Trainer im Sportverein und Ehrenamtliche - Was passiert, wenn der Verdienst über dem Steuerfreibetrag liegt

Trainer und Ehrenamtliche – Was passiert, wenn der Verdienst über dem Steuerfreibetrag liegt

Insbesondere Vereine und gemeinnützige Einrichtungen profitieren davon, dass Einnahmen aus bestimmten nebenberuflichen Tätigkeiten steuerfrei und damit gleichzeitig auch beitragsfrei in der Sozialversicherung sind. Hierzu zählen die Steuerfreibeträge für Übungsleiter und Ehrenamtliche. Wir erklären, wie die Steuerfreibeträge angewendet werden können und welche Neuerung zu beachten ist, wenn der Verdienst die Freibeträge übersteigt.

Steuerfreie Aufwandsentschädigungen für Übungsleiter und Ehrenamtliche zählen nicht zum Arbeitsentgelt

Die sogenannte Übungsleiterpauschale beträgt 2.400 Euro im Kalenderjahr. Dieser Steuerfreibetrag kann für nebenberufliche Tätigkeiten, beispielsweise als Trainer in Sportvereinen oder als Ausbilder, Erzieher und Betreuer in Anspruch genommen werden.

Ebenfalls steuerfrei sind nebenberufliche Einnahmen bis zu 720 Euro im Kalenderjahr aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit. Die sogenannte Ehrenamtspauschale begünstigt beispielsweise Tätigkeiten als Vereinsvorstand, Schatzmeister, Platzwart, Gerätewart oder ehrenamtlich tätige Schiedsrichter im Amateurbereich.

Beide Freibeträge zählen nicht zum Arbeitsentgelt im Sinne der Sozialversicherung. Nur für den Teil des Verdienstes, der den Freibetrag übersteigt, müssen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden.

Freibeträge können steuerlich in 2 Varianten berücksichtigt werden

Es gibt 2 Möglichkeiten, die Steuerfreibeträge im Kalenderjahr zu berücksichtigen. Entweder monatlich zu gleichen Teilen (pro rata) – also z. B. bei dem Übungsleiterfreibetrag mit 200 Euro und bei der Ehrenamtspauschale mit 60 Euro monatlich – oder der Gesamtbetrag wird am Stück verbraucht (en bloc), beispielsweise zu Jahresbeginn.

Alte Beurteilung in der Sozialversicherung folgte der steuerlichen Behandlung

Die unterschiedliche Berücksichtigung des Steuerfreibetrages wirkte sich bisher auch unterschiedlich auf die sozialversicherungsrechtliche Beurteilung einer Beschäftigung aus. Bei der Variante pro rata lag für den gesamten Beschäftigungszeitraum ein meldepflichtiges Beschäftigungsverhältnis vor, wenn das Arbeitsentgelt den monatlichen Freibetrag übersteigt.

Bei der en bloc-Variante wurde nur der Zeitraum beurteilt, für den eine Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung bestand. Außen vor blieben die Monate, in denen ausschließlich ein Steuerfreibetrag berücksichtigt wurde. Da der Beschäftigungszeitraum somit kleiner als 12 Monate war, ergab sich häufig ein monatlich durchschnittlicher Verdienst oberhalb von 450 Euro. Der Arbeitgeber musste die Beschäftigung dann sozialversicherungspflichtig bei der Krankenkasse melden.

Neue Beurteilung in der Sozialversicherung erfolgt unabhängig von der steuerlichen Behandlung

Nach aktueller Rechtsauffassung der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung hat die Art der steuerlichen Behandlung der steuerfreien Aufwandsentschädigungen (pro rata oder en bloc) keine Auswirkungen mehr auf die versicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung. Arbeitgeber ziehen nun bei ihrer Prognose zur Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts für den Beurteilungszeitraum immer den jährlichen Steuerfreibetrag vom zu erwartenden Gesamtverdienst ab und teilen diese Summe durch die Anzahl der Monate des Beurteilungszeitraums. Es gilt folgende Formel:

Gesamtverdienst ./. Freibetrag = SV-Arbeitsentgelt : Monate des Beurteilungszeitraums

Wenn der Wert des sich ergebenen Betrags 450 Euro nicht übersteigt, liegt ein Minijob vor; ist er höher, ist die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig bei der Krankenkasse zu melden.

