Minijobs und betriebliche Altersvorsorge – So können Sie die Vorteile nutzen!

Viele Arbeitgeber bieten auch ihren Minijobbern eine betriebliche Altersvorsorge an und geben ihnen dadurch die Möglichkeit einer zusätzlichen Absicherung im Alter. In unserem Blog erklären wir, was eine betriebliche Altersvorsorge ist und wie sich eine Entgeltumwandlung auf den Minijob auswirkt.

Was versteht man unter einer betrieblichen Altersvorsorge?

Die betriebliche Altersvorsorge ist neben der gesetzlichen Rentenversicherung eine zusätzliche Altersvorsorge über den Betrieb. Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, Teile ihres Verdienstes in Ansprüche auf eine betriebliche Altersversorgung umzuwandeln. Das nennt man Entgeltumwandlung. Hier wird ein bestimmter Betrag vom Bruttoverdienst als Beitrag für eine betriebliche Altersversorgung verwendet.
Es gibt 5 verschiedene Möglichkeiten: Pensionskasse, Pensionsfonds, Direktversicherung, Direktzusage und Unterstützungskasse. Den Durchführungsweg wählt grundsätzlich der Arbeitgeber aus.

Bis zu welcher Höhe ist der Betrag an eine betriebliche Altersvorsorge beitragsfrei?

Wenn die Entgeltumwandlung 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung nicht übersteigt, ist sie beitragsfrei. Im Jahr 2019 sind das 3.216 Euro, also monatlich 268 Euro. Somit sind alle Beiträge an die betriebliche Altersvorsorge bis zu dieser Grenze beitragsfrei.

Kann jeder Minijobber Entgelt umwandeln?

Jeder Minijobber hat die Möglichkeit der Entgeltumwandlung. Einen gesetzlichen Anspruch darauf haben jedoch lediglich rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer. Für Minijobber, die von der Rentenversicherungspflicht befreit sind, bedeutet dies aber nicht, dass eine Entgeltumwandlung nicht möglich ist. Mit Zustimmung des Arbeitgebers können auch rentenversicherungsfreie Minijobber Beiträge an eine betriebliche Altersvorsorge zahlen.

Arbeitgeberzuschuss

Seit dem 1. Januar 2019 müssen Arbeitgeber bei Neuabschlüssen einer kapitalgedeckten betrieblichen Altersversorgung in den Durchführungswegen Pensionsfonds, Pensionskasse oder Direktversicherung einen Arbeitgeberzuschuss zahlen, soweit durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden. Die Verpflichtung gilt, soweit keine abweichenden tarifvertraglichen Regelungen entgegenstehen.

Für bis zum 31. Dezember 2018 abgeschlossene Entgeltumwandlungsvereinbarungen ist erst ab 2022 der entsprechende Zuschuss zu zahlen.

Der Arbeitgeberzuschuss beträgt 15 % des Umwandlungsbetrages und ist zugunsten des Arbeitnehmers an die jeweilige Versorgungseinrichtung weiterzuleiten. Dieser Arbeitgeberzuschuss ist beitragsfrei zur Sozialversicherung. Wird durch den Arbeitgeberzuschuss der beitragsrechtliche Freibetrag für die Entgeltumwandlung überschritten, ist der den Freibetrag übersteigende Teil dem beitragsrechtlichen Arbeitsentgelt zuzurechnen.

Mehr als 450 Euro und trotzdem Minijobber?

Hat sich ein Minijobber für die betriebliche Altersvorsorge entschieden, reduziert sich der beitragspflichtige Verdienst um den Betrag der Entgeltumwandlung. Auch bei einer Prüfung, ob die monatliche 450-Euro-Grenze überschritten wird, ist dieser Betrag somit nicht zu berücksichtigen. Solange der monatliche Verdienst nach der Entgeltumwandlung bei maximal 450 Euro liegt, ist weiterhin von einem Minijob auszugehen.

