Auch bei Minijobs: Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale

In den mehr als 90.000 Turn- und Sportvereinen in Deutschland treibt rund ein Drittel der Bundesbürger regelmäßig Sport. Fast 500.000 Personen verfügen sogar über eine offizielle Lizenz als Trainer oder Übungsleiter. Viele engagieren sich auch ehrenamtlich im Rahmen des Vereinslebens.

Wie Sportvereine ihre als Minijobber beschäftigten Übungsleiter melden müssen und wie die sogenannte Übungsleiterpauschale bzw. Ehrenamtspauschale zu berücksichtigen ist, zeigen wir in unserem ersten Beitrag unserer neuen Rubrik „Praxisbeispiele“.

In dieser Rubrik gehen wir zukünftig auf Praxisfälle im Minijob-Alltag ein und erklären die Minijob-Regelungen auf einfache Weise.

Das Praxisbeispiel:

Gerd ist Hausmann und im Sportverein als Übungsleiter tätig. Er bekommt dafür monatlich 640 Euro. Gleichzeitig übernimmt er im selben Sportverein ehrenamtlich die Aufgaben des Kassenwarts, für die er monatlich 70 Euro erhält. Gerd ist gesetzlich krankenversichert.

Da beide Tätigkeiten bei demselben Arbeitgeber ausgeübt werden, handelt es sich sozialversicherungsrechtlich um ein einziges Beschäftigungsverhältnis.

Aber: Liegt hier noch ein Minijob vor?

Um den sozialversicherungsrechtlichen Verdienst von Gerd als Übungsleiter und Kassenwart zu ermitteln, können Steuerfreibeträge genutzt werden, die als Aufwandsentschädigung gelten. Diese Steuerfreibeträge liegen jährlich bei 2.400 Euro (die sogenannte „Übungsleiterpauschale“) und 720 Euro (die sogenannte „Ehrenamtspauschale“).

Info: Wie können die Steuerfreibeträge genutzt werden?

Die Steuerfreibeträge können auf zwei Arten angewandt werden:

    • „pro rata“ – Der Gesamtbetrag wird monatlich angesetzt:
      • bei dem Übungsleiterfreibetrag mit 200 Euro und
      • bei der Ehrenamtspauschale mit 60 Euro
    • „en bloc“ – Der Gesamtbetrag wird am Stück aufgezehrt – beispielsweise jeweils zu Jahresbeginn.

Die gewählte Vorgehensweise hat keine Auswirkungen auf die versicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung. Arbeitgeber ziehen bei ihrer Prognose zur Ermittlung des regelmäßigen Verdienstes für den Beurteilungszeitraum immer den jährlichen Steuerfreibetrag vom zu erwartenden Gesamtverdienst ab und teilen diese Summe durch die Anzahl der Monate des Beurteilungszeitraums.

Da im Fall von Gerd die Steuerfreibeträge pro rata ausgeschöpft werden sollen, ermittelt sich der zu meldende regelmäßige monatliche Verdienst in dem Sportverein für die Zeit von Januar bis Dezember wie folgt:

Übungsleiter:
Monatlicher Verdienst                                            640 Euro
Jährlicher Verdienst (640 Euro x 12 =)                   7.680 Euro
./. Steuerfreibetrag „Übungsleiterpauschale“         2.400 Euro
Sozialversicherungsrechtlicher Verdienst               5.280 Euro

Kassenwart:
Monatlicher Verdienst                                            70 Euro
Jährlicher Verdienst (70 Euro x 12 =)                     840 Euro
./. Steuerfreibetrag „Ehrenamtspauschale“            720 Euro
Sozialversicherungsrechtlicher Verdienst              120 Euro

Summe (Übungsleiter + Kassenwart)                     5.400 Euro

Die Beschäftigung ist somit ein 450-Euro-Minijob, weil das Arbeitsentgelt unter Berücksichtigung der steuerfreien Aufwandsentschädigungen 450 Euro (=5.400 Euro :12) nicht übersteigt.

Weitere Informationen zur Übungsleiterpauschale und zur Ehrenamtspauschale gibt es hier. Dort erklären wir auch, wie die Steuerfreibeträge en bloc ausgeschöpft werden können und welche Auswirkungan das hat.

Wie muss der Minijob gemeldet werden?

Es besteht Versicherungsfreiheit in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung sowie keine Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung. In der Rentenversicherung liegt Versicherungspflicht vor, von der sich der Arbeitnehmer auf Antrag befreien lassen kann. Der Arbeitgeber hat Pauschalbeiträge zur Krankenversicherung und gemeinsam mit dem Arbeitnehmer Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung zu zahlen.

Die Beschäftigung ist vom Arbeitgeber wie folgt ganzjährig zu melden und zu verbeitragen:

Personengruppenschlüssel: 109
Beitragsgruppenschlüssel: 6 1 0 0

Weitere Informationen zum Melde- und Beitragsverfahren für Minijobs gibt es hier.

