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Coronavirus und Minijob – Ihre Fragen an uns

Das Coronavirus ist zu einem bestimmenden Thema für uns alle geworden und beeinflusst immer mehr den Arbeitsalltag. Minijobber und Minijob-Arbeitgeber sind von den Auswirkungen gleichermaßen betroffen.

Mit der Ausbreitung des Coronavirus erreichen uns täglich verschiedene Fragen, die sich auf Beschäftigungen im Minijob beziehen.

Ihre Fragen und Antworten zu Corona und Minijob haben wir zusammengefasst:

Mein Minijobber ist an dem Coronavirus nachweislich erkrankt. Kann ich als Arbeitgeber einen Erstattungsantrag als Ausgleich für Aufwendungen der Lohnfortzahlung stellen?

Im Fall der Arbeitsunfähigkeit Ihres Minijobbers zahlen Sie als Arbeitgeber den regelmäßigen Verdienst für den Zeitraum von bis zu sechs Wochen weiter. Dies gilt auch bei einer nachgewiesenen Corona-Erkrankung. Wenn Sie am Umlageverfahren für die U1 (Aufwendungen bei Krankheit) teilnehmen,  können Sie eine Erstattung im Krankheitsfall des Minijobbers geltend machen. Hierzu stellen Sie einen Antrag bei unserer Arbeitgeberversicherung.

Mein Minijobber wurde unter Quarantäne gestellt, da in seinem häuslichen Umfeld eine Corona-Infektion aufgetreten ist. Zahle ich als Arbeitgeber den Verdienst weiter?

Ist Ihr Minijobber nicht selbst erkrankt, jedoch unter Quarantäne gestellt, hat er Anspruch auf Fortzahlung seines Verdienstes. Sofern ein öffentlich rechtlicher Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht, können Sie sich als Arbeitgeber diese Kosten auf Antrag von der zuständigen Gesundheitsbehörde erstatten lassen.

Weitere Informationen haben die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung in einem gemeinsamen Besprechungsergebnis festgehalten.

aktualisiert am 27.04.2020

Meine Firma lebt vom Publikumsverkehr. Daher lasse ich nun aufgrund der Verbreitung des Coronavirus vorsorglich meine Geschäftsräume mehrmals am Tag reinigen. Durch den erhöhten Aufwand bei der Reinigung überschreitet der Verdienst meines Minijobbers nunmehr die 450 Euro Grenze. Handelt es sich bei der Reinigung noch um einen Minijob?

Wenn der Jahresverdienst eines Minijobbers 5.400 Euro übersteigt, liegt nicht automatisch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor. Ein Minijob bleibt auch dann bestehen, sofern die Verdienstgrenze gelegentlich und nicht vorhersehbar überschritten wird. Gelegentlich bedeutet: Nicht mehr als 3 Kalendermonate innerhalb eines Zeitjahres bzw. in der Zeit vom 1. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 gelten 5 Kalendermonate. Unvorhersehbar heißt: Nicht im Voraus vereinbart. Die Höhe des Verdienstes spielt bei der Überschreitung keine Rolle. Eine betragsmäßige Obergrenze für das dreimalige Überschreiten gibt es nicht.

Der erhöhte Reinigungsbedarf war nicht vorhersehbar. Wenn dadurch für maximal 3 Monate bzw. 5 Monate innerhalb des maßgebenden 12-Monats-Zeitraums ein höherer Verdienst als vorgesehen gezahlt wird, handelt es sich um ein gelegentliches Überschreiten der Entgeltgrenze, das unschädlich für den Minijob ist. Der 12-Monats-Zeitraum endet immer mit dem Ende des Entgeltabrechnungsmonats, in dem ein unvorhersehbares Überschreiten vorliegt und beginnt 12 Monate vorher. Somit verläuft beispielsweise die Frist für den Monat April 2020 vom 1. Mai 2019 bis 30. April 2020. Innerhalb dieses Zeitraums darf ein unvorhersehbares Überschreiten bis zum 3-mal bzw. ab März 2020 5-mal vorliegen.

Weitere Informationen finden Sie hierzu in unserem Blogbeitrag „Mehrarbeit wegen Corona: 450-Euro-Grenze darf im Minijob überschritten werden“.

Gelten auch für Minijobber die Regelungen zum Kurzarbeitergeld, die aufgrund des am 13. März 2020 im Bundesgesetzblatt veröffentlichten „Gesetzes zur befristeten krisenbedingten Verbesserung der Regelungen für das Kurzarbeitergeld“ eingeführt worden sind?

