frage?

Es gibt zwei Arten von Minijobs, die man als Ferienjob ausüben kann:

  • den kurzfristigen Minijob und
  • den 450-Euro-Minijob.

Während bei einem 450-Euro-Minijob der monatliche Verdienst begrenzt ist, kann man in einem kurzfristigen Minijob unbegrenzt verdienen. Hier ist aber die Beschäftigungsdauer eingeschränkt.

Worauf man bei kurzfristigen Minijobs achten sollte

  1. 1. Zeitgrenzen von kurzfristigen Minijobs einhalten
    Ein kurzfristiger Minijob lag bislang nur dann vor, wenn die Beschäftigung von vorne herein auf maximal drei Monate bzw. 70 Tage im Jahr befristet wurde. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Zeitgrenzen für kurzfristige Minijobs auf 5 Monate bzw. 115 Arbeitstage angehoben. Diese Regelung gilt übergangsweise für die Zeit vom 1. März bis zum 31. Oktober 2020.

    Hat der Schüler im Kalenderjahresverlauf bereits andere kurzfristige Minijobs ausgeübt (z. B. in den vergangenen Ferien), müssen diese Beschäftigungen ebenfalls berücksichtigt und die Beschäftigungszeiten zusammengerechnet werden. Wird die Zeitgrenze von 5 Monaten bzw. 115 Tagen nicht überschritten, dann kann der Ferienjob als kurzfristiger Minijob ausgeübt werden. Eine Verdienstgrenze gibt es nicht. Auch Schüler dürfen dann monatlich mehr als 450 Euro verdienen.

    Ausführliche Informationen zu den Zeitgrenzen von kurzfristigen Minijobs finden Sie auf der Website der Minijob-Zentrale oder in unserem Blogbeitrag „Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte – das gilt jetzt bei kurzfristigen Minijobs“.
  2. 2. Prüfung der Berufsmäßigkeit für Schüler nicht notwendig
    Ein kurzfristiger Minijob liegt nur dann vor, wenn die Beschäftigung nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Berufsmäßig bedeutet, dass sie für den Beschäftigten nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist.

    Arbeitgeber, die einen Schüler kurzfristig beschäftigen wollen, haben es hier jedoch einfach. Denn Schüler gehören  grundsätzlich nicht zu den berufsmäßig Beschäftigten. Es kann sich lediglich Berufsmäßigkeit aufgrund von Vorbeschäftigungszeiten ergeben, wenn der Schüler zu häufig im laufenden Kalenderjahr gearbeitet und in den Beschäftigungen auch mehr als 450 Euro verdient hat.  Weitere Infos zur Berufsmäßigkeit finden Sie auch dazu in unserem Blog „Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte – das gilt jetzt bei kurzfristigen Minijobs“.

WICHTIG:
Für Schulentlassene, die die Zeit bis zum nächsten Step (Fachschulbesuch, Studium oder Berufsausbildung) mit einem Job überbrücken wollen, gelten die Ausführungen zur berufsmäßigen Beschäftigung nicht gleichermaßen.

  1. 3. Keine Abgaben bei kurzfristigen Minijobs
    Sozialversicherungsabgaben fallen für Schüler bei einem kurzfristigen Minijob nicht an. Auch Steuern fallen sie in der Regel nicht an, wenn der Steuergrundfreibetrag nicht überschritten wird.

    Arbeitgeber müssen für einen kurzfristen Minijob nur geringe Umlagen zahlen. Beiträge zur Kranken- oder Rentenversicherung fallen nicht an. Ein Versicherungsschutz – zum Beispiel eine eigene Mitgliedschaft in einer Krankenversicherung oder Ansprüche in der Rentenversicherung – entstehen daher durch einen kurzfristigen Minijob für den Beschäftigten nicht.