15 Kommentare zu “Auch bei Minijobs: Übungsleiterpauschale und Ehrenamtspauschale

  1. Mein Sohn hat als Student seit 2 Monaten einen Mini-Job mit einem befristeten Vertrag für zunächst ein Jahr.
    Desweiteren spielt er Fussball in einem örtlichen Verein und bekommt dort eine Aufwandspauschale je nach Spielanteilen manchmal bis zu 300 €.
    Ist das beides miteinander vertretbar?

  2. Ein nebenberuflicher Trainer in einem gemeinnützigen Sportverein bekommt 200,-€ Vergütung. Wie muss ich eine Übungsleiterpauschale anmelden? Welche Sozialversicherungskosten entstehen noch?

    • Hallo,

      die sogenannte Übungsleiterpauschale beträgt 2.400 Euro im Kalenderjahr und ist steuer- und sozialversicherungsfrei. Dieser Freibetrag zählt nicht zum Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung. Erhält Ihr Trainer seinen Verdienst lediglich aus der Übungsleiterpauschale, ist dies nicht bei der Minijob-Zentrale zu melden.

      Die Entscheidung, ob Sie die Übungsleiterpauschale anwenden können, trifft das Finanzamt.

      Weitere hilfreiche Informationen erhalten Sie in unseren Blog-Beitrag vom 27.März 2019: https://t1p.de/Blogbeitrag-Trainer-und-Ehrenamtliche

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Da habe ich noch eine Frage. Ich habe zur Zeit einen Schülerjob in einer kirchlichen Einrichtung als eine Art Betreuerin für Menschen mit Behinderungen und verdiene rund 190 Euro pro Monat. Wenn ich mir jetzt noch einen 450 Euro-Job suchen würde, würde die Überleitungspauschale bei mir ebenfalls eintreten oder müsste ich dann Steuern zahlen?

    • Hallo Frau Schäfer,

      die sogenannte Übungsleiterpauschale beträgt 2.400 Euro im Kalenderjahr. Dieser Freibetrag ist steuer- und sozialversicherungsfrei.

      Die Entscheidung, ob Ihr aktueller Arbeitgeber bzw. Ihr zukünftiger Arbeitgeber die Übungsleiterpauschale bereits anwendet oder zukünftig anwenden kann, trifft das zuständige Finanzamt.

      Für Sie als Arbeitnehmerin ist in diesem Zusammenhang wichtig, dass es sich bei Anwendung dieses Freibetrages um kein Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung handelt. Nur der den Freibetrag übersteigende Teil des Verdienstes muss versteuert und verbeitragt werden.

      Bezüglich der Versteuerung eines 450-Euro-Minijobs kann der Arbeitgeber die Art der Besteuerung wählen. Er entscheidet, ob er den Minijob pauschal mit 2 % versteuert oder nach Ihren individuellen Lohnsteuermerkmalen.

      Liegen Sie mit den Arbeitsentgelten aus beiden Beschäftigungen in Summe über 450 Euro, handelt es sich nicht mehr um 450-Euro-Minijobs. Die Beschäftigungen müssen dann durch Ihren Arbeitgeber bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse gemeldet werden. Die Versteuerung erfolgt hier direkt über das zuständige Finanzamt.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Im Beispiel ist der Beschäftigte Hausmann. Ergibt sich dieselbe Beurteilung wenn eine Hauptbeschäftigung vorliegt? Wie ist es, wenn die ehrenamtlichen Tätigkeiten für verschiedene Vereine ausgeübt werden?

    • Guten Tag Herr Bucher,

      auch neben einer Hauptbeschäftigung ist die Anwendung der Übungsleiterpauschale bzw. Ehrenamtspauschale möglich.

      Es ist zulässig die einzelnen Pauschalen auf verschiedene Vereine/Träger aufzusplitten.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Wie sieht das aus, wenn ich in einer gemeinnützigen Einrichtung (gGmbH) einen Minijob habe und dann noch die gleiche Tätigkeit auch noch weitere Stunden durch ehrenamtlichenPauschale oder Übungsleiterpauschale abrechnen möchte.
    Ist das ein Unterschied, ob im Verein oder im einer gemeinnützigen Einrichtung

    • Hallo Hanne,

      die Beurteilung, ob die Übungsleiterpauschale Anwendung findet obliegt dem Finanzamt.

      Sollte die Übungsleiterpauschale Anwendung finden, ist es unrelevant ob die Tätigkeit aus der Übungsleiterpauschale und dem bereits bestehenden 450-Euro-Minijob identisch ist.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Hallo,
    müssen sich die Tätigkeiten im Minijob und bei der Übungsleiterpauschale nicht inhaltlich unterscheiden?

    • Hallo Herr Algaier,

      nein, das müssen Sie nicht.

      Ein Minijob liegt erst dann vor, wenn die Übungsleiterpauschale aufgebraucht wurde. In den meisten Fällen wird es sich jedoch von Beginn bis Ende um die gleiche Tätigkeit handeln.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    • Hallo,

      Vielen Dank für Ihr positives Feedback ! Das freut uns :-)

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  7. Der Artikel mit dem Beispiel ist klar verständlich und übersichtlich,
    danke für die Information

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