Wie Arbeitgeber für die Rente ihrer Minijobber sorgen

Unabhängig davon, ob im 450-Euro-Minijob Rentenversicherungspflicht besteht oder nicht – die Arbeitgeber sorgen mit ihren Beitragszahlungen auch immer für die spätere Rente der Minijobber. Mit Zahlung der Pauschalbeiträge zur Rentenversicherung wird einerseits die spätere Rente erhöht. Außerdem wird die Dauer des Minijobs auch anteilig zur Sicherung von Mindestversicherungszeiten angerechnet.

Was zahlen die Arbeitgeber für die Rente ein?

blogrv

Anders als bei einer Vollzeitstelle – bei der sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Beitrag jeweils zur Hälfte teilen – zahlt der Minijob-Arbeitgeber einen gesetzlich festgelegten Prozentsatz als Pauschalbeitrag. Dieser ist bei Minijobs im gewerblichen Bereich und bei Minijobs in Privathaushalten unterschiedlich hoch.

  •  Im gewerblichen Bereich zahlt der Arbeitgeber einen pauschalen Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 15 % des Arbeitsentgelts.
  • Bei Minijobs in Privathaushalten liegt der pauschale Rentenversicherungsbeitrag bei 5 % des Arbeitsentgelts.

Durch eine mögliche Befreiung des Minijobbers von der Rentenversicherungspflicht entfällt nur die Zahlung des Arbeitnehmeranteils am Rentenbeitrag. Der Arbeitgeber zahlt weiterhin den Pauschalbeitrag von 5 bzw. 15 %. Hierdurch wird sichergestellt, dass auch Minijobber Ansprüche in der Rentenversicherung erwerben.

Wie profitieren Minijobber vom vollen Schutz in der Rentenversicherung?

Beschäftigte, die einen 450-Euro-Minijob aufnehmen, sind seit dem Jahr 2013 automatisch versicherungspflichtig in der Rentenversicherung. Durch die Zahlung eines eigenen Beitragsanteils erwerben die Minijobber vollwertige Pflichtbeitragszeiten in der Rentenversicherung. Das bedeutet, dass die

  • Beschäftigungszeit in vollem Umfang für die Erfüllung der verschiedenen Wartezeiten (Mindestversicherungszeiten) berücksichtigt wird.

Pflichtbeitragszeiten sind darüber hinaus Voraussetzung für:

  • einen früheren Rentenbeginn,
  • Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation (sowohl im medizinischen Bereich als auch im Arbeitsleben),
  • die Begründung oder Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Rente wegen Erwerbsminderung,
  • den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung und
  • den Anspruch auf Übergangsgeld bei Rehabilitationsmaßnahmender gesetzlichen Rentenversicherung, wenn kein Anspruch auf Entgeltfortzahlung (mehr) besteht

Zudem

  • erhöht sich der Rentenanspruch, da das Arbeitsentgelt in voller Höhe bei der Berechnung der Rente berücksichtigtwird und
  • kann die staatliche Förderung für private Altersvorsorge, beispielsweise die so genannte Riester-Rente, sowohl vom Minijobber als auch vom Ehepartner beansprucht werden.

Was müssen Minijobber für den vollen Schutz in der Rentenversicherung tun?

Rente.jpeg

Um sich diesen vollen Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung zu sichern, müssen die Minijobber die Differenz des Pauschalbeitrags zum vollen Rentenversicherungsbeitrag (aktuell 18,7 %) selbst zahlen:

  • Bei Minijobs im gewerblichen Bereich liegt der Eigenanteil zurzeit bei 3,7 %
  • Bei Minijobs in Privathaushalten bei 13,7 %.

 

Tipp: Die gezahlten Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung können bei der nächsten Steuererklärung als Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden.

Fazit:

  1. Unabhängig davon, ob ein Minijobber rentenversicherungspflichtig ist oder nicht – der Arbeitgeber zahlt immer den Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung.
  2. Wünscht der Minijobber die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht, bekommt er aufgrund der pauschalen Beitragszahlungen seines Arbeitgebers zumindest geminderte Rentenansprüche.
  3. Nur mit der Zahlung eines Eigenanteils sichert sich der Minijobber das volle Leistungspaket der gesetzlichen Rentenversicherung.