Worauf man bei 450-Euro-Minijobs achten sollte

  1. 1. 450-Euro-Minijobber sind rentenversicherungspflichtig
    Schüler, die einen 450-Euro-Minijob in der Ferienzeit – oder auch neben der Schule – ausüben, sind in der Kranken-, und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei bzw. nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversicherung. Das heißt, in diesen Zweigen besteht aufgrund der Beschäftigung kein eigener Versicherungsschutz.

    In der Rentenversicherung sind Schüler versicherungspflichtig, d.h. sie zahlen selbst einen kleinen Eigenanteil und erzielen damit die vollen Ansprüche der gesetzlichen Rentenversicherung. Zum Beispiel werden die Beschäftigungszeiten und der Verdienst in vollem Umfang für die Rente berücksichtigt.

    Weitere Informationen zum Thema Rentenversicherungspflicht finden Sie hier.

    Wollen Schüler diese Leistung nicht in Anspruch nehmen, können sie sich auf Antrag von der Zahlung des Eigenanteils befreien lassen. Dieser Antrag muss bei minderjährigen Schülern von einem gesetzlichen Vertreter, also im Regelfall von einem Elternteil, unterschrieben und dem Arbeitgeber übergeben werden.
  2. 2. Abgaben für gewerbliche 450-Euro-Schülerjobs
    Arbeitgeber von 450-Euro-Minijobbern müssen so genannte Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Dies gilt auch für Schüler. Der Pauschalbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt 13 Prozent, der zur Rentenversicherung 15 Prozent.

    Bei rentenversicherungspflichtigen Schülern behält der Arbeitgeber zusätzlich einen Eigenanteil zur Rentenversicherung in Höhe von 3,6 % vom Verdienst des Schülers ein. Hierbei ist zu beachten, dass der Beitrag zur Rentenversicherung mindestens von 175 Euro (die sogenannte Mindestbeitragsbemessungsgrundlage) zu zahlen ist. Verdient der Schüler weniger als 175 Euro im Monat, ist der Beitrag zur Rentenversicherung von 175 Euro zu berechnen. Der Arbeitgeber zahlt seinen Pauschalbeitrag weiterhin aus dem tatsächlichen Verdienst des Schülers. Der Schüler trägt dann die Differenz aus dem Gesamtbeitrag und dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers.
Beispiel

Ein Schüler hilft in einer Bäckerei aus und verdient dort monatlich 150 Euro. Er ist über seinen Vater familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Schüler hat sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen und zahlt den Eigenanteil zur Rentenversicherung. Folgende Abgaben müssen der Arbeitgeber und der Schüler zahlen:

Beitrag zur Krankenversicherung

150 Euro x 13 % = 19,50 Euro Der Arbeitgeber zahlt einen Pauschalbeitrag in Höhe von 19,50 Euro zur Krankenversicherung.
Beitrag zur Rentenversicherung 175 Euro          x          18,6 %             =          32,55 Euro       
150 Euro          x             15 %                           =          22,50 Euro                  
32,55 Euro       ./.    22,50 Euro              =          10,05 Euro

Der Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung beträgt 32,55 Euro. Der Arbeitgeber hat den Pauschalbeitrag in Höhe von 15 % aus dem tatsächlichen Verdienst zu zahlen (22,50 Euro). Der Schüler trägt die Differenz aus dem Gesamtbeitrag und dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers in Höhe von 10,05 Euro.

  • 3. Erhöhter Verdienst während der Ferienzeit
    Schüler, die neben der Schule einen 450-Euro-Minijob ausüben, können diesen in den Sommerferien ausweiten. Verdient der Schüler dann während der Ferien über 450 Euro im Monat, liegt nicht zwangsläufig eine versicherungspflichtige Beschäftigung vor. Solange der durchschnittliche monatliche Verdienst die monatliche Verdienstgrenze von 450 Euro nicht übersteigt (5.400 Euro im Jahr), liegt weiterhin ein 450-Euro-Minijob vor.
Beispiel

Eine Schülerin arbeitet seit dem 1. Januar 2020 neben der Schule nachmittags als Aushilfskraft in einem Supermarkt und verdient dort monatlich 375 Euro. Sie ist über ihre Mutter familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. In den Sommerferien vertritt sie stundenweise zusätzlich eine Mitarbeiterin, die sich im Urlaub befindet. In den Monaten Juni und Juli 2020 beträgt ihr monatlicher Verdienst daher 625 Euro.

