Fahrtkosten im Minijob: Zählt das Jobticket zum Verdienst?

Fahrtkosten im Minijob: Zählt das Jobticket zum Verdienst?

Viele Arbeitgeber übernehmen mit einem Jobticket die Fahrtkosten für ihre Beschäftigten. Andere beteiligen sich an den Kosten für das Jobticket.

Frederike ist Chefin eines mittelständischen Unternehmens und beschäftigt mehrere Minijobber. Auch sie übernimmt für ihre Beschäftigten die Kosten für das Jobticket oder zahlt ihnen einen Barzuschuss zu den Fahrtkosten. Frederike möchte wissen, ob diese Leistungen zum Verdienst hinzugerechnet werden müssen. In diesen Fällen würden einzelne Minijobber monatlich mehr als 450 Euro erhalten und somit die Verdienstgrenze von Minijobs überschreiten.

Beantwortet von Maik aus dem Service-Center:

Hallo Frederike,

Sie können Ihre Minijobber bei den Fahrtkosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Arbeit finanziell unterstützen. Diese zusätzliche Arbeitgeberleistung ist nicht zum Verdienst hinzuzurechnen und hat keine Auswirkung auf den Status als Minijobber.

Nutzen Arbeitnehmer den öffentlichen Personenverkehr für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit, sind seit dem 1. Januar 2019 die Zuschüsse oder Sachbezüge von Arbeitgebern in voller Höhe lohnsteuerfrei und damit auch sozialversicherungsfrei.

Für Arbeitgeber gibt es zwei Möglichkeiten, sich an den Fahrtkosten ihrer Beschäftigten für öffentliche Verkehrsmittel zu beteiligen, wenn diese zusätzlich zum Verdienst gezahlt werden:

  • Sie können Ihren Beschäftigten ein Jobticket beschaffen bzw. dieses unentgeltlich oder verbilligt anbieten.
  • Falls ein Arbeitnehmer sich das Ticket selbst beschafft, besteht für die Arbeitgeber zudem die Möglichkeit, die Kosten vollständig oder teilweise mit einem Barzuschuss zu übernehmen.

Beispiel:

Ein Minijobber erhält monatlich einen Verdienst in Höhe von 450 Euro. Für die Fahrten zwischen seiner Wohnung und der Arbeit erhält er von seinem Arbeitgeber ein Jobticket. Der Arbeitgeber zahlt für dieses Jobticket monatlich 100 Euro. Die Beschäftigung bleibt weiterhin ein Minijob, da es sich bei dem Jobticket um einen lohnsteuer- und sozialversicherungsfreien Sachbezug handelt.

Die Steuerfreiheit gilt nicht für Arbeitgeberleistungen, die durch Umwandlung des ohnehin geschuldeten Arbeitslohns finanziert werden, sondern nur für zusätzlich gewährte Leistungen.

Hinweis: Die Fahrt mit einem Taxi ist von der Steuerfreiheit ausdrücklich ausgenommen.

Die Neuregelung stellt eine Verbesserung der bisherigen Regelung dar: Bisher war das Jobticket als Sachbezug nur bis zu einer Freigrenze von monatlich 44 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, steuerpflichtige Beträge pauschal zu versteuern, damit sie sozialversicherungsfrei blieben.

Mit der Steuerbegünstigung sollen mehr Menschen zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel bewegt werden.

Benötigen Sie weitere Informationen? Die Deutsche Rentenversicherung informiert in ihrer aktuellen Broschüre „Auf den Punkt gebracht – Beiträge“ darüber, welche Entgeltarten in der Sozialversicherung zum Verdienst zählen und welche nicht. Die Broschüre finden Sie hier.

17 Kommentare zu “Fahrtkosten im Minijob: Zählt das Jobticket zum Verdienst?

  1. Hallo,

    als Minijobber werde ich auch auf Veranstaltungen eingesetzt, zu denen ich mit dem eigenen Auto hinfahren muss. Habe ich in einem solchen Fall einen Anspruch auf Erstattung meiner Fahrtkosten; und wenn ja, wie wird dieser berechnet?
    Freundliche Grüsse
    Baumeister

    • Guten Tag,

      erfolgt Ihr Einsatz auf Anweisung Ihres Arbeitgebers im Rahmen einer Dienstreise, ist der Arbeitgeber grundsätzlich zur Erstattung der Fahrtkosten verpflichtet.

      Wir bitten jedoch um Ihr Verständnis, dass wir Sie zu arbeitsrechtlichen Einzelanfragen im Detail nicht beraten können.

