Kurzfristige Minijobs – berufsmäßig oder nicht?

Mehr als 200.000 Beschäftigte üben aktuell einen kurzfristigen Minijob aus. Warum es für die zeitlich befristet eingestellten Minijobber wichtig ist, die Beschäftigungen nicht berufsmäßig auszuüben und wie Arbeitgeber die Berufsmäßigkeit einer Beschäftigung prüfen können, erklären wir in diesem Beitrag.

Warum Arbeitgeber die Berufsmäßigkeit prüfen müssen

Kurzfristige Minijobs müssen schon vor Beginn der Beschäftigung zeitlich begrenzt werden. Sie dürfen maximal 3 Monate oder 70 Arbeitstage andauern. Generell besteht bei kurzfristigen Minijobs keine Verdienstbeschränkung.

Wird jedoch mehr als 450 Euro monatlich verdient, müssen Arbeitgeber zusätzlich prüfen, ob der Minijob berufsmäßig ausgeübt wird. Wer berufsmäßig arbeitet, darf nicht im Rahmen eines kurzfristigen Minijobs beschäftigt werden. Diese Beschäftigungen wären dann sozialversicherungspflichtig und bei der zuständigen Krankenkasse zu melden.

Wann wird eine Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt?

Eine Beschäftigung wird berufsmäßig ausgeübt, wenn sie für den Beschäftigten nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist. Sichert zum Beispiel eine Aushilfe mit der Beschäftigung ihren Lebensunterhalt, dann gilt diese als berufsmäßig.

Weil Arbeitgebern die konkrete Prüfung der Einkommensverhältnisse der Beschäftigten nicht immer möglich ist, geben die Sozialversicherungsträger Handlungsempfehlungen, wie man das Vorliegen von Berufsmäßigkeit prüfen kann. Diese Handlungsempfehlungen orientieren sich an der ständigen Rechtsprechung des Bundessozialgerichts. Liegen bestimmte Fallgestaltungen vor, können Arbeitgeber sich daran orientieren und entscheiden, ob Berufsmäßigkeit vorliegt. Eine auf den Einzelfall bezogene Prüfung der Einkommensverhältnisse der Beschäftigten ist dann nicht erforderlich.

Handlungsempfehlungen zur Prüfung der Berufsmäßigkeit – wie lauten sie?

Die Handlungsempfehlungen zur Prüfung der Berufsmäßigkeit orientieren sich u.a. am Status und dem Erwerbsverhalten der Aushilfe. Ob Berufsmäßigkeit vorliegt oder nicht, kann wie folgt eingeschätzt werden:

1. Berufsmäßigkeit aufgrund des persönlichen Status der Aushilfe

Arbeitgeber können bereits am Status erkennen, ob eine Aushilfe berufsmäßig beschäftigt ist. Als berufsmäßig gelten Personen, die

  • mit oder ohne Leistungsbezug bei der Arbeitsagentur als Ausbildungs- oder Arbeitssuchende gemeldet sind (hiervon ausgeschlossen sind Schülerinnen und Schüler, die schon während ihrer Schulausbildung bei der Arbeitsagentur als ausbildungssuchend gemeldet sind),
  • kurzfristig beschäftigt sind, während gleichzeitig die Hauptbeschäftigung aufgrund von Elternzeit oder unbezahltem Urlaub ruht, oder
  • Personen zwischen der Beendigung ihrer Schulausbildung und der Aufnahme einer betrieblichen Berufsbildung, eines dualen Studiums oder eines Freiwilligendienstes (z. B. Bundesfreiwilligendienst).

2. Berufsmäßigkeit aufgrund des Erwerbsverhaltens der Aushilfe

Berufsmäßigkeit kann sich auch aufgrund des Erwerbsverhaltens der Aushilfe ergeben.

Folgt eine kurzfristige Beschäftigung auf bereits ausgeübte Beschäftigungen, liegt Berufsmäßigkeit vor, wenn die Summe aller Beschäftigungszeiten zusammen mit der aktuell zu beurteilenden Beschäftigung im laufenden Kalenderjahr mehr als 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage beträgt.

Unberücksichtigt bei dieser Betrachtung bleiben allerdings 450-Euro-Minijobs und kurzfristige Beschäftigungen mit einem Verdienst bis durchschnittlich 450 Euro im Monat.

Hinweis: Zeiten der Meldung als Ausbildungs- oder Arbeitssuchender mit Beschäftigungslosigkeit werden bei dieser Prüfung wie Beschäftigungszeiten berücksichtigt!

Bei welchen Aushilfen ist generell keine Berufsmäßigkeit zu prüfen?

Bei Personen, die einen kurzfristigen Minijob neben

  • einer Hauptbeschäftigung,
  • einer selbständigen Tätigkeit,
  • einem freiwilligen Wehrdienst,
  • dem Bezug von Vorruhestandgeld,
  • einem freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahr oder
  • einem Bundesfreiwilligendienst

nachgehen, kann angenommen werden, dass die Tätigkeit von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung und deshalb grundsätzlich nicht berufsmäßig ist.

Für welche Aushilfen gibt es noch Besonderheiten?

