Mehrere Minijobs neben einer Hauptbeschäftigung – Geht das?

Deutschland ist kein Land der Multijobber: Mehr als 97 Prozent aller Minijobber üben genau einen Minijob aus. Übt der Minijobber mehrere aus, wird die Höhe der Verdienste zusammengerechnet. Wenn die Grenze von 450 Euro nicht überschritten wird, sind alle Beschäftigungen Minijobs und somit nicht sozialversicherungspflichtig. Mehrere Minijobs dürfen aber nur dann gleichzeitig ausgeübt werden, wenn keine Hauptbeschäftigung vorliegt.

Aber was gilt, wenn eine Hauptbeschäftigung vorliegt? In unserem Praxisbeispiel veranschaulichen wir, worauf zu achten ist, wenn neben einer Hauptbeschäftigung noch weitere Beschäftigungen ausgeübt werden. Wir zeigen zudem, wie Arbeitgeber diese Beschäftigungen melden müssen.

Das Praxisbeispiel:

Eine Raumpflegerin erzielt regelmäßig folgende monatliche Verdienste

  • seit vielen Jahren beim Arbeitgeber A  600 Euro
  • seit 1.6.2018 beim Arbeitgeber B  230 Euro
  • seit 1.2.2019 beim Arbeitgeber C  200 Euro

Wie müssen die drei Beschäftigungen gemeldet werden? Sind die Beschäftigungen bei den Arbeitgebern B und C noch Minijobs oder liegen sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vor?

So müssen die Beschäftigungen beurteilt werden:

Die Raumpflegerin unterliegt in der Beschäftigung beim Arbeitgeber A der Versicherungspflicht in der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Da der Verdienst oberhalb von 450 Euro liegt, handelt es sich in diesem Beispiel um die Hauptbeschäftigung.

Die beiden übrigen Beschäftigungen übersteigen die Verdienstgrenze von 450 Euro nicht. Einzeln betrachtet wären somit beide Beschäftigungen eigentlich 450-Euro-Minijobs.

Es ist jedoch gesetzlich geregelt, dass neben einer Hauptbeschäftigung immer nur genau ein Minijob ausgeübt werden darf. Die Höhe des Verdienstes im Minijob spielt keine Rolle. Da die Beschäftigung beim Arbeitgeber B zeitlich zuerst aufgenommen wird, bleibt diese ein Minijob. Der Arbeitgeber B muss somit Pauschalbeiträge zur Kranken- und gemeinsam mit dem Arbeitnehmer Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung an die Minijob-Zentrale zahlen. Hat sich der Arbeitnehmer von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, zahlt der Arbeitgeber nur seinen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung.

Die Beschäftigung beim Arbeitgeber C ist hingegen mit der Hauptbeschäftigung beim Arbeitgeber A zusammenzurechnen. Diese Beschäftigung ist dann kein Minijob mehr. Es handelt sich hier ebenfalls um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Für diese Beschäftigung besteht aber nur Versicherungspflicht in der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. In der Arbeitslosenversicherung dagegen gilt auch für diese Beschäftigung weiterhin Versicherungsfreiheit, weil das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung 450 Euro nicht überschreitet.

Weitere Informationen zu Mehrfachbeschäftigungen im Zusammenhang mit Minijobs gibt es auf der Website der Minijob-Zentrale und auch hier im Blog.

So müssen die Beschäftigungen gemeldet werden:

Die Beschäftigungen A und C müssen von den Arbeitgebern bei der zuständigen Krankenkasse gemeldet werden. Die Beschäftigung B ist ein 450-Euro-Minijob. Dieser muss bei der Minijob-Zentrale gemeldet werden.

Die Personen- und Beitragsgruppenschlüssel lauten wie folgt:

Arbeitgeber A
Personengruppenschlüssel: 101
Beitragsgruppenschlüssel: 1 1 1 1

Arbeitgeber B
Personengruppenschlüssel: 109
Beitragsgruppenschlüssel: 6 5 0 0 (bei Befreiung von der Rentenversicherungspflicht)
Beitragsgruppenschlüssel: 6 1 0 0 (bei Rentenversicherungspflicht)

Arbeitgeber C
Personengruppenschlüssel: 101
Beitragsgruppenschlüssel: 1 1 0 1

Weitere Informationen zum Melde- und Beitragsverfahren für Minijobs gibt es hier.

12 Kommentare zu “Mehrere Minijobs neben einer Hauptbeschäftigung – Geht das?

  1. So ein Vorhaben würde ich auf jeden Fall mit einem Arbeitsrecht Anwalt abklären, weil das Thema Scheinselbstständigkeit bei vielen Minijobs durchaus relevant werden kann. Lieber einmal zu viel beraten lassen, als es nachher zu bereuen.

