Studentenjobs: Der echte Werkstudent beginnt da, wo der Minijobber aufhört

Welche Besonderheiten gibt es für Studenten, wenn sie einen Minijob ausüben wollen und was haben Arbeitgeber dann zu beachten? In einem aktuellen Beitrag aus dem Kompass erklären wir u.a. auch das Werkstudenten-Privileg. Der „Kompass“ ist das amtliche Mitteilungsblatt der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See und berichtet sechsmal pro Jahr unter anderem über aktuelle Themen der Sozialversicherung.

Das Werkstudenten-Privileg

Beschäftigungen von Studenten erfreuen sich großer Beliebtheit. Bevorzugt werden Teilzeitjobs, die neben dem Studium zeitlich möglich sind. In der Altersgruppe 20 bis unter 25 waren Ende Juni 2017 rund 696.000 Arbeitnehmer auf Basis eines 450-Euro-Minijobs und gut 2,4 Mio. Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Ein Großteil der Arbeitnehmer dieser Altersklasse werden Studenten sein. Genaue Zahlen hierüber liegen nicht vor. Die besondere Beschäftigungsform des Werkstudenten ist aufgrund ihres Umfangs und der ausschließlich bestehenden Rentenversicherungspflicht nach wie vor attraktiv für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Hierfür sind heute aber etwas strengere Spielregeln als in der Vergangenheit zu beachten.

Der Unterschied zwischen Minijobbern und Werkstudenten

Wie im Titel bereits erwähnt, beginnen die besonderen Privilegien des Werkstudenten da, wo die Grenzen des Minijobs enden. Der Beschäftigungsumfang geht also über eine geringfügige Beschäftigung hinaus. Es gibt zwei Arten von geringfügiger Beschäftigung, die geringfügig entlohnte Beschäftigung (sog. 450-Euro-Minijob) und die kurzfristige Beschäftigung (sog. kurzfristiger Minijob). Ein 450-Euro-Minijob liegt vor, wenn das Arbeitsentgelt durchschnittlich im Monat 450 Euro (bzw. 5.400 Euro in 12 Monaten) nicht übersteigt. Die Voraussetzungen für einen kurzfristigen Minijob sind gegeben, wenn die Beschäftigung zeitlich für maximal zwei Monate beziehungsweise 50 Arbeitstage (vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2018: drei Monate bzw. 70 Arbeitstage) innerhalb eines Kalenderjahres befristet ist. Liegt der Student mit seinem Verdienst oberhalb der Entgeltgrenze bzw. ist auch nicht befristet innerhalb der Zeitgrenzen tätig, handelt es sich nicht um einen Minijob. Erst dann sind die besonderen Voraussetzungen für den Werkstudenten zu prüfen (sog Werkstudenten-Privileg).

In diesem Zusammenhang ist klarstellend zu erwähnen, dass jeder Student, der nebenbei arbeitet, grundsätzlich als Werkstudent gilt. Also auch der, der dies im Rahmen eines Minijobs tut. Allerdings ergeben sich für den Minijob andere versicherungs-, melde- und beitragsrechtliche Konsequenzen, so dass deshalb eine Trennung zum klassischen Werkstudenten wichtig ist. Ein Vergleich der verschiedenen Beschäftigungsmöglichkeiten für einen Studenten ist in der Abbildung dargestellt.

 

Beschäftigung von Studenten

Beschäftigung von Studenten im Vergleich (Quelle: Kompass, März/April 2018)

 

Der Unterschied zwischen Werkstudenten und klassischen Arbeitnehmern

Grundsätzlich sind alle Arbeitnehmer, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind, versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Im Gegensatz zum klassischen Arbeitnehmer sind beschäftigte Studenten aber unter bestimmten Voraussetzungen versicherungsfrei in der Kranken- und Arbeitslosenversicherung bzw. nicht versicherungspflichtig in der Pflegeversicherung. In diesem Fall gelten sie als Werkstudenten und unterliegen ausschließlich der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung.

