Durch Krankheitsvertretung mehr als 450 Euro verdienen – Ist es dann noch ein Minijob?

Thomas hat einen Minijob, in dem er monatlich 450 Euro verdient. Ein Kollege fällt in der nächsten Zeit aus und Thomas soll die Krankheitsvertretung übernehmen. Er verdient dann 900 Euro im Monat; dadurch überschreitet er die jährliche Höchstverdienstgrenze von 5.400 Euro. Ist Thomas jetzt kein Minijobber mehr?

Beantwortet von Michaela aus dem Service-Center:

Hallo Thomas,

ob Sie weiterhin ein Minijobber sind, hängt davon ab, ob Sie die Verdienstgrenze nur gelegentlich und nicht vorhersehbar überschreiten.

Als Minijobber dürfen Sie grundsätzlich 450 Euro durchschnittlich pro Monat verdienen. Im Jahr ergibt das eine Höchstverdienstgrenze von 5.400 Euro. Wird dieser Jahresverdienst überschritten, weil Sie in einzelnen Monaten mehr verdienen als ursprünglich mit Ihrem Arbeitgeber vereinbart, kommt es auf den Grund für diese höhere Zahlung an.

Wird die Verdienstgrenze gelegentlich und nicht vorhersehbar überschritten, bleibt die Tätigkeit ein Minijob.

Als gelegentlich gilt die Zahlung eines höheren Verdienstes für maximal 3 Kalendermonate in einem 12-Monats-Zeitraum. In solchen Ausnahmefällen darf der Jahresverdienst auch mehr als 5.400 Euro betragen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der höhere Verdienst 3 Monate hintereinander oder in 3 einzelnen Monaten verteilt über den 12-Monats-Zeitraum erzielt wird.

Da Sie die jährliche Verdienstgrenze von 5.400 Euro wegen einer Krankheitsvertretung überschreiten, war dies auch nicht vorhersehbar.

Fazit: Selbst wenn Sie in 3 Kalendermonaten unvorhersehbar mehr als vereinbart verdienen und deshalb die jährliche Verdienstgrenze von 5.400 Euro überschreiten, bleiben Sie ein Minijobber. Sollten Sie die Krankheitsvertretung in mehr als 3 Kalendermonaten übernehmen, wäre ihre Beschäftigung kein Minijob mehr.

Weitere Infos zu diesem Thema finden Sie hier: Schwankender Verdienst im Minijob – Worauf Arbeitgeber achten müssen!

22 Kommentare zu “Durch Krankheitsvertretung mehr als 450 Euro verdienen – Ist es dann noch ein Minijob?

  1. Hallo und guten Tag an das Team,
    es geht um Bezahlung von Überstunden bei einer Minijob-Beschäftigung.
    Bei mir wurden Überstunden, die wegen Krankheit von Kollegen im April Mai und Juni 2019 angefallen sind, auf ein Überstundenkonto gebucht .
    Diese wurden je nach Möglichkeit im Laufe des Jahres „abgebummelt“ so dass das Gehalt immer gleichbleibend bei 450€ blieb.
    Soweit so gut.
    Jetzt wird das Arbeitsverhältnis zum Jahresende beendet und meine restlichen auf dem Überstundenkonto befindlichen Stunden möchte ich mir auszahlen lassen, da es keine Möglichkeit gibt weiter abzubummeln..
    Obwohl damit dann einmalig die 450€ Grenze überschritten wird ist das meines Wissens zulässig wenn diese Grenze gelegentlich und unvorhergesehen (wegen Krankheit anderer Mitarbeiter) überschritten wird.
    ABER gilt das auch wenn die Ereignisse die zu der Überschreitung führen bereits im April, Mai und Juni 2019 eingetreten sind, also zu der Überstunden-Auszahlung zu Ende November in keinem zeitlichen Zusammenhang stehen?
    Schon mal vielen Dank für die Antwort und freundliche Grüße

    • Hallo Frank,

      Ihrer Anfrage entnehmen wir, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber ein Arbeitszeitkonto vereinbart haben. Sonstige flexible Arbeitszeitregelungen müssen neben dem Aufbau von Zeitguthaben auch deren tatsächlichen Abbau ermöglichen.

