Der Mindestlohn steigt – 5 Punkte, die Minijobber und Arbeitgeber wissen sollten

Mindestlohn

Mindestlohn steigt im Jahr 2017 auf 8,84 €

Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland wird um 34 Cent angehoben. Ab dem 1. Januar 2017 gilt somit eine neue einheitliche Lohnuntergrenze von 8,84 € pro Stunde. Was bedeutet diese Anhebung für Minijobber und deren Arbeitgeber?

Minijobber haben grundsätzlich Anspruch auf den Mindestlohn. Die Erhöhung des Mindestlohnes von 8,50 € auf 8,84 € pro Stunde wirkt sich somit auch auf Minijobber und Arbeitgeber aus:

  1. Für Minijobber, die bislang einen Stundenlohn zwischen 8,50 € und 8,84 € erzielten, erhöht sich das monatliche Einkommen.

Bei einer monatlichen Arbeitszeit von beispielsweise 40 Stunden steigt der Monatsverdienst um maximal 13,60 € pro Monat:

Vor Erhöhung des Mindestlohnes:

Stundenlohn = 8,50 €

Monatslohn = 340 €

 Nach Erhöhung des Mindestlohnes:

Stundenlohn = 8,84 €

Monatslohn = 353,60 €

  1. Erhöhung des Mindestlohns reduziert die maximale Arbeitszeit um etwa 2 Stunden

Bis Ende 2016 lag die maximale Arbeitszeit im 450-Euro-Minijob bei rund 52 Stunden (= 450 € pro Monat / 8,50 € pro Stunde). Nach der Anpassung des Mindestlohns auf 8,84 Euro erreichen Minijobber die Verdienstgrenze von 450 Euro im Monat schon nach knapp 50 Stunden (= 450 € pro Monat / 8,84 € pro Stunde).

Höhe des Stundenlohnes

Maximale monatliche Arbeitszeit im Minijob

  8,50 €

52 Std. 56 Min.

  8,84 €

50 Std. 54 Min.

  9,00 €

50 Std.

10,00 €

45 Std.

11,00 €

40 Std. 54 Min.

12,00 €

37 Std. 30 Min.

13,00 €

34 Std. 36 Min.

Hinweis:

Arbeitgeber sollten bestehende Minijobs zum 1. Januar 2017 neu beurteilen. Wird die Arbeitszeit nicht angepasst, kann die Erhöhung des Stundenlohns zu einer Überschreitung der Verdienstgrenzen von monatlich 450 Euro führen. Es liegt dann kein Minijob mehr vor.

Verdient ein Arbeitnehmer regelmäßig 450,01 bis 850 € monatlich, befindet er sich in der sogenannten Gleitzone. Damit ist seine Beschäftigung ein Midijob und somit sozialversicherungspflichtig.

  1. Bestimmte Personengruppen erhalten Leistungen von staatlicher Seite. Hierzu zählen z. B. das Arbeitslosengeld oder auch einzelne Rentenarten. Um diese Leistungen in voller Höhe zu erhalten, sind zum Teil individuelle Hinzuverdienst- bzw. Einkommensgrenzen zu beachten. Diese können durch die Anhebung des Mindestlohnes überschritten werden.

Auskünfte über die Höhe des möglichen Hinzuverdienstes bzw. Einkommens erteilt die Stelle, die die Leistungen auszahlt. Das sind u.a. die Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung, die Ansprechpartner der Bundesagentur für Arbeit oder die Jobcenter.

  1. Werden von einem Minijobber mehrere Minijobs gleichzeitig ausgeübt, so darf bei einer Zusammenrechnung der Verdienste die Grenze von 450 € nicht überschritten werden.

Übersteigt der monatliche Verdienst aus mehreren 450-€-Minijobs nach der Erhöhung des Mindestlohnes die 450-€-Grenze, müssen die Minijobber dieses dem Arbeitgeber mitteilen. Um weiterhin im Rahmen von Minijobs beschäftigt werden zu können, sollte der zeitliche Umfang der Minijobs reduziert werden.

Überschreiten die Verdienste aus mehreren Beschäftigungen die Grenze von 450 Euro, sind alle Jobs versicherungspflichtig und damit keine Minijobs.

  1. Arbeitgeber müssen Beitragsberechnung anpassen

Ändert sich durch die Erhöhung des Mindestlohnes der monatliche Verdienst eines Minijobbers, müssen die Arbeitgeber dies auch bei der Beitragsberechnung berücksichtigen. Die neuen Abgaben können mit unserem Minijob-Rechner schnell und einfach berechnet werden.