      Als Minijob-Zentrale erteilen wir lediglich allgemeine Auskünfte zum Thema Arbeitsrecht. Für eine individuelle Beratung zum Thema Arbeitsrecht empfehlen wir Ihnen das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Dieses erreichen Sie montags bis donnerstags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr unter der Rufnummer 030/221 911 004.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      • Danke für Ihre schnelle Antwort!
        Ich war nicht genau genug, sorry. Es handelt sich nicht um eine Dienstreise, sondern um eine Messe, auf der mein AG mit einem Stand vertreten ist..
        Auf einer solchen Veranstaltung ist meine Arbeit dieselbe wie sonst auch im Geschäft, nur die Entfernung ist größer als die zu meinem üblichen Arbeitsort. Da kommen schnell einige Kilometer zusammen, die ich ungern übernehmen möchte.
        Grüße
        H. Baumeister

        • Guten Tag,

          ob es sich im geschilderten Fall um eine Dienstreise handelt, wenn Sie auf Anweisung des Arbeitgebers bei einer Messe tätig werden, ist arbeitsrechtlich zu hinterfragen.

          Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir Sie zu arbeitsrechtlichen Sachverhalten nicht beraten können. Wir empfehlen Ihnen, sich mit Ihrer Anfrage an das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Thema Arbeitsrecht zu wenden. Dieses erreichen Sie montags bis donnerstags zwischen 8:00 und 20:00 Uhr unter der Rufnummer 030/221 911 004.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Hallo zusammen,

    Fahrtkostenzuschuss vom AG (Pauschalversteuerung 15%) für die Haushaltshilfe (Haushaltsscheck) auch möglich?

    Beste Grüße

    • Hallo Güny,

      die Möglichkeit der Fahrkostenerstattung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte für Ihre Haushaltshilfe, stellt bis zur Höhe von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer kein Arbeitsentgelt dar, sofern Sie als Arbeitgeber diesen Zuschuss mit 15 % (§ 40 Absatz 2 Einkommenssteuergesetz) pauschal beim Finanzamt versteuern und monatlich zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn zahlen. Bei der Beurteilung des Minijobs bleibt der Fahrkostenzuschuss dann außer Betracht und zählt nicht zum Arbeitsentgelt hinzu.

      Bei Fragen zur Abführung der 15 % Pauschalsteuer wenden Sie sich bitte an das für Sie zuständige Finanzamt.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Kann ich die Fahrtkosten mit Öffi meiner Haushaltshilfe zu uns und zurück komplett übernehmen und dann diese vom Steuer absetzen? – Ca. 50€ im Monat
    A.Hülsen

    • Sehr geehrte Frau von Hülsen,

      Sie können Ihre Haushaltshilfe bei den Fahrtkosten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zur Arbeit finanziell unterstützen. Handelt es sich um eine zusätzliche Arbeitgeberleistung wird es nicht zum Verdienst der Arbeitnehmerin hinzugerechnet und ist in voller Höhe lohnsteuerfrei und damit auch sozialversicherungsfrei.

      Für Arbeitgeber gibt es zwei Möglichkeiten, sich an den Fahrtkosten ihrer Beschäftigten für öffentliche Verkehrsmittel zu beteiligen, wenn diese zusätzlich zum Verdienst gezahlt werden:
      – Sie können Ihrer Beschäftigten ein Jobticket beschaffen bzw. dieses unentgeltlich oder verbilligt anbieten.
      – Falls ein Arbeitnehmer sich das Ticket selbst beschafft, besteht für die Arbeitgeber zudem die Möglichkeit, die Kosten vollständig oder teilweise zu übernehmen.

      Die Steuerfreiheit gilt nicht für Arbeitgeberleistungen, die durch Umwandlung des ohnehin geschuldeten Arbeitslohns finanziert werden, sondern nur für zusätzlich gewährte Leistungen.

      Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir eine Beurteilung bezüglich der steuerlichen Absetzbarkeit der Fahrkosten nicht vornehmen können. Bitte wenden Sie sich dazu an Ihr zuständiges Finanzamt.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich hätte eine Frage. Ich habe Minijob 450€ monatlich. Der Arbeitgeber wird mir Fahrkosten bezahlen, aber er will Tankgutschein iHv 44€ geben. Darf ich sowohl 450€ als auch 44 € Tankgutschein steuerfrei kriegen? Vielen Dank.

    • Guten Tag,

      Sachbezüge bis zu einer Freigrenze von 44 EUR monatlich, die nicht in Geld bestehen, bleiben lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei. Diese Sachbezüge können dann zusätzlich zu den 450 Euro gewährt werden, ohne den Minijob zu gefährden.

      Es bestehen zum Beispiel folgende Möglichkeiten:
      – Der Arbeitgeber händigt dem Arbeitnehmer einen Gutschein über höchstens 44 EUR aus. Die Tankstelle rechnet anschließend mit dem Arbeitgeber ab.

