Nachgefragt (17): 2 Minijobs bei einem Arbeitgeber – geht das?

Kann derselbe Arbeitgeber einen Minijobber gleichzeitig in seiner Einzelfirma und in seinem privaten Haushalt beschäftigen?

Mit dieser Frage hat sich Gerd aus Karlsruhe an uns gewandt.

Michaela

Michaela aus unserem Service-Center

Er ist Zahnarzt und hat eine 450-Euro-Minijobberin als Raumpflegerin beschäftigt. Jetzt möchte Gerd sie auch auf 450-Euro-Basis in seinem privaten Haushalt als Haushaltshilfe einstellen. Die Beschäftigung als Haushaltshilfe möchte er über das Haushaltsscheck-Verfahren abrechnen.

Beantwortet! von Michaela aus dem Service-Center:

Hallo Gerd,

Sie können die Minijobberin sowohl in Ihrer Praxis als auch in Ihrem Privathaushalt beschäftigen. Jedoch handelt es sich hierbei um ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis, weil Sie für beide Tätigkeiten der Arbeitgeber sind. Das bedeutet, Sie können die Beschäftigung in Ihrem Privathaushalt daher nicht gesondert über das Haushaltsscheck-Verfahren abrechnen.

Sie müssen Ihre Arbeitnehmerin ausschließlich über Ihre Praxis melden und abrechnen. Somit sind die für gewerbliche Minijobs üblichen Abgaben auf den Gesamtverdienst aus beiden Beschäftigungen zu zahlen.

Auf die Verdienstgrenze achten!

Bitte achten Sie darauf, dass der Gesamtverdienst Ihrer Minijobberin durchschnittlich im Monat 450 Euro nicht überschreitet. Das entspricht einer jährlichen Verdienstgrenze von 5.400 Euro. Wird diese Grenze überschritten, handelt es sich grundsätzlich nicht mehr um einen 450-Euro-Minijob, sondern um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Hier geht es zu den weiteren Beiträgen aus unserer Nachgefragt-Reihe:

Nachgefragt (16): Was passiert, wenn ein Beitragsnachweis zu spät übermittelt wird?

Nachgefragt (15): Unfallversicherung bei Minijobbern

Nachgefragt (14): Weihnachtsgeld für Minijobber

Nachgefragt (13): Krankenversicherung für Minijobber

Nachgefragt (12): Mit Rentenversicherungspflicht volle Ansprüche sichern

Nachgefragt (11): Einfache Anmeldung einer Haushaltshilfe

Nachgefragt (10): Mehrere Minijobs neben einer Hauptbeschäftigung

Nachgefragt (9): Lohnfortzahlung auch für Minijobber

Nachgefragt (8): Kosten einer Haushaltshilfe

Nachgefragt (7): Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub

Nachgefragt (6): Vollständigkeit von Meldungen

Nachgefragt (5): Studenten mit mehreren Jobs

Nachgefragt (4): Änderung der Geschäftsadresse

Nachgefragt (3): Rente und Hinzuverdienstgrenze

Nachgefragt (2): Studenten und Minijobs

Nachgefragt (1): Anmeldung eines Minijobbers

14 Kommentare zu “Nachgefragt (17): 2 Minijobs bei einem Arbeitgeber – geht das?

  1. Hallo,
    ich habe eine Frage: Ich bin Arzthelferin in einer Arztpraxis und dort in Vollzeit angestellt. Nun kam die Frage auf, ob es möglich ist auf 450,-€-Basis am Wochenende von zu Hause aus als Schreibkraft zu arbeiten? Ich würde somit mit dem selben Arbeitgeber einen neuen, zweiten Arbeitsvertrag als Schreibkraft aufsetzen und auf meine Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung verzichten. Ist es möglich, dass man also einen Minijob beim gleichen Arbeitgeber hat? Man liest ja sehr viel darüber und weiß gar nicht, was nun richtig und falsch ist. Können Sie mir dazu Auskunft geben?
    Vielen Dank und herzliche Grüße
    C. Götze

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    • Hallo Frau Götze,

      übt ein Arbeitnehmer bei demselben Arbeitgeber gleichzeitig mehrere Beschäftigungen aus, so ist ohne Rücksicht auf die arbeitsvertragliche Gestaltung sozialversicherungsrechtlich von einem einheitlichen
      Beschäftigungsverhältnis auszugehen.

      Somit ist ein 450-Euro-Minijob neben einer versicherungsrechtlichen Hauptbeschäftigung bei demselben Arbeitgeber nicht möglich.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  2. Hallo, ich gehe ab den 1.12.17, als langjähriger Vericherter mit 63 und 4 Monate in Rente. Ich kann im Jahr insg. 6300 € hinzuverdienen. Frage, dann könnte ich anstatt mtl. 450 € gleich 525 € mtl (6300:12 Monate) hinzuverdienen. Die Höchstgrenze würde ja nicht überschritten.

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    • Guten Tag Richard,

      die Grenze von 6.300 Euro bezieht sich auf den zulässigen Hinzuverdienst für Rentner. Die Hinzuverdienstgrenze regelt, wie viel ein Rentner zu seiner gesetzlichen Rente hinzuverdienen darf. Wird dieser Wert überschritten, kann die Rente gekürzt werden oder ganz wegfallen.