Das Praxisbeispiel:

Eine Bürohilfe verdient monatlich 560 Euro brutto. Sie vereinbart mit ihrem Arbeitgeber eine Entgeltumwandlung in Höhe von 120 Euro zugunsten einer betrieblichen Altersvorsorge. Sie ist in der Rentenversicherung versicherungspflichtig.

Der umzuwandelnde Betrag von 120 Euro ist beitrags- und steuerfrei. Es ergibt sich folgende Rechnung:

560 Euro ./. 120 Euro = 440 Euro

Die Beschäftigung ist somit ein Minijob, weil der verbleibende Verdienst nach der Entgeltumwandlung die Grenze von 450 Euro nicht übersteigt.

Wie muss die Minijobberin angemeldet werden?

Der Arbeitgeber muss die Bürohilfe bei der Minijob-Zentrale anmelden. Der zu verbeitragende monatliche Verdienst beträgt 440 Euro. Die Bürohilfe ist versicherungsfrei in der Kranken- Pflege und Arbeitslosenversicherung.. In der Rentenversicherung liegt Versicherungspflicht vor.

Folgende Personengruppenschlüssel gibt der Arbeitgeber bei der Meldung an:

Personengruppenschlüssel: 109
Beitragsgruppenschlüssel: 6 1 0 0

Weitere Informationen zu dem Melde- und Beitragsverfahren gibt es hier.

23 Kommentare zu “Minijobs und betriebliche Altersvorsorge – So können Sie die Vorteile nutzen!

  1. Hallo,
    ein Minijobber erarbeitet monatlich wenige Überstunden. Kumuliert auf das Jahr sollen diese Mehrarbeitsstunden im Dezember in eine Direktversicherung als Entgeltumwandlung fließen.
    ich habe bisher noch nicht gelesen, dass dieser Verfahrensweg mit dem Aufbau eines Mehrarbeitskontos und anschließender einmaliger jährlicher „Entgeltumwandlung“ (=Abbau Mehrarbeitskonto) eine Möglichkeit ist, denke aber dass das grundsätzlich so legitim ist.

    Wie lässt sich das Einsteuern: die Überstunden werden monatlich dokumentiert und gesammelt. Im Dezember wird dann der €-Betrag dieser Stunden ermittelt und als Entgeltumwandlung in der Abrechnung erfasst zzgl. AG-Zuschuss?

    2. Frage: wenn der AN monatlich über seine 450 EUR kommt, dürfen diese Mehrstunden (die dazu führen) in das Mehrarbeitskonto überführt werden, welches dann jährlich einmal als Entgeltumwandlung in die DV überführt wird?
    oder dürfen dies nur die Mehrarbeitsstunden bis 450 EUR sein, die dafür berücksichtigt werden dürfen?

    Besten Dank!

    • vielleicht noch ergänzend zur 2. Frage, was mein Anliegen vielleicht noch verständlicher macht:
      – Solange der monatliche Verdienst nach der Entgeltumwandlung bei maximal 450 Euro liegt, ist weiterhin von einem Minijob auszugehen.

      D.h. die Mehrarbeitsstunden über 450 EUR sind alle wandlungsfähig und können auf das Mehrarbeitskonto überführt werden welches dann einmal im Jahr als Entgeltumwandlung in die Direktversicherung überführt wird?

      • Hallo IZet,

        die Umwandlung von Mehrarbeit zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung im Rahmen der Entgeltumwandlung ist möglich. Hierbei kann es sich auch um Überstunden handeln, die oberhalb des ausgezahlten Betrages von 450 Euro geleistet werden.

        Der Wert der insgesamt umgewandelten Überstunden darf maximal 3.260 Euro pro Jahr betragen, damit er in der Sozialversicherung unberücksichtigt bleibt. Die Umwandlung ist schriftlich zu vereinbaren. Sofern ein Tarifvertrag besteht, sind die dortigen Regelungen vorrangig zu beachten.