  2. Hallo, wenn ein Rentner (Alter 63 )von der Bundeswehr einen Minijob habt (EUR 200,00) darf er eine 2. Minijob annehmen und auch EUR 200,00 verdienen? (Zusammen EUR 400,00)
    Wie ist die 2. stelle zu behandeln – Lohnsteuer und SV

    • Hallo Anne,

      Rentner dürfen so viele Minijobs aufnehmen wie sie möchten. Es ist darauf zu achten, dass das durchschnittliche monatliche Arbeitsentgelt nicht über 450 Euro liegt.

      Liegen die Minijobs in Zusammenrechnung bei maximal 450 Euro werden alle Beschäftigungen bei der Minijob-Zentrale durch die jeweiligen Arbeitgeber angemeldet.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Bei all diesen Fragen glaube ich dass es richtig ist nur einen Nebenjob als Minijob zuzulassen. Spätestens wenn man mal in Rente gehen will und an seiner Rentenhöhe merkt wie gut es gewesen wäre wenn man für den 450€ Betrag auch noch Rente bekommen würde.

  4. Neben einer Hauptbeschäftigung kann jedoch ein „Minijob“ und ein Job im Haushalt (Haushaltsscheck) ausgeübt werden, wenn diese beiden zusammen nicht mehr als € 450,00 betragen?

    • Hallo Pia,

      das ist nicht möglich.

      Unabhängig davon ob die Beschäftigung im Privathaushalt oder im gewerblichen Bereich stattfindet, handelt es sich um einen 450-Euro-Minijob.
      Sie können neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nur einen 450-Euro-Minijob ausüben.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    • da stimme ich zu. Die Aussage, dass 97% aller Mini-Jobber nur einen Minijob ausüben, entspringt wohl der Statistik der minijob-Zentrale. Aufgrund der Abrechnungskomplexität bei einem zweiten Minijob dürften wohl viele auf eine Anmeldung bei der Minijob-Zentrale verzichten. Wer beauftragt schon für vielleicht 50€ Lohn im Monat einen Steuerberater bzw. ein Lohnbüro.

  5. Wenn ein Arbeitnehmer eine Hauptbeschäftigung sowie einen Minijob geringfügig mit 450,00 EUR hat, kann ich diesen für ein paar Tage im Jahr als kurzfristig Beschäftigten einstellen und mit Personengruppenschlüssel 110 anmelden?

    • Hallo Frau Daxenberger,

      ja, dass ist durchaus möglich.

      Ein Arbeitnehmer kann neben eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung, genau einen 450-Euro-Minijob und eine kurzfristige Beschäftigung parallel ausüben.

      Hier finden Sie den passenden Blog-Beitrag dazu: http://t1p.de/Blogbeitrag-Hauptjob-Minijob-kurzfristig

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Hallo liebes Blog-Team,
    in diesem schönen Beispiel muss sich Arbeitgeber C wie Arbeitgeber A (in der Regel ein Gewerbetreibender) verhalten. Wenn Arbeitgeber C eine Privatperson ist, sind selten Kenntnisse vorhanden, um für einen Arbeitnehmer eine Lohnabrechnung fachgerecht durchzuführen. Da bleibt einem nur der Gang zum Lohnbüro, um beim Finanzamt mit der Lohnsteuerabrechnung keine Fehler zu machen.

    Hier ein Rechenbeispiel zu den Kosten:

    Lohn monatlich 40,00 € (bekommt der Arbeitnehmer ausgezahlt)

    Lohnsteuer 25% 10,00 € Pauschal

    Rentenvers. 18,60% 7,44 €
    Krankenv. 14,60% 5,84 €
    Pflegevers. 3,05% 1,22 €

    Arbeitsl.vers. 0% 0,00 €

    Unfallvers. 1,6% 0,64€
    Abrechnung durch Lohnbüro 8,50 €
    Summe 73,64€

    Wenn ich als Arbeitgeber C meinem Helfer im Privathaushalt 40€ pro Monat (4 Stunden a 10€) zahlen möchte, muss ich ca. 73€ aufwenden, ergo die Nebenkosten von ca. 33€ selbst tragen. Die Abzugsmöglichkeiten bei der Einkommenssteuer für mich als Arbeitgeber sind hier nicht berücksichtigt.
    Ein tolles Modell, das sich die Verantwortlichen in Berlin da ausgedacht haben. Das fördert die Schwarzarbeit geradezu.
    Sollten in der obigen gravierende Fehler enthalten sein, bitte ich um Korrektur.

    Außerdem empfehle ich jedem, der einen Mini-Jobber einstellen möchte, diesen vorher zu fragen, ob er bereits einen Mini-Job hat. Ansonsten läuft man Gefahr, in obiges Szenario zu geraten.

    Viele Grüße
    Roland

    • Hallo Roland,

      auch für Arbeitgeber im Privathaushalt gelten die im Beitrag genannten gesetzlichen Bestimmungen.
      Eine andere Regelung hat der Gesetzgeber für versicherungspflichtig Beschäftigte im Privathaushalt nicht vorgesehen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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