Weiterführende Links/ Informationen

Weitere Informationen zum Mindestlohn, zur Mindestlohn-Hotline des BMAS und zum Mindestlohn-Rechner gibt es unter www.der-mindestlohn-wirkt.de.

Infos zum Mindestlohn für Minijobber haben wir auch in unserer Videoreihe „Minijob? – Wir antworten“ zusammengefasst:

15 Kommentare zu “Der Mindestlohn steigt – 5 Punkte, die Minijobber und Arbeitgeber wissen sollten

  1. Hallo,
    eigentlich hat es mit den vorangegangenen Themen nichts zu tun,
    jedoch stelle ich es hier ein bevor ich nach unverrichteter Suche die
    Stelle immer noch nicht gefunden habe, wo ich dieses Thema vorbringen
    kann.
    Mein AG wälzt die Pauschale Lohnsteuer auf mich ab (kann er, das ist
    klar, wenn auch nicht schön…). Für die Einkommenssteuererklärung ist das
    finde ich aber auch Steuergeld, was ich, wenn es mir vom Lohn abgezogen wird, angeben kann (zumal, wenn ich noch eine Haupttätigkeit habe).
    Um es vor dem FA anzuzeigen, muss ich dann jede Lohnabrechnung kopieren,
    um anzuzeigen, dass mir rund. 8 Euro pro Monat Pauschale Lohnsteuer ein-
    behalten wurden oder kann man vom AG auch eine jährliche Aufstellung
    darüber verlangen (in der Jahresmeldung eines Mini-Jobs wird die pauschale
    Lohnsteuer nicht! explizit aufgeführt!), dass man rund 80/90 Euro pauschale
    Lohnsteuer gezahlt hat?
    Gruß
    Antje

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  2. Guten Tag ich hätte zur Minijob Mindestlohntabelle eine Frage.
    Ich arbeite als Verkäuferin und mein Lohnabrechnung wurde für den Monat Januar mit 8.50 € berechnet. Die Lohnbuchhaltung so gab man mir die Auskunft weiß bis jetzt nicht genau ob ich jetzt 8.84 € bekommen müsste.
    Können Sie mir sagen wie ich mich verhalten soll.

    MFG. Andrea Supper

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    • Hallo Frau Supper,

      zunächst sollten Sie bei Ihrem Arbeitgeber den Mindestlohn individuell geltend machen, indem Sie ein persönliches Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen und ihm auf die Mindestlohnanpassungsverordnung vom 15. November 2016 hinweisen. Dort ist geregelt, dass der Mindestlohn ab dem 01 Januar 2017 8,84 Euro beträgt. Sollten Sie dort zu keinem Ergebnis kommen, empfehlen wir Ihnen sich an die Mindestlohn-Hotline zu wenden. Diese beantwortet alle Fragen rund um den Mindestlohn. Die Hotline ist montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 030 60 28 00 28 erreichbar.

      Wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  3. Sehr geehrte Minijob-Zentrale,

    Zu Punkt 1 hätte ich folgende Anmerkung:

    In dem genannten Beispiel wird von einer wöchentlichen Arbeitszeit von 10 Stunden ausgegangen. In Klammern steht dann 40 Stunden im Monat. Ein Monat besteht aber nicht immer aus 4 Wochen, sondern in der Regel aus mehr als 4 Wochen. In der Praxis wird dieser Fehler bei Arbeitsverträgen häufig begangen, was unter Umständen zu der Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenzen führt. Ich würde mich freuen, wenn Sie dies korrigieren bzw. die Formulierung eindeutig wählen würden. Bei Punkt 2 wird ja entsprechend auf die monatliche Arbeitszeit abgestellt.

    Viele Grüße

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  4. Pingback: Ein Jahr Mindestlohn – Antworten auf häufig gestellte Fragen | Die Minijob-Zentrale

  5. Pingback: Der Mindestlohn steigt: was man unbedingt wissen muss – elfstricheins

  6. Ich hoffe ja, dass diese Beiträge auch seitens der Minijob-Zentrale gelesen und ausgewertet werden.

    Leider wird durch die derzeitige Minijob-Regelung insbesondere im Haushaltsscheckverfahren eine Verdrängung in die Schwarzarbeit gefördert.

    1. Sollen im Minijob die Mindestlöhne netto ausgezahlt werden, obwohl der gesetzliche Mindestlohn ein Bruttolohn ist. Da der Arbeitgeber im Minijob/Haushaltsscheckverfahren zusätzlich die pauschalen Abgaben zu zahlen hat, muss also hier ein höherer Bruttobetrag/Std. gezahlt werden als im Midi- oder Vollzeitjob.

