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E-Bike für Minijobber – zählt das zum Verdienst?

Auch für Arbeitgeber von Minijobbern wird der Klima- und Umweltschutz immer wichtiger. Wenn die Beschäftigten nicht zu weit vom Arbeitsort entfernt wohnen, überlegen sich einige Arbeitgeber, ein E-Bike als „Dienstfahrzeug“ anzubieten. Hier stellt sich dann bei einem Minijobber die Frage, ob er zusätzlich zu seinem Verdienst bis 450 Euro noch ein E-Bike von seinem Arbeitgeber erhalten darf, ohne dass sich dies auf den Minijob auswirkt.

Die Grundsatzfrage: Kostenfreie Überlassung oder Leasing über Entgeltumwandlung?

Ein Arbeitgeber hat die Möglichkeit, auch einem Minijobber ein E-Bike zur dienstlichen und privaten Nutzung zu überlassen. Handelt es sich um ein E-Bike, das steuerrechtlich als Fahrrad gilt, hat der Arbeitgeber die Wahl zwischen 2 Varianten:

  1. Die kostenfreie Überlassung des E-Bike zusätzlich zum Verdienst (erhöht nicht den Verdienst des Minijobbers)
  2. Das E-Bike-Leasing mit Entgeltumwandlung (erhöht den Verdienst des Minijobbers).

Das Fahrrad im Steuerrecht

Als Fahrrad im Steuerrecht gilt ein E-Bike, dessen Motor bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 Stundenkilometern unterstützt (sogenanntes Pedelec).

Fahrräder mit Motoren, die höhere Geschwindigkeiten als 25 Stundenkilometer unterstützen, gelten als Kraftfahrzeuge. Hier gelten die steuerlichen Regelungen für Elektrofahrzeuge, auf die wir in diesem Artikel jedoch nicht weiter eingehen.

Die kostenfreie Überlassung des E-Bikes zusätzlich zum Verdienst

Seit dem 1. Januar 2019 haben Arbeitgeber auch die Möglichkeit, ihren Minijobbern zusätzlich zum Verdienst ein Pedelec kostenfrei zu überlassen. Die Überlassung zusätzlich zum vereinbarten Verdienst ist steuerfrei. Diese Regelung gilt sowohl für Fahrten zwischen Arbeitsstätte und Wohnung als auch für die weitere private Nutzung durch den Arbeitnehmer. Die ursprünglich bis zum 31. Dezember 2021 befristete Förderung wurde bis zum Jahresende 2030 verlängert.

Da sich das Sozialversicherungsrecht im Allgemeinen am Steuerrecht orientiert, zählt der geldwerte Vorteil, der sich aus der Nutzung ergibt, auch nicht zum Verdienst. Minijobber können daher das Fahrrad kostenfrei nutzen, ohne dass sich ihre Verdiensthöhe ändert.

Das E-Bike-Leasing mit Entgeltumwandlung

Der Arbeitgeber hat anstelle einer kostenlosen Überlassung eines E-Bikes auch die Möglichkeit, mit dem Beschäftigten eine Entgeltumwandlung zu vereinbaren. Das heißt, statt einen Teil seines Verdienstes ausbezahlt zu bekommen, erhält der Arbeitnehmer künftig als Sachlohn ein E-Bike als Dienstrad, das er auch privat nutzen darf. Zu diesem Zweck schließt der Arbeitgeber einen Leasingvertrag über das E-Bike ab und behält die monatliche Leasingrate (inklusive Versicherungsprämie für das Fahrrad) vom monatlichen Bruttoverdienst des Arbeitnehmers ein.

Durch die Überlassung des E-Bikes im Rahmen der Entgeltumwandlung entsteht dem Arbeitnehmer ein sogenannter geldwerter Vorteil, der über die Entgeltabrechnung versteuert wird. Sofern der Arbeitgeber zusätzlich einen Zuschuss zur Leasingrate leistet, ist dieser ebenfalls dem steuer- und sozialversicherungspflichtigen Verdienst zuzurechnen.

