Minijob oder Midijob – welche Vorteile gibt es?

Minijob oder Midijob – welche Vorteile gibt es?

Wird von einer Hausfrau, die durch ihren Mann gesetzlich krankenversichert ist, ein Minijob ausgeübt, zahlt der Arbeitgeber in der Regel die Abgaben alleine. Wie sieht es aber aus, wenn sie mehr verdient, etwa 600 Euro und „auf Steuerkarte“ arbeitet? Wie verhält es sich dann mit den Abgaben zur Sozialversicherung? Welche Vor- oder Nachteile hat dies? Diese Fragen stellte uns Wolfgang Büser in unserer Rubrik „Klartext mit Büser“.

Die Minijob-Zentrale antwortet:

Für einen „Minijob“ gilt:

Der Arbeitgeber zahlt bei einem Minijob u.a. 15 Prozent zur Renten- und 13 Prozent zur Krankenversicherung vom Arbeitsverdienst. Die Belastung des Minijobbers liegt in der Rentenversicherung bei 3,6 Prozent, wenn er sich nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt. Außerdem ist keine Steuerkarte erforderlich, weil der Arbeitgeber in der Regel eine Pauschale von 2 Prozent zahlt.

Mit den Beiträgen zur Rentenversicherung werden Leistungen in der Rentenversicherung erworben. Ein eigenes Krankenversicherungsverhältnis entsteht aus den Pauschalbeiträgen zur Krankenversicherung aber nicht.

Alle Abgaben für Minijob-Arbeitgeber im gewerblichen Bereich

Für einen „Midijob“ gilt:

Beläuft sich der monatliche Verdienst auf 450,01 Euro bis 850 Euro, dann handelt es sich nicht mehr um einen Minijob, sondern um einen sogenannten Midijob.

Midijobber sind im Gegensatz zu Minijobbern in allen Sozialversicherungszweigen versicherungspflichtig. Diese Verdienstzone von 450,01 Euro bis 850 Euro nennt man auch Gleitzone. Hierbei teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beitragslast – aber nicht im Rahmen der üblichen Verteilung: Arbeitnehmer zahlen vielmehr nur reduzierte Beiträge. Sie sind bei 450,01 Euro noch sehr gering und steigen mit jedem Euro mehr an Verdienst progressiv an. Sobald Arbeitnehmer die Grenze von 850 Euro erreicht haben, tragen sie ihre übliche Beitragsbelastung wie jeder andere Arbeitnehmer auch.

Der Arbeitgeber zahlt auch in der Gleitzone immer seine Anteile an den Pflichtbeiträgen vom tatsächlichen Verdienst. Diese belaufen sich auf 7,3 Prozent zur Kranken-, 1,275 Prozent zur Pflege-, 9,3 Prozent zur Renten- und 1,5 Prozent zur Arbeitslosenversicherung. Die Steuern werden abhängig von der Steuerklasse vom Arbeitnehmer gezahlt.
Wenn die Hausfrau beispielsweise im Midijob 600 Euro verdient, dann hat sie insgesamt 89,51 Euro an Beitragsbelastung (zuzüglich Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung; Pflegeversicherung ohne Kinderzuschlag). Damit ist sie vollständig in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung abgesichert. Ohne Gleitzonenregelung würde sie insgesamt 116,25 Euro (zuzüglich Zusatzbeitrag in der Krankenversicherung) zahlen müssen. Die Beitragsbelastung ist also „in der Gleitzone“ deutlich geringer.

Midijob-Rechner

Wenn die Hausfrau also beispielsweise nicht über ihren Mann gesetzlich krankenversichert ist, dann kann die Beschäftigung „in der Gleitzone“ eine kostengünstige Möglichkeit für einen eigenen Versicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung sein. Und dies sozusagen als Rundumsorglospaket mit gleichzeitiger Absicherung in der Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung.

15 Kommentare zu “Minijob oder Midijob – welche Vorteile gibt es?

  1. Was ist zu beachten, wenn der Arbeitnehmer im Midijob privat versichert ist? Löst die GKV sofort mit der Beschäftigungsaufnahme die PKV ab?

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    • Guten Tag Frau Fuchs,

      grundsätzlich tritt mit Aufnahme einer versicherungspflichtigen Beschäftigung Krankenversicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung ein. Es kann jedoch Ausnahmen geben, dass eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung nicht mehr möglich ist.
      Daher empfehlen wir, diese Frage immer an die relevante Krankenkasse zu richten.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  2. Hallo, wenn ich einer Firma einen Midijob ausübe und zusätzlich in einer anderen Firma auch in die Gleitzone komme,wie wird das dann abgerechnet? Fallen dann beide Beschäftigungen aus der Gleitzone?
    Vielen Dank für die Antwort

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    • Hallo Frau Schneider,

      bei Mehrfachbeschäftigten kann die Frage, ob die besonderen beitragsrechtlichen Regelungen der Gleitzone anzuwenden sind, nur von allen Arbeitgebern gemeinsam geklärt werden. Deshalb ist es wichtig, dass die für die versicherungs- und beitragsrechtliche Beurteilung relevanten Daten allen Arbeitgebern bekannt sind. Der Beschäftigte ist verpflichtet, seinen Arbeitgeber über die Aufnahme einer weiteren Beschäftigung rechtzeitig zu informieren. Wird durch die Zusammenrechnung der Beschäftigungen die zulässige Höchstgrenze in der Gleitzone in Höhe von 850 Euro überschritten, können die betroffenen Arbeitgeber die Gleitzonenregelung nicht mehr anwenden.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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    • Hallo,

      vielen Dank für den Hinweis. Der Beitrag zur Rentenversicherung beläuft sich insgesamt auf 18,6 Prozent. Somit 9,30 Prozent für den Arbeitgeber. Wir werden dies umgehend in unserem Blog-Beitrag berichtigen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  3. Hallo Ihre Kommentare gefallen mir.Ich bin Rentner und habe einen Midijob.Werde aber wie ein Minijober berechnet.Was mache ich falsch, und an wen muß ich mich wenden um mehr aus meiner Beschäftigung herraus zu holen.Mir werden jeden Monat Steuern abgezogen

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    • Die Steuerlast hängt grundsätzlich vom zu versteuernden Einkommen ab. Das hat nichts mit Mini oder Midjob zu tun. Allerdings wird als Sonderregelung beim Minijob nur eine Steuer von 2% erhoben. Damit wäre als die Leistung eines Minijobs steuerlich günstiger als ein Midijob. Die Sozialabgaben sind relativ die gleichen.

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    • Guten Tag Herr Barthel,

      die versicherungsrechtliche Beurteilung der Beschäftigung obliegt Ihrem Arbeitgeber. Wie in unserem Blog-Beitrag beschrieben muss bei einem Midijob das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt über 450 Euro liegen. Wir empfehlen Ihnen daher, mit Ihrem Arbeitgeber bezüglich der Modalitäten Ihrer Beschäftigung zu sprechen.

      Hinweis:
      Auch in einem Minijob können dem Arbeitnehmer Steuern abgezogen werden, da die Art der Besteuerung durch den Arbeitgeber bestimmt wird. Er entscheidet, ob der Minijob pauschal mit zwei Prozent versteuert wird oder individuell nach der Lohnsteuerklasse. Lesen Sie hierzu auf unserer Homepage den Beitrag zur Besteuerung von 450-Euro-Minijobs.

      https://www.minijob-zentrale.de/DE/01_minijobs/02_gewerblich/03_infos_fuer_arbeitgeber_und_entgeltabrechner/07_was_steuerlich_beachten/01_besteuerung_450/node.html

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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