      Die noch nicht in Anspruch genommenen Überstunden sind bei Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses abzugelten. Diese Auszahlung der Überstunden fällt in den letzten Abrechnungszeitraum und wird im Rahmen des Minijobs verbeitragt. Wenn grundsätzlich die Möglichkeit zum Abbau der Überstunden besteht, führen diese Überstunden nicht zur Versicherungspflicht.

      Weitere Informationen finden Sie auf unserer Internetseite unter folgen Link http://t1p.de/MJZE-flexible-Arbeitszeitregelungen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      • Hallo liebes Team, vielen Dank.
        die Info für den Link war sehr hilfreich.

        „Wird ein Arbeitsverhältnis beendet müssen noch vorhandene Zeitguthaben in dem Kalendermonat ausgezahlt werden, der auf die Beendigung des Arbeitsverhältnisses folgt“

        Noch eine Frage dazu:
        Wenn ich ab diesem erwähnten Folgemonat (das wäre in meinem Fall Januar2020) dann einer neuen Beschäftigung auf Minijobbasis nachgehe, zählt dann der Betrag der ausgezahlten Überstunden des „alten“ Arbeitgebers mit zu der Höchstgrenze von 5400€/12 Monaten (bzw. 450€/monatlich) des „neuen“ AG’s?

        • Hallo Frank,

          da Sie beide Minijobs nicht zeitgleich ausüben, ist die Abgeltung der Überstunden bei der Beurteilung des durchschnittlichen monatlichen Arbeitsentgeltes bei Ihrem neuen Arbeitgeber nicht zu berücksichtigen.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Hallo,
    wie verhält es sich, wenn ich nur knapp 10 Monate Minijobber bin (z.B. während meiner Elternzeit)? Darf ich dann trotzdem in 3 Monaten durch Krankheitsvertretung mehr als 450€ verdienen, auch wenn der Minijob keine 12 Monate besteht?

    • Hallo Thorsten,

      überschreiten Sie die Verdienstgrenze im Minijob gelegentlich und nicht vorhersehbar – das heißt bis zu drei Mal in einem Zwölf-Monats-Zeitraum – bleibt die Tätigkeit es trotzdem ein Minijob.

      Dabei ist der für die Prüfung maßgebende Jahreszeitraum in der Weise zu ermitteln, dass vom letzten Tag des zu beurteilenden Beschäftigungsmonats ein Jahr (12 Monate) zurück gerechnet wird.

      Es ist daher nicht relevant, wie lange Ihre Beschäftigung bei einem solchen Sachverhalt vorausschauend noch andauert – sondern ausschließlich, ob Sie in den vergangenen 12 Monaten bei dem gleichen Arbeitgeber bereits mehrmals die Verdienstgrenze überschritten haben.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

        • Hallo Thorsten,

          diese Vorgehensweise gilt grundsätzlich auch dann, wenn der Minijob erst seit 8 Monaten besteht.

          Bitte beachten Sie jedoch: Bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen mit unvorhersehbar schwankendem Arbeitsentgelt, in denen der Arbeitgeber bereits im Vorfeld im Rahmen seiner Prognose für die Ermittlung des regelmäßigen monatlichen Arbeitsentgelts unvorhersehbare Überschreitungen der monatlichen Entgeltgrenze von 450 Euro einkalkuliert hat, darf der Jahreswert von 5.400 Euro – bzw. bei einer auf 10 Monate befristeten Beschäftigung anteilig 4.500 Euro – nicht überschritten werden. Die Ausführungen zum gelegentlichen unvorhersehbaren Überschreiten der Entgeltgrenze finden dann keine Anwendung.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Hallo,

    bleibt es auch ein Minijob, wenn der Minijober bereits den 5. Monat in Folge knapp über 450,00 € liegt (456,00 €). Aber die Jahresgrenze nicht überschritten wird (Hochrechnung 5.277,00 €)?

    Mit freundlichen Grüßen
    Anika

    • Hallo Anika,

      bei der versicherungsrechtlichen Beurteilung einer Beschäftigung ist vom durchschnittlichen monatlichen Verdienst auszugehen. Übt der Beschäftigte seine Tätigkeit ununterbrochen für 12 Monate aus, ergibt sich im Minijob eine Verdienstgrenze von 5.400 Euro.