      Bei einer Rente vor Erreichen der Regelaltersgrenze durften Sie bislang maximal 450 Euro pro Monat verdienen und zusätzlich zweimal im Jahr das Doppelte (also 900 Euro), ohne dass sich dies auf Ihren Rentenzahlbetrag auswirkte. Zum 1. Juli 2017 wurde diese Regelung vereinfacht. Ab diesem Zeitpunkt ist nur noch Ihr Jahresverdienst maßgebend, unabhängig davon, was Sie in den einzelnen Monaten verdienen. Dieser Wert beträgt 6.300 Euro pro Kalenderjahr. Altersvollrentner, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, dürfen sogar unbegrenzt verdienen, ohne dass sich dies auf die Höhe ihrer Rente auswirkt.

      Für einen Minijob gilt jedoch weiterhin die Jahresverdienstgrenze von 5.400 Euro. Wird diese Verdienstgrenze überschritten, liegt in der Regel kein 450-Euro-Minijob mehr vor. Sie haben also als Altersvollrentner vor Vollendung der Regelaltersgrenze ab 1. Juli 2017 die Möglichkeit bis zu 6.300 Euro pro Kalenderjahr zu verdienen, wären aber bereits ab einem Verdienst von mehr als 5.400 Euro kein Minijobber mehr, sondern ein Midijobber.
      Für Midijobber ist nicht mehr die Minijob-Zentrale, sondern Ihre Krankenkasse Ansprechpartner.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  3. Hallo,

    „Für die Feststellung, ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vorliegt, ist allein maßgebend, ob Arbeitgeberidentität besteht. Entscheidend ist, dass es sich rechtlich um ein und denselben Arbeitgeber handelt, das heißt um ein und dieselbe natürliche oder juristische Person oder Personengesellschaft. (…) „,

    Würde das auch für einen privaten Haushalt gelten, wenn ein und dieselbe Person bei dem einen Ehepartner Vollzeit Angestellt wäre und bei dem anderen Ehepartner auf Haushaltsscheck- Verfahren angestellt werden würde (Für zwei verschiedene Tätigkeiten. Pflege und Reinigung)?

    Vielen Dank im Voraus!

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  5. Pingback: Nachgefragt (18) – Wie bekomme ich die Sozialversicherungsnummer meines neuen Minijobbers heraus? | Die Minijob-Zentrale

  6. Hallo,

    wenn es nicht möglich ist, da ein und der selbe Arbeitgeber, wäre es möglich in dem Privathaushalt das ganze über den Ehemann oder Ehefrau anzumelden?

    Vielen Dank mit freundlichen Grüssen

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    • Hallo! Ja, das ist möglich. Rechtlich gesehen handelt es sich bei den Eheleuten um zwei unterschiedliche natürliche Personen. Sie können durchaus jeweils separate Arbeitsverträge mit einem einzelnen Arbeitnehmer schließen. In dem Fall liegen zwei Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern vor. Für die Tätigkeiten im Privathaushalt findet dann das Haushaltsscheck-Verfahren Anwendung.

      Viele Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  7. Hallo,

    gilt die Regelung ein Arbeitgeber nur ein Mini-Job, auch dann wenn der Arbeitnehmer unterschiedliche Tätigkeiten ausführt, bzw. bei verschiedenen Betriebsstätten tätig ist? z.B. In der Verwaltung Abrechungen oder wie im Beispiel die Arzthelferin in Praxis und zusätzlich im Privathaushalt als Reinigungskraft auf jeweils 450€ arbeitet?

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

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  8. Soweit mir bekannt ist, ist die Beschäftigung im Rahmen eines Minijobs z.B. in der Arztpraxis und im Privathaushalt des (Zahn)-Arztes nur dann möglich, falls Praxis und Privathaushalt im gleichen Gebäude liegen. Dann ist die gesamte Beschäftigung als gewerbliche Tätigkeit zu betrachten und über die Praxis (bei Beachtung der Grenze von 450,00 Euro für den Gesamtverdienst) anzumelden und abzurechnen:
    Meine Frage: Ist die Tätigkeit auch dann nur über die Praxis anzumelden und abzurechnen, falls Praxis und Privatwohnung zwar im gleichen Ort , jedoch in zwei verschiedenen Gebäuden liegen? Kommt dann nicht doch zur Abrechnung über die Praxis zusätzlich das Haushaltsscheckverfahren zur Anwendung (natürlich weiterhin bei Berücksichtigung der Gesamtgrenze von 450,00 Euro für beide Arbeitsverhältnisse) ?

    Über eine letzlich klärende Anwort würde ich mich freuen.
    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
    Dr. Rolf Ebel

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    • Sehr geehrter Herr Dr. Ebel,

      das Haushaltsscheck-Verfahren darf nicht angewendet werden, weil die (einheitliche) Beschäftigung nicht „ausschließlich“ (vom Gesetzgeber gefordert) für den Privathaushalt erbracht wird.

      Wenn Sie eine Arbeitnehmerin sowohl in Ihrer Praxis als auch in Ihrem Privathaushalt beschäftigen, handelt es sich um ein „einheitliches Beschäftigungsverhältnis“. Ob die beiden Beschäftigungsbetriebe in demselben Gebäude oder an zwei verschiedenen Standorten liegen, ist irrelevant.

      Für die Feststellung, ob ein einheitliches Beschäftigungsverhältnis vorliegt, ist allein maßgebend, ob Arbeitgeberidentität besteht. Entscheidend ist, dass es sich rechtlich um ein und denselben Arbeitgeber handelt, das heißt um ein und dieselbe natürliche oder juristische Person oder Personengesellschaft. Sie sind als Arbeitgeber dieselbe natürliche Person, die nicht für den Arbeitsbereich in der Praxis einerseits und die Tätigkeit in Ihrem Haushalt andererseits getrennt betrachtet werden darf. Eine Teilnahme am Haushaltsscheck-Verfahren scheidet somit aus.

      Viele Grüße
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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