        Laut Betriebsrentengesetz ist pro Jahr mindestens ein Betrag in Höhe von 1/160stel der Bezugsgröße der Rentenversicherung für die betriebliche Altersversorgung umzuwandeln. Das sind im Jahr 2019 mindestens 233,63 Euro. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch Vorgaben des Anbieters der Direktversicherung.

        Die Überstunden müssen Sie selbstverständlich in den Entgeltunterlagen dokumentieren.

        Den zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung vereinbarten Wert ziehen Sie als Arbeitgeber vom Überstunden-Konto ab und zahlen diesen zuzüglich des Arbeitgeberzuschusses in die Direktversicherung ein. Unterschreiten die Überstunden den Mindestbetrag, sind die fehlenden Summen durch Umwandlung des Bruttolohns aufzubringen.

        Freundliche Grüße

        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Gilt die Regelung „Entgeldumwandlung max. €268 pro Monat“ auch für Frührentner, die einen Minijob ausführen?

    • Hallo,

      grundsätzlich können auch Frührentner von der steuer- und beitragsfreien Entgeltumwandlung in Höhe von 268 Euro monatlich Gebrauch machen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Eine Frage zu Ihrer Beispielrechnung. Die 15% AG-Zuschuss zur bAV müssen doch zusätzlich zum bisher geschuldeten Arbeitsentgelt gezahlt werden. Wieso ziehen Sie diese dann in Ihrer Berechnung vom bis dahin geschuldeten Entgelt ab?
    Ich hätte gedacht die Rechnung lautet (560+15)-115=460.

  4. Hallo,

    der Arbeitnehmer ist im Erziehungsurlaub. Er hatte schon immer eine BAV. Nach dem Mutterschutz möchte der Arbeitnehmer während der Elternzeit als Minijob für die Firma weiter tätig sein. Sein Gehalt beträgt 100,- EUR. Die Entgeltumwandlung der BAV beträgt aber auch 100,- EUR. der Arbeitgeberanteil 20,- EUR. Ist das bei einem Minijob von 100,- EUR möglich?

    • Hallo Michaela,

      ein solches Modell ist möglich. Wird das gesamte Arbeitsentgelt im Rahmen des zulässigen Freibetrages zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung umgewandelt wird, beträgt das Arbeitsentgelt „0“.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. In meinem Fall zahlt der Arbeitgeber nur den Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge (100€). Es wird kein Entgelt umgewandelt.
    Die Arbeitnehmerin verdient 450€. Kann der Arbeitgeberzuschuss nun weiter gewährt werden oder ist die Minijobgrenze damit überschritten.

    • Hallo,

      auch arbeitgeberfinanzierte Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge können beitragsfrei in der Sozialversicherung sein. Die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung folgt hier der steuerrechtlichen Beurteilung.

      Die steuerrechtliche Beurteilung von Beiträgen und Zuwendungen zum Aufbau betrieblicher Altersversorgung nimmt Ihr zuständiges Finanzamt vor.

      Sind die Zuwendungen nicht zu versteuern und somit nicht zum monatlichen Verdienst hinzuzurechnen, verbleibt es bei dem 450-Euro-Minijob.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Und was ist in Ihrem Beispiel der Bürohilfe mit dem verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss in Höhe von 15% der Entgeltumwandlung gemäß Betriebsrentenstärkungsgesetz?

    • Hallo Karin,

      Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung bleiben sozialversicherungsfrei, wenn Sie 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der allgemeinen Rentenversicherung nicht übersteigen. Das beinhaltet auch den im Betriebsrentenstärkungsgesetz bestimmten Arbeitgeberzuschuss.

