Wegen Krankheit nicht arbeitsfähig: Haben auch Minijobber einen Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Wegen Krankheit nicht arbeitsfähig: Haben auch Minijobber einen Anspruch auf Lohnfortzahlung?

Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – für Beate H. ist das derzeit ein wichtiger Aspekt. Die 48-jährige Minijobberin ist am Wochenende bei einer Radtour gestürzt und kann aufgrund einer Verletzung am Knie für ca. 2 Wochen nicht arbeiten gehen. Wolfgang Büser fragt: Hat sie Anspruch auf Weiterzahlung ihres Verdienstes?

Die Minijob-Zentrale antwortet:

Entgeltfortzahlung – selbstverständlich auch für Minijobber

Minijobber stehen arbeitsrechtlich in einem Arbeitsverhältnis wie andere Arbeitnehmer auch. Das bedeutet, dass sie auch im Krankheitsfall Ansprüche auf Fortzahlung des Arbeitsentgelts haben.

Gesetzliche Grundlage ist hier das Entgeltfortzahlungsgesetz. Demnach hat ein Arbeitnehmer, der aufgrund einer unverschuldeten Krankheit seiner Arbeit nicht nachgehen kann, Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber. Sport- oder Verkehrsunfälle in der Freizeit sind hiervon nicht ausgeschlossen.

Entgelt für bis zu sechs Wochen trotz Krankheit

Tritt ein Krankheitsfall ein, muss der Arbeitslohn für maximal sechs Wochen wegen derselben Erkrankung in voller Höhe weitergezahlt werden – genau in der Höhe wie er vor der Erkrankung gezahlt wurde. Die ausgefallene Arbeitszeit muss nicht nachgearbeitet werden!

Einen Anspruch auf Lohnfortzahlung hat der Arbeitnehmer allerdings erst dann, wenn das Arbeitsverhältnis vier Wochen lang ununterbrochen besteht. Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, hat der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen. Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen.

Absicherung auch bei Reha-Maßnahmen

Nehmen Minijobber an einer medizinischen Reha-Maßnahme teil, haben sie ebenfalls Anspruch auf bis zu sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Beginnt die Reha während einer Arbeitsunfähigkeit, leistet der Arbeitgeber vom Beginn der Arbeitsunfähigkeit an für längstens sechs Wochen die Entgeltfortzahlung. Durch die Reha verlängert sich dieser Zeitraum nicht.

14 Kommentare zu “Wegen Krankheit nicht arbeitsfähig: Haben auch Minijobber einen Anspruch auf Lohnfortzahlung?

  1. Hallo, ich habe einen Biergarten in Franken und bin eine Sasiongastronomie. Wenn ich kurzfristige anmelde für 2019 für 50 Tage und die Arbeitnehmer arbeiten bereits auf Lohnsteuerkarte in einem anderen Betrieb, wie muss ich mich verhalten. Mein Lohnprogramm macht in diesen Fall eine Pauschalversteuerung von 25 %, diese führe ich beim Finanzamt ab. Damit müssen die Arbeitnehmer keine Steuer mehr zahlen, ist das richtig?? Auf eine Antwort würde ich mich freuen.

    Viele Grüße Anita Dietz

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    • Hallo Frau Dietz,

      bei Vorliegen einer kurzfristigen Beschäftigung hat der Arbeitgeber die Möglichkeit das Einkommen des Minijobbers individuell nach den Merkmalen der Lohnsteuerkarte oder – unter bestimmten Voraussetzungen – pauschal in Höhe von 25 Prozent des Entgeltes zu versteuern.

      Erfüllt der kurzfristige Minijob folgende Vorgaben, ist eine pauschale Lohnsteuer in Höhe von 25 Prozent möglich:
      Ihr Minijobber ist gelegentlich – nicht regelmäßig wiederkehrend – bei Ihnen beschäftigt.
      Die Beschäftigung dauert nicht länger als 18 zusammenhängende Arbeitstage.
      Der maximale Verdienst liegt durchschnittlich bei 72 Euro pro Arbeitstag.
      Oder:
      Der kurzfristige Minijob wird zu einem Zeitpunkt, den Sie nicht vorhersehen können, sofort erforderlich.
      Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt maximal 12 Euro.