    2. Darf ein Minijobber mit einem bestehenden sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zwar in einem Minijob-Arbeitsverhältnis max. 450 € verdienen, also zum Beispiel als Reinigungskraft in einem Kleinbetrieb/Praxis mit 10€/Std. zwei Stunden täglich an 5 Tagen die Woche arbeiten, eine Reinigungskraft in Privathaushalten aber nicht an fünf Tagen in 5 Haushalten täglich 2 Stunden arbeiten. Dadurch wird es den privaten Haushalten schwer bis unmöglich gemacht, eine Reinigungskraft/Putzhilfe für eine Beschäftigung im Haushaltsscheckverfahren zu gewinnen.

    Hierdurch erfolgt im privaten Bereich zwingend eine Verdrängung in die Schwarzarbeit.

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    • Hallo Gerhard,

      natürlich lesen wir hier mit und freuen uns über jeden Kommentar. Insbesondere Anmerkungen oder Anregungen, die sich gegen die Reduzierung der Schwarzarbeit in Privathaushalten richten, lesen wir besonders aufmerksam. Schon seit vielen Jahren versuchen wir deutlich zu machen, wie wichtig es für Arbeitgeber und insbesondere auch für die Minijobber ist, bei uns angemeldet zu werden.

      Gerade Minijobs im Privathaushalt werden schon heute vom Gesetzgeber besonders gefördert. Im Vergleich zu den sogenannten gewerblichen Minijobs – also alle 450-Euro-Job, die nicht über das Haushaltsscheck-Verfahren zu melden sind – zahlen die privaten Arbeitgeber bspw. deutlich geringere Beiträge. So liegen die Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung nur bei jeweils 5 Prozent. Durch den Steuervorteil, der Privathaushalten eingeräumt wird, können sich die Arbeitgeber jährlich 20 Prozent der entstandenen Aufwendungen (Lohn + Abgaben) von der Steuerschuld abziehen lassen. Die Mehrbelastung für den privaten Arbeitgeber durch den angehobenen Mindestlohn wird auch dadurch relativiert.

      Den in Ihrem zweiten Beispiel geschilderten Fall können wir nachvollziehen. Sowohl für den gewerblichen Bereich als auch für Minijobs in Privathaushalten gilt, dass neben einer Hauptbeschäftigung nur genau eine Beschäftigung auf Basis eines Minijobs ausgeübt werden kann. Die gesetzliche Grundlage dieser Bewertung existiert seit dem Jahr 2003. Eine Anpassung dieser Regelung müsste vom Gesetzgeber festgelegt werden. Als Minijob-Zentrale ist uns eine Änderung dieser Regeln nicht möglich.

      Viele Grüße
      Ihre Minijob-Zentrale

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  7. Das sind doch alles Schreibtischtäter, die keine Ahnung von den Verhältnissen der Minijobber haben! Die verdienen jetzt nicht mehr, dürfen dafür aber weniger arbeiten!! Und die Firmen haben das Problem der weniger Stunden. Wenn man den Mindestlohn anpassen will, muss auch die Grenze der 450-Euro-Jobber nach oben erhöht werden, damit das auch hier Sinn macht.

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    • Dann melden Sie ihre Arbeitnehmer doch als Midijobber an, dann brauchen Sie die Stunden nicht reduzieren. Bis zu einer gewissen Höhe des Verdienstes würden Sie sogar noch Geld sparen im Vergleich zum Minijob, aber Hauptsache erst mal meckern. Unfassbar!

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      • Grundsätzlich richtig! Leider lässt sich nicht aus jedem Minijobber ein Midijobber machen! Geht oder befindet sich die/der Arbeitnehmer/in in vorzeitige Altersrente oder bezieht eine Rente wegen voller Erwerbsminderung, entstehen bei Verdienst über 450 Euro Kürzungen bei der Rente.

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  8. Wie stümperhaft und wenig einladend/ motivierend die ganze Minijob-Gesetzgebung ist, kann ja wohl jeder jetzt erkennen !
    Den erlaubten Mini Verdienst
    1. zu tief fest zu legen ,
    2. ihn nicht mal dynamisch an das Niveau des Mindestlohns zu koppeln;

    Wie realitätsfern ist das denn ?

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  9. Pingback: Minijobs 2017: Das ändert sich im neuen Jahr | Die Minijob-Zentrale

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