Die im oben genannten Gesetz vorgesehenen vereinfachten Bedingungen für die Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld gelten nur für die Fälle, für die ein Grundanspruch auf Kurzarbeitergeld gegeben ist. Hierzu zählen nur Arbeitnehmer, die versicherungspflichtig in der Arbeitslosenversicherung sind. Minijobber erhalten kein Kurzarbeitergeld, weil sie arbeitslosenversicherungsfrei sind.

Wenn ich Probleme habe, meine Minijob-Abgaben rechtzeitig zu zahlen, weil der ganze Betrieb wegen Corona ruht, gelten für diesen Fall besondere Regelungen in der Sozialversicherung?

Ja, es gelten besondere Regelungen in der Sozialversicherung. Die Zahlungsschwierigkeiten werden in diesem Fall durch ein sogenanntes unabwendbares Ereignis verursacht. Die Einzugsstellen zeigen sich kulant und verzichten auf die üblichen Gebühren für verspätete Beitragszahlungen. So werden beispielsweise keine Stundungszinsen berechnet oder es werden Säumniszuschläge bzw. Mahngebühren auf Antrag erlassen.

Bitte beachten: Die Minijob-Zentrale kann nicht erkennen, ob bei Ihnen -aktuell durch Corona- ein unabwendbares Ereignis vorliegt, was Sie an der rechtzeitigen Zahlung der Abgaben hindert. Die Prozesse bei der Minijob-Zentrale zur Feststellung der rechtzeitigen Beitragszahlung durch den Arbeitgeber sind elektronisch gesteuert. Für nicht rechtzeitig gezahlte Abgaben werden – ohne Zutun eines Mitarbeiters – systemseitig Säumniszuschläge erhoben. Darüber hinaus werden ausstehende Beiträge gemahnt und Mahngebühren festgesetzt. Wenn Sie uns als Arbeitgeber einen Hinweis auf Ihre Situation geben, werden wir Sie von diesen Maßnahmen ausnehmen.

Fragen zu den arbeitsrechtlichen Auswirkungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus beantwortet auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in einem Fragen- und Antwortenkatalog.

Anmerkung:
Liebe Leserinnen und Leser unseres Blogs,
soweit es uns möglich ist, beantworten wir gerne alle Ihre Fragen. Unser Beitrag „Coronavirus und Minijob“ wird zum Anlass genommen, uns Fragen zum Arbeitsrecht zu stellen. Erlauben Sie uns in diesem Zusammenhang den Hinweis, dass wir ein Sozialversicherungsträger sind und unsere Kernkompetenz somit im Bereich des Sozialversicherungsrechts liegt.
Wir haben alle Fragen zum Sozialversicherungsrecht in dem Blog-Artikel aufgegriffen. Arbeitsrechtlich haben wir nur die Möglichkeit über gesetzliche Regelungen zu informieren. Wir dürfen weder zu diesen Themen beraten noch Hinweise über die praktische Umsetzung geben.
In diesem Sinn verstehen Sie bitte auch unsere Ausführungen.
Eine in den Kommentaren viel diskutierte Frage dreht sich darum, wie Arbeitgeber und ihre Minijobber abgesichert sind, wenn der Betrieb behördlich angeordnet geschlossen wird und eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz nicht gegeben ist? Darauf antwortet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales wie folgt:
„Im Hinblick auf die Entgeltfortzahlung gilt, dass der Arbeitgeber grundsätzlich weiter zur Entgeltzahlung verpflichtet bleibt, wenn die Arbeitnehmer arbeitsfähig und arbeitsbereit sind, aber er sie aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen (sog. Betriebsrisikolehre, § 615 Satz 3 BGB). Dazu würden etwa Fälle zählen, in denen es aufgrund von COVID-19-Erkrankungen zu erheblichen Personalausfällen oder Versorgungsengpässen käme, in deren Folge der Arbeitgeber die Betriebstätigkeit vorübergehend einstellen würde. Die Arbeitnehmer behalten also in diesen Fällen ihren Entgeltanspruch, auch wenn sie nicht arbeiten können.
Hinweis: Für diese Konstellationen, in denen weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer den Arbeitsausfall zu vertreten haben, können einzel- oder kollektivvertragliche Vereinbarungen Abweichendes regeln.“
Im Ergebnis bedeutet dies, dass ein Minijobber auch bei einer Betriebsschließung weiterhin Anspruch auf Zahlung seines Verdienstes hat. Wie der Arbeitgeber aber unterstützt wird, um diese Kosten zu decken, darauf geben die gesetzlichen Regelungen unseres Erachtens derzeit keine Antwort. „Kurzarbeit“ anzumelden, ist für den Betrieb zumindest für die Minijobber auch keine Lösung, weil diese Arbeitnehmer nach der geltenden Rechtslage keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben.
Wir informieren über unseren Blog, wenn wir neue Erkenntnisse in dieser Angelegenheit haben.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat aufgrund der Corona-Krise ein Service- und Infopaket auf seiner Internetseite zusammengestellt.

