3 Monate oder 70 Tage: Was für kurzfristige Minijobs ab 2019 gilt

Wichtig für alle Weinleser, Apfelpflücker und Weihnachtsmänner: Für alle Arbeitnehmer, die einen kurzfristigen Minijob ausüben, ändert sich ab dem Jahr 2019 nichts. Sie dürfen ihrer Beschäftigung weiterhin 3 Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr nachgehen. Ursprünglich sollte die Regelung auf 4 Jahre für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2018 begrenzt sein. Vorbehaltlich der abschließenden Entscheidung des Gesetzgebers bleibt alles beim Alten.

Was ist eine kurzfristige Beschäftigung?

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn die Tätigkeit im Laufe eines Kalenderjahres im Voraus auf 3 Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist. Bei einer Beschäftigung von 3 Monaten am Stück arbeitet der kurzfristige Minijobber an mindestens 5 Tagen in der Woche; bei einer Beschäftigung von 70 Arbeitstagen arbeitet der kurzfristige Minijobber weniger als 5 Tage in der Woche. Beschäftigungen, die über diese zeitliche Begrenzung hinausgehen, sind keine kurzfristigen Minijobs. Verdient der Arbeitnehmer regelmäßig bis zu 450 Euro im Monat, handelt es sich in der Regel um einen 450-Euro-Minijob.

Auf den Verdienst kommt es bei einem kurzfristigen Minijob nicht an. Der Arbeitnehmer kann theoretisch unbegrenzt verdienen, er zahlt keine Sozialversicherungsabgaben.

Für den Arbeitgeber eines kurzfristigen Minijobbers fallen hingegen geringe Abgaben an. Das sind die Umlagen zum Ausgleich der Aufwendungen bei Krankheit („U1“) und Schwangerschaft bzw. Mutterschaft („U2“) sowie die Umlage für den Fall einer Insolvenz an. Diese sind an die Minijob-Zentrale zu entrichten. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber den Minijobber bei der jeweils zuständigen gesetzlichen Unfallversicherung anzumelden und entsprechende Beiträge zu entrichten.

Weiterhin sind kurzfristige Minijobs zu versteuern. Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen die individuelle Besteuerung nach der Steuerklasse des Minijobbers und zum anderen, unter Berücksichtigung weiterer Voraussetzungen, die Pauschalversteuerung in Höhe von 25 Prozent.

  Abgaben für kurzfristige Minijobs im Gewerbe im Überblick
  Umlage 1 0,9 % 
  Umlage 2 0,24 %
  Insolvenzgeldumlage 0,06 %
  Unfallversicherung Individuell an den zuständigen Unfallversicherungsträger
  Steuer Pauschale oder individuelle Besteuerung nach der Steuerklasse

Kurzfristiger Minijob darf nicht berufsmäßig ausgeübt werden

Ein kurzfristiger Minijob darf nicht berufsmäßig ausgeübt werden, das heißt: Wenn ein Arbeitnehmer mehr als 450 Euro im Monat verdient, die kurzfristige Beschäftigung die einzige Erwerbstätigkeit ist und diese für die Sicherung des Lebensunterhalts bestimmt ist, handelt es sich nicht um einen kurzfristigen Minijob.

Menschen, die Leistungen von der Bundesagentur für Arbeit beziehen oder als Arbeitssuchende gemeldet sind, gelten grundsätzlich als berufsmäßig beschäftigt.

Können mehrere kurzfristige Minijobs kombiniert werden?

Grundsätzlich kann ein Arbeitnehmer mehrere kurzfristige Minijobs nebeneinander ausüben. Die Höhe des Arbeitsentgelts spielt auch bei Kombination von mehreren kurzfristigen Minijobs keine Rolle. Es darf aber auch hier zusammengerechnet die Grenze von 3 Monaten bzw. 70 Arbeitstagen im Kalenderjahr nicht überschritten werden. Vor Antritt einer neuen kurzfristigen Beschäftigung müssen daher immer die Vorbeschäftigungszeiten geprüft werden. Sobald die Grenze von 3 Monaten bzw. 70 Arbeitstagen überschritten wird, wird die Tätigkeit in allen Zweigen sozialversicherungspflichtig.

230 Kommentare zu “3 Monate oder 70 Tage: Was für kurzfristige Minijobs ab 2019 gilt

  1. Sehr geehrtes Team der Mini Job Zentrale,
    neben meinem Hauptberuf arbeite ich im Rahmen der 70 Tage Regelung in der Sommersaison gelegentlich als Busfahrer.
    Bei der Zwei Fahrer Besatzung darf eine Arbeitsschicht bis zu 21 Stunden betragen, die sich bei einer Nachtfahrt auf zwei Tage verteilen.
    Zum Beispiel: Schichtbeginn 21 Uhr, Schichtende am Folgetag spätestens 18 Uhr.
    Innerhalb der Schicht werden die Stunden, die der andere Fahrer am Steuer sitzt, als Bereitschaft bewertet. Der Arbeitgeber bezahlt diese Zeit mit dem vollen Stundenlohn, so dass sich mit Abzug von Pausenzeiten bis zu 19 bezahle Stunden bei einer 21-Stunden-Schicht ergeben.
    Wird so eine Schicht als EIN Arbeitstag oder ZWEI Arbeitstage im Rahmen der 70 Tage bewertet ?
    Und wenn es bei 21 Stunden bereits zwei Tage sind, wo läge eine Grenze für die Schichtlänge, dass es als EIN Tag bewertet wird ?
    Vielen Dank für Ihre Antwort !