 

 

 

12 Kommentare zu “Wie Arbeitgeber für die Rente ihrer Minijobber sorgen

  1. Wenn ich die obigen Ausführungen beurteilen müsste, wäre dies für einen Arbeitnehmer, welcher von der Rentenversicherungsbefreiung keinen Gebrauch Macht bei einem Verdienst von 450,00 € eine erhöhte Rente pro Jahr von 0,89 € bei einem monatlich selbst zu zahlenden Beitrag von derzeit 16,65 € mtl. / 12 Monate = jährliche Beiträge 199,80 €, Somit müsste ein Minijober,wenn er mit 67 Jahre in Rente geht mind. 224,5 Monate bzw. 18,7 Jahre Rente beziehen, um seine Einzahlungen zu erhalten. „Da kann der Rentner mit 86 Jahre dann die Korken knallen lassen“.
    Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich einen Denkfehler habe.

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    • Das ist die Aussage der Deutschen Rentenversicherung: Arbeitgeber zahlen für Minijobber pauschale Rentenversicherungsbeiträge von
      derzeit 15 Prozent. Der Minijobber muss zum pauschalen
      Rentenversicherungsbeitrag des Arbeitgebers selbst einen Eigenbeitrag dazu
      zahlen. Die fehlenden 3,7 Prozent (18,7 Prozent Beitragssatz – 15 Prozent
      Arbeitgeberanteil = 3,7 Prozent/ bei 450 Euro Verdienst sind das 16,65 Euro
      Arbeitnehmeranteil) werden vom Lohn abgezogen und zusammen mit dem
      Pauschalbeitrag des Arbeitgebers an die Minijob-Zentrale geleitet. Der
      Arbeitgeber muss die geringfügige Beschäftigung ganz normal anmelden, d.h.
      die Zeiten der geringfügigen Beschäftigung werden im Versicherungsverlauf
      aufgeführt…….
      Ein Jahr Arbeit in einem 450-Euro-Job (ohne Aufstockung) entspricht rund
      3,49 EUR Rentenzuwachs pro Monat, mit aufgestockten Rentenbeiträgen einem
      Zuwachs von rund 4,35 EUR pro Monat.

      Ich frage mich hier, wer von wem abgeschrieben hat. Vor einigen Monaten hatte ich bei der RV angefragt, wie hoch die Rente bei Verzicht auf die Pflicht wäre: Aussage: ca. 0,50 €. Dies erschien mir auch plausibel auch im Hinblick auf die zu erwerbenden Wartezeitmonate im Gegensatz zu 3,64 €. Das einzig Interessante ist bei Pflicht nur die Aufstockung der Rentenmonate.
      Also Minijobber überlegt euch gut, was ihr macht. 16,65 € können sicherlich besser angelegt werden. (Riesterrente bei kleinem Einkommen und evtl. noch Kinder für die Kindergeld gezahlt wird wegen der staatlichen Zulagen und nur 4% Einzahlung)

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  2. Liebes Team,
    herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort.

    Ich zitiere: „Egal, ob im 450-Euro-Minijob Rentenversicherungspflicht besteht oder nicht – die Arbeitgeber sorgen mit ihren Beitragszahlungen auch immer für die spätere Rente der Minijobber. Mit Zahlung der Pauschalbeiträge zur Rentenversicherung wird einerseits die spätere Rente erhöht. Außerdem wird die Dauer des Minijobs auch anteilig zur Sicherung von Mindestversicherungszeiten angerechnet.“

    Wenn ich auf die RV-Pflicht verzichte um wieviel würde sich denn meine Rente nur bei Zahlung der Pauschalbeiträge des AG erhöhen?