521 Kommentare zu “Coronavirus und Minijob – Ihre Fragen an uns”

  1. Arbeite jetzt 45 Jahre in einem kiga , bin 62 und Asthmatiker, hat jemand gehört ob ich in Rente gehen kann ? Ohne Abzüge in Kauf zu nehmen !

    1. Guten Tag,

      zu dieser Frage empfehlen wir Ihnen, sich an Ihren zuständigen Rentenversicherungsträger zu wenden. Nur dort kann eine individuelle Beratung anhand Ihres Rentenkontos erfolgen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Hallo, in meinem Hauptberuf habe ich aktuell und bis auf Weiteres Kurzarbeit.
    Ich hatte bereits vor der Coronakrise einen Nebenjob auf 450€-Basis der mir allerdings nun auch aufgrund der schlechten Auftragslage (Catering) gekündigt wurde. Nun möchte ich einen neuen Nebenjob ( Kassenkraft im Baumarkt) beginnen. Wird das Geld, das ich dort verdienen werde nun angerechnet oder nicht, da es ja nicht die selben Nebenjobs sind….? Oder ist es nur wichtig das man auch VOR der Krise einen Nebenjob angemeldet hatte? Finde zu diesem konkreten Fall keine verlässliche Antwort. Danke

  3. Hallo, gerne würde ich einen Minijob in Form eines Hausmeisterdienst annehmen. Da meine Firma aber Kurzarbeit angemeldet hat und ich selbst jeden Monat um die 3-4 Tage daheim bin, wollte ich fragen, ob dies gerade überhaupt sinnvoll ist? Mal angenommen ich bekomme 400€ durch den Minijob. Habe monatlich durch Kurzarbeit 200€ netto weniger. Bekomme ich dann nur die „Auffüllung“ zu meinem regulären Netto- Gehalt? Wie wird das bei geringer Kurzarbeit gehandhabt bzw. wenn ich einen Monat ohne Kurzarbeit habe? Vielen Dank vorab für Ihre Antwort.
    Grüße

    1. Hallo Cathleen, hallo David,

      grundsätzlich wird der Verdienst aus einem Minijob, der während des Bezuges von Kurzarbeitergeld aufgenommen wird, auf dieses angerechnet. Momentan gelten jedoch aufgrund der Corona-Krise in vielen Bereichen Sonderreglungen.

      Ob Ihr Verdienst aus einem neu aufgenommenen Minijob daher auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird bitten wir Sie, bei der zuständigen Agentur für Arbeit als auszahlende Behörde zu erfragen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Hallo,

    Ich arbeite als 450€-Kraft im Einzelhandel. Unser Laden musste leider für den kompletten Monat schließen, mittlerweile ist er wieder offen, aber es arbeiten nur die Voll- und Teilzeitkräfte. Ich habe keine Lohnfortzahlung erhalten, obwohl ich doch eigentlich einen Anspruch darauf hätte oder? Ich habe mich auch an die Personalabteilung gewandt, aber die meinten, dass sie nur zahlen was gearbeitet wurde und das bedeutet dann in meinem Fall nichts. Was kann ich dagegen unternehmen?

    Liebe Grüße
    Vanessa

    1. Hallo Vanessa,

      uns, der Minijob-Zentrale ist es ein großes Anliegen unsere Kunden, zum Beispiel Arbeitgeber und Arbeitnehmer, über Ihre Rechte und Pflichten zu informieren. Insbesondere zum Arbeitsrecht erhalten wir sehr viele Anfragen, die wir gewissenhaft beantworten.

      Die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden durch das Arbeitsrecht geregelt. Im Individual-Arbeitsrecht werden Arbeitsbedingungen geklärt. Dazu gehören zum Beispiel Urlaubsregelungen, Arbeitszeit, Kündigungsfristen, Entgeltfortzahlung.

      Da das Arbeitsrecht ein Individualrecht ist, kann es behördlich nicht geregelt werden. Das heißt, Sie müssen Ihre Ansprüche bei Ihrem zuständigen Arbeitsgericht selbst durchsetzen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

        1. Das heißt wir müssen uns einen Anwalt nehmen. Und wer bezahlt das? Arbeitgeber ist selbst in der Krise und kann keine Lohnfortzahlung leisten von wem bekommen wir dann was? Obwöhl er für uns 450.-€ Kräfte pro Person über 100.-€ monatlich in die Knappschaft bezahlt und wir bekommen nichts.

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