      Innerhalb des Jahreszeitraums können dabei durchaus mehrere Monate enthalten sein, in welchen der Verdienst über 450 Euro liegt. Überschreitet der Beschäftigte die Jahresverdienstgrenze von 5.400 Euro nicht, bleibt es grundsätzlich beim Minijob.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    • Hallo Frau Kunze,

      vielen Dank für Ihr positives Feedback. Das freut uns sehr.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Hallo,
    wie ist es aber wenn:
    Wegen Krankheit die monatliche Grenze von 450,-€ überschritten wird an über 3 Monaten? Zum Beispiel an 4 nicht zusammenhängenden Monaten. Die Jahresgrenze von 5400,-€ aber nicht überschritten wird.
    Sie sprechen von einer Höchstgrenze von 3 Monaten, aber wenn es doch unvorhergesehen 4 oder 5 Monate sind, man aber unter der Höchstjahresgrenze bleibt, würde mich sehr interessieren,
    viele Grüße Sylvia

    • Guten Tag Frau Steinke,

      ein Minijobber darf grundsätzlich 450 Euro durchschnittlich pro Monat verdienen. Im Jahr ergibt das eine Höchstverdienstgrenze von 5.400 Euro. Wird dieser Jahresverdienst gar nicht überschritten besteht im Rahmen dieser Beschäftigung weiterhin ein 450-Euro-Minijob. Ein mehr als dreimaliges Überschreiten des vereinbarten Verdienstes spielt dann überhaupt keine Rolle.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  7. Wie weise ich dem Betriebsprüfer oder der Minijob-Zentrale nach, dass ein Mitarbeiter wegen unvorhersehbarer Krankheit eingesprungen ist.
    Wie muss ich es dokumentieren?
    Beispiel:
    Ein Auslieferungsfahrer Herr X fällt wegen einem Bandscheibenvorfall 8 Wochen aus, da er keine schweren Sachen tragen darf. Während dieser Zeit arbeitet er aber im Büro mit. Ein Kollege Herr Y übernimmt seine Auslieferungsfahrten und überschreitet nun die Einkommensgrenze von mtl. 450,00 Euro.
    Kann man dann in diesem Beispiel noch von „Unvorhersehbarkeit“ sprechen?
    Oder hätte ich einen weiteren Mitarbeiter für 8 Wochen einstellen müssen?

    Danke für Ihre Antwort.

    • Hallo Chrissi,

      für den Betriebsprüfdienst der Deutschen Rentenversicherung ist das unvorhersehbare Überschreiten der Minijob-Grenze nachvollziehbar zu dokumentieren.

      Beispielsweise kann die Krankmeldung eines Arbeitnehmers, der während dieser Zeit vertreten wurde bzw. auch ein entsprechender Vermerk zum Sachverhalt des verordneten Schonplatzes (ärztliches Attest), in die Entgeltunterlagen des Minijobbers, aufgenommen werden.

      Eine feste sozialversicherungsrechtliche Vorschrift für die Dokumentation des unvorhersehbaren Überschreitens gibt es nicht.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  8. Offen bleibt bei dem Artikel leider die Frage, was passiert sozialversicherungsrechtlich in den 1 oder 2 Monaten, wo überraschend wegen Krankheitsvertretung das Einkommen 900 oder 1500 € brutto beträgt.

    Laut dem Artikel würde das zumindest nichts ändern an der jährlichen Gesamteinstufung als Minijobber.

    Aber muss eventuell in dem 1 Monat ganz regulär der Sozialversicherungsbeitrag abgeführt werden mit Meldung an die KV oder bleibt das auch frei?

    • Hallo Reinhard,

      durch die Krankheitsvertretung kann sich für den Minijobber ein Verdienst ergeben, welcher unter Umständen auch weit über 450 Euro liegt. Ein Grenzbetrag ist hier nicht festgelegt.

      Die Beiträge werden weiterhin wie im Minijob berechnet. Da es sich um ein unvorhersehbares Ereignis handelt entsteht kein versicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis. Es sind keine Sozialversicherungsbeiträge an die zuständige Krankenkasse abzuführen.

      Gern können Sie zur Berechnung der Beiträge auch unseren Minijob-Rechner nutzen: http://t1p.de/Minijob-Rechner

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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