Für die private Nutzung ab dem 1. Januar 2019 überlassener Pedelecs muss 1 % des auf volle 100 Euro abgerundeten halbierten Listenpreises versteuert werden (ab 1. Januar 2020: 1 % des auf volle 100 Euro abgerundeten Viertel des Listenpreises). Eine zusätzliche Versteuerung für die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte erfolgt aber nicht. Der steuerpflichtige Anteil des Pedelecs zählt zum sozialversicherungsrechtlichen Verdienst des Arbeitnehmers.

Hat ein Mitarbeiter das Fahrrad bereits vor dem 1. Januar 2019 zur Überlassung erhalten, ist 1 % des vollen Listenpreises steuer- und sozialversicherungspflichtig. Dies gilt selbst dann, wenn ein anderer Mitarbeiter das Fahrrad zwischenzeitlich zur Überlassung hatte.

Beispiel (ab 1. Januar 2020):

Ein Arbeitgeber beschäftigt einen Arbeitnehmer gegen einen monatlichen Bruttoverdienst in Höhe von 500 Euro. Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren ein E-Bike-Leasing über Entgeltumwandlung für ein Pedelec. Der Bruttolistenpreis des E-Bikes beläuft sich auf 3.000 Euro, die monatliche Leasingrate (inklusive Versicherungsprämie) auf 98 Euro. Der Arbeitgeber zahlt dem Arbeitnehmer einen Zuschuss von 25 Euro zur Leasingrate.

Das Arbeitsentgelt für die Sozialversicherung ermittelt sich wie folgt:

Bruttoverdienst= 500 Euro
abzüglich Leasingrate= 98 Euro
zuzüglich Arbeitgeberzuschuss= 25 Euro
Bruttoverdienst nach Entgeltumwandlung= 427 Euro
zuzüglich geldwerter Vorteil
1 % v. 700 Euro (1/4 des Listenpreises von 3.000 = 750 Euro, abgerundet auf volle 100 Euro)
= 7 Euro
Monatliches SV-Entgelt= 434 Euro

Aufgrund des vereinbarten E-Bike-Leasing und der damit verbundenen Entgeltumwandlung liegt trotz eines vereinbarten Bruttoverdienstes von 500 Euro ein 450-Euro-Minijob vor.

Weitere Informationen zum Thema Fahrtkosten gibt es in unserem Blogbeitrag „Fahrtkosten im Minijob: Zählt das Jobticket zum Verdienst?„. Welche sonstigen Einnahmen zum Verdienst zählen, kann man dem Entgeltkatalog der Deutschen Rentenversicherung entnehmen, der in der Broschüre „Auf den Punkt gebracht: Beiträge“ regelmäßig aktualisiert wird.

22 Kommentare zu “E-Bike für Minijobber – zählt das zum Verdienst?”

  1. Ich überlasse als AG einem 450,- Euro jobber das Pedelc steuerfrei, zusätzlich zum Verdienst. Das erhöht den Verdienst ja nicht. Muss ich als Lohnabrechner aktiv im Lohnprogramm Daten eingeben? Ich habe es so verstanden, als ob man nichts machen muss und benötige ich einen zusätzlichen Vertrag oder ähnliches zwischen AG und AN als Ergänzung zum Arbeitsvertrag? Vielen Dank im voraus.

  2. Hallo,
    ist auch ein S-Pedelec (V max. 45 km/h, versicherungspflichtig) im Rahmen eines Minijobs durch den Arbeitgeber förderungs- bzw. absetzungsfähig?
    Welche Varianten wären möglich?

    Viele Grüße

    1. Hallo Michael,

      überlassen Sie Ihren Minijobbern ein S-Pedelec zur privaten Nutzung, entsteht ein geldwerter Vorteil, welcher der Steuer- und Beitragspflicht unterliegt. Zur Höhe des geldwerten Vorteils informiert Sie das zuständige Finanzamt.