Praxisbeispiel:

Max übt das ganze Jahr über eine Nebentätigkeit als Übungsleiter in einem Sportverein aus und erhält dafür monatlich 650 Euro. Der Steuerfreibetrag wird „en bloc“ zu Jahresbeginn ausgeschöpft:

Monat Verdienst ausgeschöpfter Freibetrag beitragspflichtiges Arbeitsentgelt
Januar 650 Euro 650 Euro 0 Euro
Februar 650 Euro 1.300 Euro 0 Euro
März 650 Euro 1.950 Euro 0 Euro
April 650 Euro 2.400 Euro 200 Euro
ab Mai 650 Euro 650 Euro

Ergebnis
Um zu prüfen, ob es sich bei der Beschäftigung von Max um einen 450-Euro-Minijob oder um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung handelt, ermittelt der Arbeitgeber das regelmäßige Arbeitsentgelt für die Zeit vom 01.01. bis 31.12. wie folgt:

Verdienst (650 Euro x 12 =) 7.800 Euro
./. Steuerfreibetrag 2.400 Euro
Sozialversicherungsrechtliches Arbeitsentgelt 5.400 Euro :12 = 450 Euro

Der durchschnittliche monatliche Verdienst beläuft sich auf 450 Euro. Damit handelt es sich um einen 450-Euro-Minijob.

Die Übungsleiterpauschale von 2.400 Euro wurde im Laufe des Monats April ausgeschöpft, so dass erst der darüber hinaus erzielte Verdienst ein Arbeitsentgelt für die Sozialversicherung darstellt, von dem Abgaben an die Minijob-Zentrale zu zahlen sind.

Was hat sich eigentlich geändert?

Es hat sich lediglich die versicherungsrechtliche Beurteilung bei der en bloc-Variante geändert. Der Unterschied wird anhand des Beispiels deutlich. Während hier früher eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einem durchschnittlichen monatlichen Arbeitsentgelt von 600 Euro vorgelegen hat (Arbeitsentgelt 5.400 Euro ab April : 9 Monate), liegt jetzt eine geringfügig entlohnte Beschäftigung mit einem durchschnittlichen Arbeitsentgelt bis 450 Euro (5.400 Euro : 12 Monate) vor. Die Meldung muss nach wie vor erst ab April erfolgen, weil bis dahin kein sozialversicherungsrelevantes Arbeitsentgelt erzielt wird.

Wie ist genau zu melden?

Meldung Zeitraum Abgabegrund
Anmeldung 01.04.2019 10
Jahresmeldung 01.04.2019 – 31.12.2019 50

Zum Jahresbeginn 2020 wird der Steuerfreibetrag wieder en bloc ausgeschöpft. Somit ist der Verdienst erst ab April 2020 wieder beitragspflichtig.
Das Sozialversicherungsrecht sieht vor, dass ein Beschäftigungsverhältnis längstens einen Monat ohne Arbeitsentgeltzahlung fortbestehen darf. Aus diesem Grund sind folgende Meldungen zu erstellen:

Meldung Zeitraum Abgabegrund
Abmeldung 31.01.2020 34
Anmeldung 01.04.2020 13

Tipp: Hat sich der Beschäftigte von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, ist der Befreiungsantrag weiterhin gültig.

2 Kommentare zu “Trainer und Ehrenamtliche – Was passiert, wenn der Verdienst über dem Steuerfreibetrag liegt

  1. Pingback: Minijobs 2019: Das ändert sich für Arbeitgeber und Minijobber im neuen Jahr | Die Minijob-Zentrale

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