      Führt der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer für die kurzfristige Beschäftigung ab, so fällt für den Arbeitnehmer aus dieser Beschäftigung keine individuelle Steuer mehr an.
      Bitte beachten Sie jedoch, dass in der pauschalen Lohnsteuer weder die Kirchensteuer noch der Solidaritätszuschlag enthalten sind. Diese sind durch den Arbeitgeber zusätzlich an das zuständige Finanzamt zu zahlen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  2. Außerdem erscheinen Zeiten mit Arbeitsverdienst / Entgelt auf Minijob-Niveau dann gar nicht im Versicherungsverlauf / Versicherungskonto der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn kein eigener Aufstockungsbeitrag gezahlt wurde. Dabei ist es gleichgültig, aus welchem Grunde kein Aufstockungsbeitrag gezahlt wurde. Zeitweise konnte er freiwillig gezahlt werden, zeitweilig war er bzw. ist er Pflicht (so grundsätzlich jetzt seit 01.01.2017, ob man sich davon befreien lassen kann, weiß ich nicht genau, auf jeden Fall kann man als Person, die bis Ende 2016 gesetzlich keinen eigenen Beitrag zahlen konnte, dann auf den Bestandsschutz verzichten und wieder freiwillig zahlen, wenn man vor Eintritt des gesetzlichen Ausschlusses freiwillig gezahlt hatte, was dann aber auch einen bindet bis zum Ende der Beschäftigung). Zeitweilig war er für bestimmte Personengruppen (für Altersrentner bis Ende 2016 zum Beispiel) gesetzlich ausgeschlossen. Was hat man von Beiträgen (über die pauschalen Arbeitgeber-Anteile), die gar nicht im Konto erscheinen und daher nicht berücksichtigt werden?

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    • Guten Tag Herr Fresdorf,

      bei der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht erwerben sich auch Minijobber durch den Pauschalbeitrag des Arbeitgebers geminderte Rentenansprüche, die sich im Versicherungsverlauf niederschlagen.
      Voraussetzung ist, dass der betreffende Arbeitgeber die entsprechende Meldung zur Sozialversicherung absetzt hat.
      In welchem Umfang Rentenansprüche erworben werden, möchten wir Ihnen in unserem Beispiel aufzeigen.

      Ein Minijobber verdient monatlich 450 Euro. Es wird eine einjährige Beschäftigungsdauer unterstellt.

      1. Rentenversicherungspflichtiger Minijobber (18,6%= 15 % Arbeitgeber + 3,6 % Arbeitnehmer)
       
      Der Arbeitnehmer erwirbt sich einen Rentenanspruch in einem Jahr in Höhe von 4,42 Euro (West) monatlich / 4,76 Euro (Ost) monatlich. Die erworbene Wartezeit beträgt dabei 12 Monate.

      2. Befreiung von der Rentenversicherungspflicht im gewerblichen Bereich (15% Arbeitgeber)

      Der Arbeitnehmer erwirbt sich einen Rentenanspruch in einem Jahr in Höhe von 3,57 Euro monatlich. Die erworbene Wartezeit beträgt dabei 4 Monate.
      Abschließend möchten wir Ihnen auch die Vorteile der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung für den Arbeitnehmer nochmal darstellen.
      – Arbeitsentgelt wird in voller Höhe bei der Rentenberechnung berücksichtigt.
      – Beitragsmonate werden in vollem Umfang auf die Wartezeit angerechnet.
      – Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung wird gesichert.
      – Früherer Rentenbeginn ist möglich.
      – Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation werden erworben.
      – Anspruch auf Übergangsgeld bei Reha-Maßnahmen nach Lohnfortzahlung.
      – Zugangsvoraussetzung für die staatliche Riester-Förderung wird erfüllt.
      – Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung
      Damit Arbeitnehmern im Minijob keine Nachteile entstehen, empfehlen wir bei Fragen die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung. Dort erfolgt eine ganz individuell Beratung.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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      • Liebes Team, das stimmt einfach nicht. Ich habe den Beweis in Form einer entsprechenden schriftlichen Auskunft der DRV Bund, die mir mitteilt, dass es zu Recht so sei, wenn meine Zeiten nicht im Versicherungskonto gespeichert werden. Übrigens finde ich den Ausdruck „geringfügig entlohnte Beschäftigung“ fehl am Platz, denn ich bekomme auf Minijob-Ebene genau den gleichen Stundenlohn wie auch vorher auf Maxijob-Niveau schon. Würde ich nach Mindestlohn darunter bezahlt, müsste ich im Minijob-Level mehr Stunden leisten für das gleiche Geld! Besten Gruß