      Zusätzliche Leistungen an den Arbeitnehmer, welche steuerpflichtig sind sind auch sozialversicherungspflichtig. Das bedeutet im Minijob: Der durchschnittliche monatliche Verdienst darf inklusive des geldwerten Vorteils 450 Euro nicht übersteigen um den Minijob nicht zu gefährden.

      Steuer- und beitragsfrei ist zum jetzigen Zeitpunkt nur die kostenfreie Überlassung eines Pedelcs mit einer Leistung bis zu 25 km/h.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Hallo Blog-Team der Minijob-Zentrale,
    wir beabsichtigen allen Mitarbeitern, also auch den Minijobbern ein E-Bike zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Lohn zu überlassen. Die E-Bikes fallen nicht in die Kategorie Kraftfahrzeuge und dürfen privat genutzt werden.
    Die Mitarbeiter verpflichten sich jedoch das E-Bike nach 3 Jahren zu einem verbilligten Preis zu erwerben. Ist die Überlassung bzw. der Erwerb bei den Minijobbern in diesem Fall steuerfrei / beitragsfrei?
    Vorab vielen Dank für Ihre Antwort.
    Viele Grüße

    1. Hallo,

      überlassen Sie den Mitarbeitern das Pedelec kostenfrei zusätzlich zum tatsächlich geschuldeten Verdienst, ist die Überlassung in der Regel steuerfrei und somit auch sozialversicherungsfrei.

      Können Arbeitnehmer das E-Bike nach Ablauf einer gewissen Zeit vom Arbeitgeber erwerben, kann hierdurch ein geldwerter Vorteil entstehen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn der Kaufpreis den ortsüblichen Marktpreis unterschreitet. Bevor Sie eine solche vertragliche Gestaltung mit Ihrem Arbeitnehmern eingehen empfehlen wir Ihnen, sich bei Ihrem zuständigen Finanzamt zu erkundigen, ob bei dem geplanten Kaufpreis ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil für den Arbeitnehmer entsteht. Das Sozialversicherungsrecht orientiert sich hierbei ebenso am Steuerrecht.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Liebes Team der Minijob-Zentrale,

    das heißt wenn mir als Minijobber von meinem Arbeitgeber ein Fahrrad (kein E-Bike) kostenfrei überlassen wird, dann muss ich dies nicht als geldwerter Vorteil aufführen? Er kann dies auf 7 Jahre Abschreiben und mir ggf. sogar schenken?

    Herzlichen Dank für eine kurze Rückmeldung.
    Besten Gruß, Jan

    1. Hallo Jan,

      die Ausführungen in unserem Blogbeitrag gelten auch für „normale“ Fahrräder. Überlässt Ihr Arbeitgeber Ihnen ein Fahrrad auch zur privaten Nutzung, muss dieser Mehrwert dem Verdienst nicht zugerechnet werden. Sie dürfen also volle 450 Euro verdienen und zusätzlich das Fahrrad nutzen, ohne voll sozialversicherungspflichtig zu werden.

      Bei Schenkungen gilt diese Regelung jedoch nicht. Hier orientiert sich das Sozialversicherungsrecht am Steuerrecht. Das heißt: fallen auf das geschenkte Fahrrad keine Steuern an, gilt das auch für die Sozialversicherungsbeiträge.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Hallo Frau Helbach,

      Fahrtkostenzuschüsse können auch im Rahmen eines 450-Euro-Minijobs gewährt werden. Ob durch diese Zuschüsse die 450-Euro-Grenze gefährdet wird, hängt davon ab, ob der Fahrkostenzuschlag zum versicherungsrechtlichen Verdienst gezählt wird.

      Ist das der Fall kommt es weiterhin darauf an, ob die Zuschüsse als laufendes oder einmalig gezahltes Entgelt zu bewerten sind.
      Eine Orientierungshilfe bietet Ihnen hierbei die Broschüre „summa summarum – Beiträge 2019“: http://t1p.de/MJZE-summa-summarum-Beitraege-2019

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Ob man den Artikel so stehen lassen kann? Was ist, wenn ich durch die Umwandlung den ausgezahlten Mindestlohn für die geleisteten Stunden in dem Monat unterschreite? Nehmen Sie doch bitte dazu mal Stellung. Danke.