      – Der Arbeitgeber überlässt dem Arbeitnehmer eine Tankkarte; mit dieser darf der Arbeitnehmer bei einer bestimmten Tankstelle für monatlich höchstens 44 EUR tanken.

      -Der Arbeitgeber überlässt dem Arbeitnehmer 44 EUR monatlich als zweckgebundene Geldleistung in bar, die dieser dann in Form einer monatlichen Tankquittung abrechnen muss.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Pingback: 450-Euro-Minijobs – Was zählt alles zum Verdienst? | Die Minijob-Zentrale

  6. Ein finanzieller Zuschuss zu den Spritkosten ist m. E. steuer- und sv-pflichtiger Barlohn. Anders verhält es sich mit einem Bezingutschein, der den Wert von monatlich bis zu 44 € nicht übersteigt (wenn keine anderen Sachleistungen gewährt werden).

    • Hallo Frau Soualmi,

      hier gibt es Unterschiede. Unter bestimmten Voraussetzungen können einige Bezüge pauschal (zum Beispiel mit 15%) besteuert werden. In diesem Fall liegt keine Sozialversicherungspflicht für die pauschal besteuerten Bezüge vor.
      Ob ein Lohnbestandteil die Voraussetzungen für eine derartige pauschale Besteuerung erfüllt, sagt Ihnen das zuständige Finanzamt.

      Kennen Sie in diesem Zusammenhang bereits die Publikation „Summa Summarum – Beiträge 2019“? Die hier im Anhang beigefügte Tabelle erleichtert Ihnen die Beurteilung, ob die geleistete Zahlung als Entgelt zu werten (und somit beitragspflichtig) ist: http://t1p.de/MJZE-summa-summarum-Beitraege-2019

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  7. Hallo, was ist mir den Kosten wenn ich mit meinem Auto fahre. Mein Arbeitgeber würde mir zu meinen 450 EUR 0,30 Euro pro km zahlen macht 7,50 Euro einfache Fahrt im Monat 67,50 Euro. Zusammen 517,50 Euro geht das um Minijob.
    Gruß Frank Bartsch

    • Hallo Herr Bartsch, ich als Arbeitegeber,
      zahle meiner Mitarbeiterin 0,30 Cent pro Kilometer,
      aber ich kann Ihr nur den „Einfachen-Weg“ also nur den Hin bzw. Rückweg zahlen.
      Ich muss diesen Fahrtkostenzuschuss Pauschal versteuern mit ich glaube 15%
      und Sie (also) meine Mitarbeiterin kann dafür diesen Weg nicht mehr als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung gelten machen. Das spielt in den meisten fällen aber auch keine Rolle für die 450 EUR Mini-Jober/in.
      Tipp: Zusätzlich erhält Sie von mir noch 44 EUR Steuer und Sozialversicherungsfrei Sachbezüge (bei mir Individual Gutschein,andere nehmen hier ein Tankgutschein)

    • Hallo Herr Bartsch,

      die hier im Beitrag beschriebenen Neureglungen zum Jobticket gelten ausschließlich bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

      Zuschüsse zu Fahrtkosten mit dem PKW für Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstätte müssen nur dann nicht in der Verdienstgrenze für Ihren Minijob berücksichtigt werden, wenn sie steuerfrei sind. Steuerpflichtige Zuschüsse können unter Umständen Ihren Minijob gefährden.

      Ob die von Ihrem Arbeitgeber geplanten Zahlungen steuerfrei sind – und damit zusätzlich zum Verdienst von 450 Euro monatlich gezahlt werden können – sagt Ihnen Ihr zuständiges Finanzamt.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  8. Das kommt immer auf den Arbeitgeber/Unternehmer an, die einen ja, die anderen Nein, so zu sagen ist Ihre Sache, wie zur zur Arbeit hin & weg kommen. Da man Pkw fährt, wurde vom ehemaligen Arbeitgeber doch glatt weg gesagt, dann kaufen Sie sich ein Monatsticket für den Nahverkehr, obwohl man zuverlässiger Springer war auf GFB. Angefragt war ein Benzinzuschuss da in 2 Wechselschichtsystemen bis spät Nachts um 3Uhr gearbeitet wurde, man fuhr sogar Kollegen/innen nach Haus, sonst wären die nicht nach Haus gekommen. Zur Antwort bekam man, man müßte Kostensparend sein Personal einsetzten. Na ja, kann sich jetzt jeder sein Teil dazu selber denken.
    Da in keinem Monat die Stunden richtig vergütet wurden, landete man vorm Arbeitsgericht und suchte sich einen Solventen neuen Arbeitgeber in der Branche.
    Heißes Thema zu Fahrkostenerstattungen oder Zuschuß zum Sparvertrag.

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