    Sie gehen wahrscheinlich bei der Berechnung von 450,– € = 3,64 € Rente mtl. mehr bei Versicherungspflicht aus.
    Bei 450,– € Verdienst zahle ich dann 16,65 € Eigenanteil für die RV. Wenn ich das 10 Jahre mache zahle ich ca. 2.000,– € selbst ein. Um das jemals wieder heraus zu bekommen, müsste ich ca. 45 Jahre lang Rente bekommen. Wenn ich es nur wegen der Rentenerhöhung machen würde, wäre es ein „schlechtes Geschäft“ für mich.
    Auch das sollte sich der Minijobber vor Augen halten.
    Wenn ich allerdings das Leistungspaket der RV haben möchte, muss ich pflichtig sein und gaaanz lange Leben.
    Ich hoffe, dass Sie mir hier auch drauf antworten.

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    • Hallo Frau Meier,

      bei den genannten Beträgen in Höhe von 1,21 Euro und 3,64 Euro handelt es sich um die monatliche Erhöhung der Regelaltersrente, wenn sich der Minijobber von der Rentenversicherungspflicht hat befreien lassen.

      Der Unterschied zwischen den 1,21 Euro die man als Minijobber im Privathaushalt erwirbt und den 3,64 Euro, die man als Minijobber im gewerblichen Bereich erwirbt, ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Prozentsätze des Arbeitgeber-Anteils.
      Im gewerblichen Bereich zahlt der Arbeitgeber 15 Prozent und im Privathaushalt 5 Prozent vom Arbeitsentgelt zur gesetzlichen Rentenversicherung. Bei den oben genannten Rentenbeträgen zahlt der Minijobber keine eigenen Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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      • Hallo Frau Meier,

        wenn Sie der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung unterliegen und Ihren Minijob ein ganzes Jahr ausüben, erwerben Sie 12 Wartezeitmonate.

        Gehen Sie ein ganzes Jahr arbeiten und haben jeden Monat 450 Euro verdient, erhöht sich nach den derzeitigen Regelungen Ihre monatliche Regelaltersrente um 4,53 Euro.

        Mit freundlichen Grüßen
        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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    • Hallo Lenschen,

      hier ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Rente wegen einer Erwerbsminderung oder wegen Alters handelt. Bei Renten wegen einer Erwerbsminderung wirkt sich der Pauschalbeitrag bei einer späteren Rente wegen Alters aus. Bei Renten wegen Alters wird der Pauschalbeitrag des Arbeitsgebers zur Rentenversicherung als Solidarbeitrag an die Träger der Gesetzlichen Rentenversicherung weitergeleitet. Der Beitrag wirkt sich nicht nachträglich auf die Rentenhöhe des Minijobbers aus.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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    • Hallo Frau Meier,

      wenn Sie sich von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung befreien lassen und Ihren Minijob ein ganzes Jahr ausüben, erwerben Sie bei einem Minijob im gewerblichen Bereich vier und bei einem Minijob im Privathaushalt zwei Wartezeitmonate.

      Gehen Sie ein ganzes Jahr arbeiten und haben jeden Monat 450 Euro verdient, erhöht sich nach den derzeitigen Regelungen Ihre monatliche Regelaltersrente um 3,64 Euro bei einem Minijob im gewerblichen Bereich. Bei einem Minijob im Privathaushalt erhöht sich Ihr Rentenanspruch um 1,21 Euro.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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  3. M. E. führt der Eintrag der selbst getragenen RV-Beiträge zu steuerlichen Nachteilen, denn der AG-Anteil wird in diesem Fall als Minderung der Beiträge berücksichtigt – und dieser Betrag ist wesentlich höher (s. § 10 EStG)

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    • Hallo D. Nolte,

      vielen Dank für Ihren Kommentar!
      Wenn das Einkommen unter dem Steuerfreibetrag (im Jahr 2016 = 8.652 Euro) liegt, fällt keine individuelle Einkommensteuer an. Insofern ist es schwierig eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Wie die steuerlichen Auswirkungen im Detail behandelt werden, kann das zuständige Finanzamt beantworten.

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

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