Vorausschauende durchschnittliche Jahresbetrachtung 2020 des Arbeitgebers

Verdienst 01 – 05 2020                    5          x          375 Euro          =          1875 Euro        
Verdienst 06 – 07 2020                    2          x          625 Euro         =          1250 Euro
Verdienst 08 – 12 2020                    5          x          375 Euro          =          1875 Euro
Gesamtverdienst                                                                                        5000 Euro

Da die Schülerin im Jahr 2020 insgesamt nicht mehr als 5400 Euro verdient, bleibt die Beschäftigung auch während der Sommerferien ein 450-Euro-Minijob.


  • 4. Mehrarbeit aufgrund der Corona-Pandemie möglich
    Aufgrund der Corona-Pandemie werden Aushilfskräfte möglicherweise in einem größeren Umfang als ursprünglich geplant beschäftigt, so dass sich auch ihr Verdienst erhöht. Wird dabei in einem Jahreszeitraum die jährliche Verdienstgrenze in Höhe von 5.400 Euro überschritten, muss sich das nicht immer auf den 450-Euro-Minijob auswirken. Dies gilt auch für Schüler.

    Handelt es sich um ein gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der monatlichen Verdienstgrenze von 450 Euro, hat dies keine Auswirkungen und es handelt sich bei der Beschäftigung weiterhin um einen 450-Euro-Minijob.

    Unvorhersehbar heißt, dass die Mehrarbeit im Voraus nicht vereinbart war, zum Beispiel durch Corona-bedingte Krankheits- oder Quarantänefälle. Als gelegentlich war bislang grundsätzlich ein Zeitraum bis zu 3 Kalendermonaten innerhalb eines Zeitjahres anzusehen. Für eine Übergangszeit vom 1. März 2020 bis 31. Oktober 2020 ist nun wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie sogar ein fünfmaliges Überschreiten der Verdienstgrenze möglich.
Beispiel

Ein Schüler hilft seit dem 1. Januar 2020 neben der Schule in einer Apotheke die Regale aufzufüllen. Sein regelmäßiger monatlicher Verdienst beträgt 450 Euro. Er ist über seine Mutter familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung. Aufgrund der Corona-Pandemie besteht in der Apotheke ein erhöhter Beschäftigungsbedarf, so dass der Schüler in den Monaten April bis August 2020 monatlich 750 Euro verdient.

Jahresbetrachtung 2020

Verdienst 01 – 03 2020                  3          x          450 Euro          =          1.350 Euro
Verdienst 04 – 08 2020                  5          x          750 Euro          =          3.750 Euro
Verdienst 09 – 12 2020                  4          x          450 Euro           =          1.800 Euro
Gesamtverdienst                                                                           6.900 Euro

Mit einem Gesamtverdienst von 6.900 Euro übersteigt der Schüler die Jahresverdienstgrenze von 5.400 Euro. Da die 450-Euro-Grenze nur in den Monaten April bis August – also fünfmal innerhalb des Zeitraums vom 1. März bis 31. Oktober 2020 – unvorhersehbar überschritten wird, ist die Überschreitung gelegentlich und hat keine Auswirkung auf den 450-Euro-Minijob. Das Überschreiten war aufgrund der Pandemie nicht vorhersehbar.

Mehr zum Thema Überschreiten der Verdienstgrenze finden Sie in unserem Blogbeitrag „Mehrarbeit wegen Corona: 450-Euro-Grenze darf im Minijob überschritten werden“.

War der Blogartikel hilfreich für Sie?

Kommentar verfassen