Kann auch bei Minijobbern ein Arbeitszeitkonto geführt werden? (Nachgefragt #29)

Kann auch bei Minijobbern ein Arbeitszeitkonto geführt werden?

Steffen aus Cottbus fragt, ob er einen 450-Euro-Minijobber flexibel einsetzen kann. Er beabsichtigt, seinen Minijobber je nach Bedarf und Auftragslage in einem Monat mehr, im nächsten wieder weniger zu beschäftigen. Dies soll aber gegen einen festen Monatsverdienst erfolgen. Geht das?

Beantwortet von Robin aus dem Service-Center:

Hallo Steffen,

ja, das geht! Sie beabsichtigen quasi nichts anderes, als ein klassisches Arbeitszeitkonto zu führen. Wichtig hierbei ist, dass Sie dem Minijobber unabhängig von den geleisteten Arbeitsstunden jeden Monat denselben Verdienst zahlen wollen. Dies ist auch zwingend erforderlich, um die Voraussetzungen zu erfüllen, die die Sozialversicherung in diesem Zusammenhang vorsieht.

Die Sozialversicherung spricht von der sogenannten „sonstigen flexiblen Arbeitszeitregelung“. Darunter versteht man Arbeitszeitkonten, die in Form von Gleitzeit- oder Jahreszeitkonten geführt werden. Sie erleichtern es Ihnen als Arbeitgeber, die Einhaltung der Verdienstgrenze von Minijobs zu gewährleisten und gleichzeitig eine flexible Personaleinsatzplanung vorzunehmen. Das Führen eines Arbeitszeitkontos muss schriftlich zwischen Ihnen und Ihrem Minijobber vereinbart werden.

Der Arbeitnehmer erhält einen vertraglich vereinbarten monatlich gleichbleibenden Verdienst, dem abhängig vom Stundenlohn eine bestimmte Soll-Arbeitszeit zugrunde liegt. Ausgehend vom vereinbarten Stundenlohn können Sie errechnen, wie viele Stunden Sie den Minijobber bei einem zulässigen Jahresverdienst von 5.400 Euro über einen Zeitraum von 12 Monaten einsetzen dürfen:

Beispiel:

Vertraglich vereinbarter, monatlich gleichbleibender Lohn 440 Euro
Stundenlohn 11 Euro / Std.
Soll-Arbeitszeit pro Monat (440 Euro / 11 Euro/Std.) 40 Std.
Zulässiger Jahresverdienst: 12 Monate x 450 Euro/Monat 5.400 Euro im Jahr
Möglicher Stundeneinsatz des Minijobbers
(5.400 Euro/ Jahr / 11 Euro/Std.) 490 Std./Jahr

 

Wenn die betriebliche Situation es erfordert, kann der Arbeitnehmer je nach Bedarf unterschiedlich viele Stunden im Monat eingesetzt werden. Dies kann sogar zu einer Freistellung von der Arbeitsleistung für die Dauer von maximal drei Monaten unter Fortzahlung des vereinbarten Verdienstes führen. Die Beschäftigung im Sinne der Sozialversicherung besteht dann durchgehend weiter und muss nicht abgemeldet werden. Der Vorteil dieser Vereinbarung ist auch, dass Sie die Abgaben an die Minijob-Zentrale immer nur vom vereinbarten Monatsverdienst zahlen müssen. Ohne eine solche Vereinbarung wären die Abgaben unabhängig vom Auszahlungsbetrag immer von dem Verdienst zu zahlen, der tatsächlich vom Arbeitnehmer erwirtschaftet wurde. Bei z. B. 60 Arbeitsstunden à 11 Euro Stundenlohn also von 660 Euro.

Achten Sie darauf, dass die zulässige Gesamtstundenzahl im Jahresverlauf nicht überschritten wird. Deshalb ist es auch erforderlich, dass Zeitguthaben nicht nur auf-, sondern auch abgebaut werden. Wird bei einer Prüfung der Sozialversicherung festgestellt, dass der Abbau eines Zeitguthabens von vornherein nicht beabsichtigt war, kann die Vereinbarung über die Arbeitszeit und damit der Minijob beanstandet werden. In der Folge wären Beiträge aufgrund einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachzuzahlen.

Ausführliche Informationen erhalten Sie auch aus unserer Broschüre „Arbeitszeitkonten für Minijobs“ und auf unserer Homepage.

 

2 Kommentare zu “Kann auch bei Minijobbern ein Arbeitszeitkonto geführt werden?

  1. Wenn im Betrieb von Steffen ein anderer Arbeitnehmer krank wird, darf der Minijobber dann aushilfsweise auch dessen Arbeit übernehmen? Im Normalfall werden ja bis zu 2 Monatsgehälter toleriert, auch wenn dadurch die 5.400 € Jahresverdienstgrenze überschritten wird.

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