Es gibt Aushilfen, die aufgrund ihres Status nicht zu den berufsmäßig Beschäftigten gehören, aber wegen ihres Erwerbsverhaltens berufsmäßig sein können. Hierzu gehören insbesondere

  • Altersvollrentner (aber nicht Bezieher einer Teilrente), die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind
  • Studenten, die noch nicht zum Personenkreis der Erwerbstätigen zählen.

Sie stehen dem Arbeitsmarkt nicht mehr bzw. noch nicht dauerhaft zur Verfügung. Für diese Personen kann sich lediglich Berufsmäßigkeit aufgrund des Erwerbsverhaltens ergeben. Berücksichtigt werden für diese Prüfung aber nur Beschäftigungszeiten ab Beginn der Altersvollrente bzw. dem Studienbeginn.

Unsere „Entscheidungshilfe zur Prüfung der Berufsmäßigkeit“ hilft Ihnen bei der Klärung unterschiedlichster Fallkonstellationen.

Der Einstellungsfragebogen schafft Transparenz

Der Einstellungsfragebogen, die sogenannte „Checkliste für geringfügig entlohnte und kurzfristig Beschäftigte“, erfasst alle Angaben der Aushilfe, die für die Prüfung der Berufsmäßigkeit erforderlich sind. Die Checkliste ist der Aushilfe vor Beginn der Beschäftigung auszuhändigen. Sie ist anschließend die wesentliche Grundlage für die versicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung.

14 Kommentare zu “Kurzfristige Minijobs – berufsmäßig oder nicht?

  1. Pingback: Fleißige Helfer in der Weihnachtszeit – vier Vorteile von kurzfristigen Minijobs | Die Minijob-Zentrale

  2. Kann man mit einem/r Student/in einen Vertrag für die kommenden (mehrere) Jahre machen, so dass es trotzdem kurzfristig, nicht berufsmäßig gilt? Es soll auf keinen Fall die 70 Tagesgrenze überschritten werden, z.B. 40 Tage in den Semesterferien im Sommer und dann noch mal den einen und anderen Tag am Wochenende als Aushilfe.
    Oder muss man jedes Jahr einen neuen Vertrag machen und die Person jedes Jahr an- und abmelden, dann im nächsten Jahr vor der nächsten Beschäftigung wieder neu anmelden und später abmelden …?

    • Hallo,

      dies ist grundsätzlich nicht möglich. Über eine Rahmenvereinbarung können Sie eine Beschäftigung für längstens 12 Monate auf bis zu 70 Arbeitstage befristen. Damit liegt ein kurzfristiger Minijob vor. Nach einer Pause von mindestens zwei Monaten können Sie im Anschluss daran eine erneute Rahmenvereinbarung mit Ihrem Minijobber schließen.

      Haben Sie die Rahmenvereinbarung unterjährig geschlossen, müssen Sie Zeiten eventueller Vorbeschäftigungen Ihres Minijobbers berücksichtigen. Dabei dürfen seine Arbeitseinsätze insgesamt maximal 70 Arbeitstage betragen — sowohl im laufenden Kalenderjahr als auch für die Dauer der Rahmenvereinbarung.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Hallo, ich habe eine Frage zur kurzfristigen Beschäftigung.Darf ich einen Mitarbeiter, der über 450€ berufsmäßig beschäftigt wäre, dann trotzdem als kurzfristig Beschäftigten anmelden ( Beitragsgruppenschlüssel 0000) wenn er bei uns unter 450€ bleiben würde. Über welchen Zeitraum wäre dies dann möglich und müssen hier auch Vorbeschäftigungen angerechnet werden?
    Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.
    Vielen Dank!

    • Hallo,

      die sogenannte Berufsmäßigkeit wird erst ab einem Verdienst von 450,01 Euro geprüft. Somit können Sie den Arbeitnehmer mit einem maximalen Verdienst von 450 Euro im Rahmen eines kurzfristigen Minijobs beschäftigen.

      Ein kurzfristiger Minijob liegt vor, wenn die Tätigkeit im Laufe eines Kalenderjahres im voraus auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist. Ein Arbeitsvertrag über einen kurzfristigen Minijob muss somit zeitlich befristet sein.

      Es ist jeweils, unabhängig von der Berufsmäßigkeit, zu Beginn eines neuen kurzfristigen Minijobs vom Arbeitgeber zu prüfen, ob dieser zusammen mit den schon im laufenden Kalenderjahr ausgeübten kurzfristigen Minijobs die maßgebende Zeitgrenze von drei Monaten oder 70 Arbeitstagen überschreitet.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      • Wie verhält es sich dann mit der Anrechnung einer solchen kurzfristigen Beschäftigung (bis 450€), bei den Vorversicherungszeiten. Wird sie bei den 3 Monaten bzw, 70 Arbeitstagen mitgerechnet?