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        • Hallo Herr Fresdorf,

          es werden alle Zeiten, welche durch den Arbeitgeber mit einer entsprechenden Entgeltmeldung übermittelt werden, auch dem Rententräger übermittelt.
          Warum diese Zeiten in Ihrem speziellen Fall nicht im Verlauf des Rentenkontos erscheinen, bitten wir Sie bei Ihrem zuständigen Rentenversicherungsträger zu hinterfragen..

          Der Begriff „geringfügig entlohnte Beschäftigung“ ist der im Gesetz gebräuchliche Begriff für einen 450-Euro-Minijob und soll keine Wertigkeit darstellen. Natürlich haben Sie Recht mit Ihrer Aussage, dass auch im Minijob der gesetzliche Mindestlohn gilt.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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      • Liebes Team, noch eine Frage zu Ihrer Antwort: Was ist genau mit 4 Monaten Wartezeit gemeint? Tatsächlich kann nichts auf den Rentenanspruch sich erhöhend auswirken, wenn meine Zeit im konkreten Fall vom 01.08.16 bis 31.12.16 nicht im Versicherungsverlauf / Versicherungskonto erscheint, nicht gespeichert ist. Damals war gesetzlich der eigene Aufstockungsbeitrag zur RV ausgeschlossen. Vorher habe ich ihn als Rentner (wegen teilweiser EM) selbst freiwillig gezahlt und ab 01.01.17 konnte ich dann auf den Bestandsschutz für diesen gesetzlichen Ausschluss verzichten per Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber und wieder freiwillig den Aufstockungsbeitrag zahlen. Aber da ich ja keinen Krankengeldanspruch habe, fällt dieser Aufstockungsbeitrag zur Zeit wegen längerer Arbeitsunfähigkeit auch wieder weg, denn die Krankenversicherung leistet gar nichts und der Arbeitgeber auch nichts und in diesem Fall kann ich ja offenkundig auch selbst keinen Beitrag mehr zur RV leisten. Beste Grüße

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        • Hallo Herr Fresdorf,

          Wartezeit ist ein Begriff aus der Rentenversicherung. Leistungen aus der Rentenversicherung kann nur beanspruchen, wer ihr vorher bereits eine bestimmte Zeit angehört hat. Die Wartezeit ist somit eine Mindestversicherungszeit. Für unterschiedliche Rentenarten muss eine unterschiedliche Dauer von Wartezeiten erfüllt sein. Hierbei werden – neben anderen Zeiten – grundsätzlich auch Zeiten aus einer geringfügig entlohnten Beschäftigung berücksichtigt. Damit Zeiten aus einer Beschäftigung im Rentenversicherungskonto gespeichert werden können, muss vom Arbeitgeber eine entsprechende Entgeltmeldung erstellt werden. Diese Meldungen werden auch für einen Minijob erstellt, in welchem Sie beispielsweise als Arbeitnehmer versicherungsfrei sind.

          Wir empfehlen Ihnen abschließend, sich mit Ihrer speziellen Frage an Ihren Rentenversicherungsträger zu wenden. Dort kann eine individuelle Beratung zu Ihrem Versicherungsverlauf erfolgen und weitere Möglichkeiten für Sie abgestimmt werden.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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    • Hallo Herr Freesdorf,