    • Hallo,

      obwohl sich Ihre Schicht auf zwei Kalendertage erstreckt, ist in diesem Fall von einem Arbeitstag auszugehen. Für die Grenze der Schichtlänge ist das Tätigkeitsbild des Einzelfalls entscheidend, von der Natur der Sache her, kann sie für einen Arbeitstag aber nicht mehr als 24 Stunden betragen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Hallo ich habe über 20 Jahre als Haushaltshilfe gearbeitet,ohne Erholungsurlaub.Ich habe letztes Jahr gekundigt wegen diesen Urlaub die nicht bekommen hatte und nicht bezahlt,Habe ich noch Anspruch von meine Erholungsublaub?

    • Hallo Janet,

      das Arbeitsrecht regelt die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Arbeitsbedingungen werden im Besonderen im Individual-Arbeitsrecht geklärt. Dazu gehören zum Beispiel Urlaubsregelungen, Arbeitszeit, Kündigungsfristen, Entgeltfortzahlung. Die zuständige Stelle ist das Arbeitsgericht.

      Da das Arbeitsrecht ein Individualrecht ist, kann es behördlich nicht geregelt werden. Das heißt, Sie müssen Ihre Ansprüche insofern welche bestehen selbst durchsetzen.

      Wie empfehlen Ihnen sich mit Ihrer arbeitsrechtlichen Frage an das Bürgertelefon des Bundesministerium für Arbeit und Soziales wenden. Dieses erreichen Sie von Montag bis Donnerstag von 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr unter der Telefonnummer: 030 / 221 911 004.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Hallo Lisa,

    leider lässt sich Ihre Anfrage pauschal nicht beantworten. Zum einen ist es wichtig zu wissen, wie der Arbeitgeber die Beschäftigung vom 01.10.2019 – 31.12.2019 gemeldet hat und zum anderen ist es für die richtige Beurteilung erforderlich, Ihren aktuellen Status (Schüler, arbeitssuchend etc.) zu wissen.

    Liegen zwischen zwei Beschäftigungen bei demselben Arbeitgeber keine 2 Monate Unterbrechung, geht man grundsätzlich davon aus, dass es sich um ein einheitlichen Beschäftigungsverhältnis handelt. Wir empfehlen Ihnen daher, sich mit unserem Service-Center telefonisch in Verbindung zu setzen um Ihren Sachverhalt korrekt beurteilen zu können. Unser Service-Center erreichen Sie von Montag bis Freitag in der Zeit von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr unter der Telefonnummer 0355 / 2902 – 70799.

    Freundliche Grüße

    Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

    • Hallo,

      der Arbeitgeber hat mich mit dem Beitragsgruppenschlüssel 0100 gemeldet an die Knappschaft Bahn-See als geringfügig entlohnter Minijob.

      Mein aktueller Status ist so, dass ich Schulabgänger bin seit meinem Abitur im Juli 2019 und im Oktober 2020 ein Uni-Studium beginnen möchte. Ich wohne bei meinen Eltern.

      Vielen Dank und viele Grüße

      Lisa

    • Hallo,

      der Arbeitgeber hat mich mit dem Beitragsgruppenschlüssel 0100 gemeldet an die Knappschaft Bahn-See als geringfügig entlohnter Minijob.

      Mein aktueller Status ist so, dass ich Schulabgängerin bin seit meinem Abitur im Juli 2019 und im Oktober 2020 ein Uni-Studium beginnen möchte. Ich wohne bei meinen Eltern.

      Vielen Dank und viele Grüße

      Lisa

      • Hallo Lisa,

        allgemein ist zu Ihrem Sachverhalt Folgendes zu sagen: In der geschilderten Konstellation wurde augenscheinlich bis zum Dezember 2019 ein 450-Euro-Minjob ausgeübt. Liegen zwischen diesem Minijob und dem erneuten Beschäftigungsbeginn keine zwei Monate, ist von der Vermutung auszugehen, dass es sich um ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis handelt. Eine kurzfristige Beschäftigung wäre somit nicht möglich.

        Wir bitten jedoch um Ihr Verständnis, dass eine verbindliche sozialversicherungsrechtliche Beurteilung in unserem öffentlichen Blog aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich ist.

        Die versicherungsrechtliche Beurteilung übernimmt Ihr Arbeitgeber.

        Freundliche Grüße

        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Hallo,

    ich war für die Zeit vom 1.10 bis 31.12.19 als Praktikant angestellt und geringfügig entlohnt mit einem monatlichen Gehalt von EUR 450.

    Das Unternehmen möchte mich nun als Aushilfe befristet für die Zeit vom 1.2.-31.3.2020 einstellen mit einem monatlichen Verdienst von deutlich über EUR 1.000. Weitere Arbeitszeiten sind von mir in 2020 nicht geplant und ich werde im Oktober 2020 ein Uni-Studium beginnen. Meine Aushilfstätigkeit ist ähnlich wie die im Praktikum, aber wie beschrieben z.B. deutlich verschieden im Hinblick auf meinen Arbeitslohn.

    Handelt es sich bei meiner Tätigkeit vom 1.2. – 31.3.2020 um eine kurzfristige und entsprechend sozialversicherungsfreie Beschäftigung ? Bzw. unter welchen Voraussetzungen ist die Aushilfstätigkeit als kurzfristige Beschäftigung zu qualifizieren ?

    Vielen Dank!

    Viele Grüße

    Lisa

Schreibe eine Antwort zu Jana Antwort abbrechen