        • Hallo,

          alle bereits im laufenden Kalenderjahr ausgeübten kurzfristigen Minijobs (unabhängig vom Verdienst) zählen als Vorbeschäftigungszeit und werden bei den 3 Monaten oder 70 Arbeitstagen mit angerechnet,

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Hallo, wie viele Sozialabgaben + Krankenkassenbeiträge in % oder Euro wären zu entrichten bei : Altersvollrentner mit 65, Zusatzverdienst Gleitzone für 3 Monate a 850,- bis 06.2019 und Gleitzone [neu] ab 1.7. bis 30.9. mit 1300,- / Monat bei einer Brutto Rentenzahlung als Einkommen in Höhe 540,-/ Monat bzw. 6480,- p.a. ?
    Welche Freibeträge wären bei EST am Jahresende vorhanden ?
    Vielleicht können Sie helfen . Irgendwann wirds zu kompliziert. Vielen Dank im voraus.

    • Hallo Martin,

      zunächst ist zu beurteilen, welche Art der Beschäftigung vorliegt. Diese versicherungsrechtliche Beurteilung obliegt grundsätzlich dem Arbeitgeber.

      Mit der von Ihnen geschilderten Befristung der Beschäftigung auf maximal 3 Monate, liegt dem Grund nach eine kurzfristige Beschäftigung vor. Voraussetzung ist jedoch, dass der betreffende Arbeitnehmer im laufenden Kalenderjahr nicht bereits kurzfristig beschäftigt war bzw. keine Berufsmäßigkeit gegeben ist. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie auf unserer Homepage: http://t1p.de/MJZE-kurzfristig-gewerbliche-Minijobs

      Ein kurzfristiger Minijob ist sozialversicherungsfrei. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen daher für diese Beschäftigung keine Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitgeber entrichtet nur die anfallenden Umlagebeiträge zur U1 (wenn die Beschäftigung länger als 4 Wochen dauert) und zur U2. Versteuert wird der kurzfristige Minijob entweder individuell nach der Steuerklasse des Minijobbers oder unter bestimmten Voraussetzungen pauschal in Höhe von 25 Prozent. Auch hierzu informieren wir Sie auf unserer Homepage: http://t1p.de/MJZE-Steuerrecht-kurzfristig

      Kommt eine kurzfristige Beschäftigung nicht in Frage – zum Beispiel, weil der Beschäftigte bereits im Vorfeld bei einem anderen Arbeitgeber kurzfristig beschäftigt war – liegt mit einem durchschnittlichen monatlichen Verdienst von mehr als 450 Euro eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor. Das gilt grundsätzlich auch für Rentner. Zu den dann zu leistenden Beiträgen berät Sie die zuständige Krankenkasse.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Das mit den STudierenden verstehe ich nicht. Wenn ein Student während seines Studiums eine kurzfristige Beschäftigung ausübt, ist sie doch nicht berufsmäßig? Seine Hauptbeschäftigung ist doch das Studium und meistens beziehen Studenten ja Unterhalt von Ihren Eltern. Also kann ein Student/Studentin doch nicht von vornherein als berufsmäßig angesehen werden, womit eine kurzfristige Beschäftigung nicht in Frage kommt.

    • Das gilt nur für Studenten an der dualen Hochschule / Berufsakademie: Die haben ein Anstellungsverhältnis für die Praxisphasen, erhalten also auch eine Vergütung.

    • Hallo Frau Zoller,

      auch bei Studenten kann sich Berufsmäßigkeit ergeben aber eben nicht aufgrund Ihres Status, sondern wegen Ihres Erwerbsverhaltens. Für diese Prüfung sind jedoch nur die Vorbeschäftigungszeiten zu berücksichtigen, die ab Studienbeginn liegen.

      Gern veranschaulichen wir Ihnen dies an einem Beispiel.

      Ein ab Oktober 2018 familienversicherter Student arbeitet befristet im Kalenderjahr 2019:

      bei Arbeitgeber A vom 02.05. bis 28.06. (Sechs-Tage-Woche) 57 Kalendertage Entgelt: 600 Euro

      bei Arbeitgeber B vom 03.08. bis 30.09. (Sechs-Tage-Woche) 59 Kalendertage Entgelt: 700 Euro

      Im Status der Person liegt keine Berufsmäßigkeit vor, da es sich um einen ordentlich Studierenden handelt. Die Studienbescheinigung liegt entsprechend vor. Es kann sich somit nur Berufsmäßigkeit aufgrund des Erwerbsverhaltens des Arbeitnehmers ergeben.

      Die Beschäftigung beim Arbeitgeber A ist ein kurzfristiger Minijob, weil die Grenze von 3 Monaten (90 Kalendertagen) nicht überschritten wird. Die Beschäftigung bei Arbeitgeber B ist kein kurzfristiger Minijob, weil bereits zu Beginn feststeht, dass sie zusammen mit der Beschäftigung bei Arbeitgeber A die zulässige Grenze von 90 Kalendertagen überschreitet. Daher ist die Beschäftigung bei Arbeitgeber B versicherungspflichtig – ggf. als Werkstudent – bei der Krankenkasse des Beschäftigten abzurechnen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Wirklich eine sehr übersichtliche Aufstellung und Beitrag sehr gut erklärt, vielen Dank.

    Ich muss Euch an dieser Stelle wirklich sehr loben für die Arbeit, die Ihr hier macht! Weiter so.

Kommentar verfassen