      Minijobber sind in Ihrer geringfügig entlohnten Beschäftigung versicherungsfrei in der Krankenversicherung. Krankengeld ist eine Leistung der Krankenkasse, welche sich an die abgeschlossene Lohnfortzahlung des Arbeitgebers (6 Wochen) anschließen würde. Da Arbeitnehmer im Minijob in dieser Tätigkeit keine eigenen Krankenversicherungsbeiträge einzahlen, entsteht für diese Beschäftigung kein Anspruch auf Krankengeld.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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      • Liebes Team, ich zahle aber als Rentner, der im alten Arbeitsverhältnis auf Minijob-Level weiterbeschäftigt ist, den allgemeinen und nicht den ermäßigten Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung, und das ist nicht zu rechtfertigen bei solch einem gravierenden Leistungsausschluss, der von der Politik mit einer „unwissenschaftlichen“, nicht haltbaren Argumentation im Sinne einer Milchmädchenrechnung gerechtfertigt wird. Beste Grüße

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        • Hallo Herr Fresdorf,

          im Minijob zahlen Sie als Arbeitnehmer selbst keine Beiträge zur Krankenversicherung.
          Um Ihren Beitrag zur Krankenversicherung als Rentner prüfen zu lassen bitten wir Sie, sich an Ihre zuständige Krankenkasse zu wenden.

          Freundliche Grüße

          Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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        • Liebes Blog-Team der Minijob-Zentrale, ich habe mich an die zuständige Krankenkasse gewendet. Diese teilte mir mit, nach § 50 SGB V sei unter Anderem für Altersrentner ausgeschlossen. Das gilt also auch für Midi- und Maxijobber, nicht nur für Beschäftigte auf der Minijob-Ebene. Außerdem holte ich von den Bundesministerien für Arbeit und Soziales und vom Bundesgesundheitsministerium schriftliche Stellungnahmen hierzu ein. Die politische Begründung dieses politisch (gesetzgeberisch) gewollten Ausschlusses von Krankengeld für Rentner ist, dass die Alten („Senioren“) statistisch mehr Kosten machen oder die meisten, den größten Kostenanteil im Gesundheitswesen zu Lasten der GKV auslösen würden. Damit wird diese Leistungskürzung, die Beschränkung des Leistungsumfangs und der Leistungsausschluss hinsichtlich des Krankengeldes trotz Zahlung des vollen allgemeinen anstelle des bei freiwillig gesetzlich Krankenversicherten üblichen ermäßigten Beitragssatzes zur Krankenversicherung gerechtfertigt. Ich halte das für a) wissensschaftlich nicht evident und erwiesen b) keine geeignete und gerechte sowie faire Maßnahme zur Kostensteuerung und Kostenbegrenzung (siehe das Marktgeschehen bei ärztlichen Vergütungen mit Indikations- und Mengenausweitungsproblemen sowie auch das Marktgeschehen im Pharmabereich speziell auf dem deutschen Markt auch im Vergleich zu anderen EU-Ländern. Ferner ist es unlogisch, weil sich diverse weitere Patienten- und Versichertengruppen für vergleichbare Kürzungsmaßnahmen anböten, beispielsweise die chronisch Kranken, die todgeweihten Kranken im onkologischen Bereich, die auf Organtransplantation wartenden Patienten (2 Lebertransplantationen bei Versagen der ersten Transplantation wegen Abstoßungsreaktion des Körpers konnten eine einzelne kleine AOK vor dem Zusammenschluss zu großen regionalen AOK noch in die Insolvenz treiben, also ein einziger Krankheitsfall bei einem einzigen Versicherten) etc. Wie rechtfertigen Sie solches eindeutiges politisches Unrecht und Ungerechtigkeit und wie beurteilen Sie die Auswirkungen auf die denkende betroffene arbeitende Bevölkerung? Wie habe ich das einzuschätzen, dass mir die Wahrheit nicht von den amtlichen Stellen offen ins Gesicht gesaagt wird, sondern ich hier lang und breit nachfragen muss, bis ich überhaupt nach vielen Monaten oder Jahren erst einmal erfahre, was der Hintergrund dieser Ungleichbehandlung in meinem unverändert seit über 18 Jahren bestehenden Besschäftigungsverhältnis ist, aus der einzigen Tatsache heraus, dass ich alters- und krankheitsbedingt mehrfach meine Arbeitszeit vertraglich verändert und reduziert habe? Besten Gruß

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