Krankenversicherung der Studenten

Krankenversicherungsschutz ist Sache des Studenten. In der Regel sind Studenten über ihre Eltern in der gesetzlichen Krankenversicherung als Familienangehörige beitragsfrei mitversichert. Dies gilt jedoch nur, solange bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden. Spätestens wenn Studenten im Rahmen des Werkstudenten- Privilegs arbeiten, müssen sie sich in der Regel aber selbst krankenversichern. Dies geschieht nicht selten über die kostengünstige gesetzliche Krankenversicherungspflicht der Studenten. Dieser Krankenversicherungsschutz besteht bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters, längstens bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres. Darüber hinaus könnte sich der Student als Selbstzahler in der gesetzlichen Krankenversicherung freiwillig versichern. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, dass die Beschäftigung eines Studenten völlig unabhängig von seinem Krankenversicherungsschutz beurteilt
wird. Somit gilt das Werkstudenten-Privileg grundsätzlich auch, wenn der Student das 14. Fachsemester beendet oder das 30. Lebensjahr vollendet hat.

Lesen Sie jetzt im Kompass den vollständigen Aufsatz „Der echte Werkstudent beginnt da, wo der Minijobber aufhört“. Den Aufsatz finden Sie auf Seite 24 folgende. Hier finden Sie ausführliche Infos zum Werkstudenten-Privileg und Tipps zur versicherungsrechtlichen Beurteilung von Studenten und Praktikanten. Auch eine Übersicht mit zahlreichen konkreten Fallbeispielen zur Beschäftigung von Studenten finden Sie in diesem Aufsatz.

7 Kommentare zu “Studentenjobs: Der echte Werkstudent beginnt da, wo der Minijobber aufhört

  1. Hallo, ich habe bereits zwei 450€ Minijobs (PGR 109) in denen ich insgesamt ≤ 450€ verdiene. Jetzt würde ich mir aber gerne für das restliche Jahr noch eine 3. Arbeitsstelle suchen. Ist es möglich, dass ich für diese 3 Monate eine kurzfristige Beschäftigung annehme, ohne mich krankenversichern zu müssen? Wie viel dürfte ich dann bei der kurzfristigen Beschäftigung verdienen? Was muss ich beachten? Vielen Dank für die Hilfe!

    Gefällt mir

    • Hallo Maria,

      neben einem oder auch mehreren 450-Euro-Minijobs können Sie auch eine kurzfristige Beschäftigung ausüben. Eine Zusammenrechnung erfolgt hier nicht. Ebenso gibt es bei einer kurzfristigen Beschäftigung auch keine Verdienstgrenze, lediglich die Befristung auf 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage muss eingehalten werden und die Beschäftigung darf nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Sie können daher die kurzfristige Beschäftigung auch neben Ihren Minijobs ausüben.

      Bei der Beurteilung der Krankenversicherung kann das jedoch anders sein. Hier gelten unter Umständen andere Verdienstgrenzen und Regelungen. Wir empfehlen Ihnen daher zur Frage der Krankenversicherung Ihre Krankenkasse zu kontaktieren.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      Gefällt mir

  2. Was mache ich, wenn mein Werkstudent mal über 450,00 € verdient und mal unter 450,00 € verdient, da er keine Zeit hatte mehr Stunden zu arbeiten? Muss ich dann laufend an und abmelden? Dieses Problem ist in der Tabelle nicht aufgeführt.

    Gefällt mir

    • Hallo Angy,

      die versicherungsrechtliche Beurteilung obliegt dem Arbeitgeber.

      Bei der Prüfung der Frage, ob das Arbeitsentgelt 450 Euro übersteigt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen. Dieses ermittelt sich, abhängig von der Anzahl der Monate, für die eine Beschäftigung gegen Arbeitsentgelt besteht. Für einen Minijob darf dabei das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt im Durchschnitt einer Jahresbetrachtung 450 Euro nicht übersteigen. Das Arbeitsentgelt darf somit schwanken und auch in einigen Monaten über 450 Euro liegen, wenn es sich in anderen Monaten wieder ausgleicht. Analog ist dies beim Werkstudent, liegt das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt über 450 Euro, ist eine Anmeldung als Werkstudent bei der Krankenkasse korrekt.
      Ob, die für die Beschäftigung maßgebende Entgeltgrenze regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten wird, ist stets bei Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung (zum Beispiel Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) im Wege einer vorausschauenden Betrachtung zu beurteilen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      Gefällt mir

  3. Pingback: Jobben neben dem Studium: Haben Studenten Anspruch auf den Mindestlohn? | Die Minijob-Zentrale

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s