    1. Guten Tag,

      auf den Mindestlohnanspruch wird das arbeitsleistungsbezogene Entgelt angerechnet. Unberücksichtigt bleiben hingegen Zahlungen, die nicht im Zusammenhang mit der Arbeitsleistung stehen. Bezogen auf den Sachverhalt des E-Bike-Leasing ist das Arbeitsentgelt für die Beachtung der Mindestlohnbestimmungen maßgebend, welches dem Arbeitnehmer vor der Entgeltumwandlung aufgrund der von ihm erbrachten Arbeitsleistung zusteht. Auf den Auszahlungsbetrag kommt es insofern nicht an.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    1. Guten Tag,

      wird das Pedelec dem Arbeitnehmer kostenfrei und zusätzlich zu seinem Verdienst überlassen, gilt der so entstehende geldwerte Vorteil vorerst bis zum 31. Dezember 2021 nicht als Arbeitsentgelt.

      Für den Arbeitgeber fallen durch die kostenfreie Überlassung keine zusätzlichen Pauschalabgaben an. Die Verdienstgrenze von durchschnittlich 450 Euro im Monat kann voll ausgeschöpft werden.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Grundsätzlich ja.
    Wenn er/sie einen Hauptjob ausübt, ist aber nur ein Minijob steuerfrei !
    Der zweite Minijob wird mit dem Hauptjob zusammengerechnet und versteuert (auch wenn man in der Grenze 450 € bleibt).
    Hat der AN keine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung ist auch ein zweiter Minijob steuerfrei, wenn der AN in der Grenze 450 € bleibt.
    https://www.minijob-zentrale.de/DE/01_minijobs/02_gewerblich/01_grundlagen/01_450_euro_gewerbe/04_mehrere_beschaeftigungen/node.html

    1. Hallo Tina,

      das ist grundsätzlich richtig. Steuerfrei ist jedoch auch ein 450-Euro-Minijob nicht. Der Arbeitgeber kann bei diesen Beschäftigungen wählen zwischen einer Pauschsteuer in Höhe von 2 Prozent und der individuellen Versteuerung anhand der Lohnsteuermerkmale des Arbeitnehmers.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  7. Vielen Dank für diesen Artikel!

    Wenn der Mitarbeiter durch Entgeltumwandlung eines Jobrads z.B. bei 400 Euro /Monat landet, kann er dann einen weiteren Minijob in Höhe von 50 Euro /Monat aufnehmen?

    1. Hallo,

      es freut uns, dass der Blogbeitrag Ihnen gefällt.

      In der Tat, durch die Entgeltumwandlung liegt sozialversicherungsrechtlich ein monatlicher Verdienst von 400 Euro vor. Somit kann in diesem Fall ein zusätzlicher 450-Euro-Minijob in Höhe von 50 Euro ausgeübt werden – vorausgesetzt, der Minijobber übt parallel keine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung aus.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    2. Hallo, ich habe ein minijob von 165€, da ich alg1 bekomme. Können Sie mir ein vorbild nennen wie ich ein leasingrad leasen kann und mein alg1 weiterhin beziehe und trotzdem auf 165€ nebenverdienst bleibe?

      1. Hallo Pieter,

        stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber ein sogenanntes Pedelec kostenfrei zur Verfügung, ist die Überlassung von Seiten der Sozialversicherung nicht als Verdienst zu werten.

        Bei einem Leasingmodell im Rahmen der Entgeltumwandlung entsteht hingegen ein geldwerter Vorteil, welcher anteilig dem Verdienst zuzurechnen ist. Ob und wie sich dieser geldwerte Vorteil auf Ihren Leistungsbezug des ALG 1 auswirkt bitten wir Sie, bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit zu hinterfragen.

        Freundliche Grüße

        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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