      Wird durch den Arbeitgeberzuschuss der beitragsrechtliche Freibetrag für die Entgeltumwandlung überschritten, ist der den Freibetrag übersteigende Teil dem beitragsrechtlichen Arbeitsentgelt zuzurechnen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  7. Sie schreiben, dass jeder Mini-Jobber die Entgeltumwandlung in Anspruch nehmen kann. Ist das auch so, wenn der Mini-Jobber noch eine Hauptbeschäftigung hat und in dieser Hauptbeschäftigung keine Entgeltumwandlung, sonder nur im Mini-Job-Arbeitsverhältnis eine hat? Ist dies überhaupt möglich?

      • Was, wenn zum Zeitpunkt des Abschlusses einer BAV der Minijob das erste Arbeitsverhältnis ist, später aber zusätzlich zum Minijob eine Hauptbeschäftigung aufgenommen wird. Kann dann die Gehaltsumwandlung im Minijob weiter bestehen bleiben?

        • Hallo Herr Rudolf,

          grundsätzlich ist das der Fall. Unter dem Begriff „erstes Dienstverhältnis“ sind alle Beschäftigungen zu verstehen, in denen der Arbeitslohn nicht nach dem Lohnsteuerabzugsmerkmal der Steuerklasse VI versteuert wird. Hierbei kann es sich auch um ein geringfügiges Beschäftigungsverhältnis handeln.

          Ausführliche Informationen hierzu erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    • Guten Tag,

      grundsätzlich ist auch das möglich. Die Voraussetzungen für die Beitragsfreiheit einer solchen Entgeltumwandlung sind jedoch vom Durchführungsweg abhängig. So bleiben beispielsweise Zuwendungen zugunsten eines Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder Direktversicherung beitragsfrei, sofern sie aus dem ersten Dienstverhältnis heraus entrichtet werden.

      Die Entgeltumwandlung zugunsten einer betrieblichen Altersversorgung in den Durchführungswegen Direktzusage oder Unterstützungskasse ist hingegen bis zu einem Betrag von vier Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze möglich, unabhängig davon ob ein erstes Dienstverhältnis besteht.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  8. Hallo!
    Wenn ich nun einen schon seit längerem beschäftigten, sv.-pflichtigen Arbeitnehmer mit 460 € brutto habe und er nun eine betriebliche Altersvorsorge als Entgeltumwandlung in Höhe von 50 € abschließt, muss er dann als Minijobber umgemeldet werden? Verliert er dann seine Krankenversicherung?
    Danke für die Rückantwort!

    • Hallo Petra,

      wird ein Teil des gezahlten Entgeltes zu Gunsten einer betrieblichen Altersvorsorge umgewandelt und unterliegt der Steuerfreiheit, reduziert sich auch der beitragspflichtige Verdienst. Unter Umständen kann dann aus einem dem Grunde nach versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis ein Minijob werden. Eine eigene Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht im Minijob nicht.

      Dieser Sachverhalt ist jedoch im Einzelnen zu prüfen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Beurteilung in unserem öffentlichen Blog vornehmen können.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      • Ich bin mir nicht sicher. Aber das kann eigentlich so nicht sein. Die Beurteilung der Beschäftigung ist zu Beginn. Im dem Beispiel Versicherungspflicht. Wenn später das Arbeitsgentgelt gesenkt wird, kann es sein, dass die Beschäftigung zum Mini-Job wird. Aber wenn das Arbeitsentgelt nicht gesenkt wird, sondern nur umgewandelt und dadurch teilweise Steuerfreiheit und damit Beitragsfreiheit eintritt, kann es eigentlich dazu führen, das Versicherungsfreiheit (und damit Mini-Job) eintritt.

        • Hallo Herr Wulf,

          die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung einer Beschäftigung erfolgt stets zu Beginn und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung in den Verhältnissen.

          Bei einer Entgeltumwandlung zu Gunsten einer betrieblichen Altersversorgung kann man von einer dauerhaften Veränderung ausgehen. Eine neue vorausschauende sozialversicherungsrechtliche Beurteilung ist damit erforderlich.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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