Umweltschutz vs. Haushaltsschmutz: Neue Umfrage belegt Nachholbedarf bei der umweltfreundlichen Haushaltsführung

Unser aktuelles Radio-Interview mit Herrn Gast vom Umweltbundesamt können Sie unten nachlesen oder hier im Audio-Format anhören:

 

Anmoderation:

Von der eigenen Solaranlage auf dem Dach bis hin zum Dinkel-Vollkornbrot vom Bäcker ihres Vertrauens: Die meisten Deutschen sind Öko-Fans. Das bestätigt auch eine aktuelle forsa-Umfrage, die die Minijob-Zentrale in Auftrag gegeben hat. So sagen 96 Prozent der Deutschen: Umweltschutz ist wichtig. Und fast 80 Prozent sind der Meinung, dass jeder einzelne etwas gegen die Umweltverschmutzung tun kann. Die Einstellung ist gut. Doch die Umfrage zeigt auch, dass es an einigen Stellen noch an der Umsetzung hapert. Wie „öko“ die Deutschen wirklich sind, und warum viele Haushalte weniger umweltfreundlich leben als es ihre Überzeugungen vermuten lassen, darüber spreche ich jetzt mit Marcus Gast vom Umweltbundesamt.

  1. Guten Tag, Herr Gast!Pressefoto_Marcus_Gast_Quelle_Umweltbundesamt

Einen wunderschönen guten Tag!

  1. Herr Gast, ist Deutschland tatsächlich so ein umweltfreundliches Land? Oder gibt es noch Verbesserungsbedarf?

Nein, Deutschland ist definitiv kein umweltfreundliches Land. Es ist allerdings auf dem besten Weg, eins zu werden, denn viele Menschen setzen sich sehr dafür ein, dass die Verhältnisse hier umweltfreundlicher werden.

  1. In der Praxis scheitert umweltfreundliches Verhalten oft an alten Gewohnheiten, Unwissenheit oder dem Aufwand, der damit verbunden ist. Insbesondere beim Putzen gibt es Nachholbedarf. Nur 12 Prozent achten beim Kauf auf umweltverträgliche Reinigungsmittel. Wie kommt das?

Wir sind in vielen Bereichen sehr darauf sensibilisiert worden, darauf zu achten, dass wir umweltfreundlich handeln. Wir machen das Licht aus und lassen es nicht länger brennen. All diese Dinge sind immer mit Kosten verbunden. Bei Reinigungsmitteln ist es so, dass umweltfreundliche Haushaltsreinigung mit keinerlei Kosten verbunden ist. Ein Produkt mit einem Umweltzeichen ist nicht billiger oder teurer als ein Produkt, das ich konventionell erwerben kann. Also es handelt sich dabei immer um Produkte im mittleren Preissegment. Da macht sich das monetär im Jahr nicht großartig bemerkbar.

  1. Im Bereich Mülltrennung stehen wir laut der Studie gut da. Jeweils über 90 Prozent entsorgen Papier und Pappe, Glasmüll sowie Batterien getrennt vom
    übrigen Abfall. Aber beim Biomüll nehmen es manche nicht mehr so genau, denn der landet bei fast jedem Dritten im Restmüll. Warum ist die deutsche Bevölkerung gerade hier nicht konsequent?

Der Biomüll ist insoweit ein Problem, dass er natürlich auch eine Schimmelquelle sein kann. Er riecht unangenehm. Er kann auch Schadinsekten anlocken. Und daher wird er gerne mal nebenbei mit dem normalen Hausmüll entsorgt. Eine Biotonne dauert halt ein paar Tage bis sie voll ist in der Wohnung oder auf dem Balkon und da ist es durchaus möglich, dass es anfängt zu riechen.

  1. Beim Thema Wasser hingegen gehen die Deutschen mit gutem Beispiel voran. Fast 80 Prozent achten beim Wäschewaschen oder Geschirrspülen auf ihren Wasserverbrauch. Warum ist Umweltschutz im Bereich Wasser kein Problem?

Beim Wassersparen haben wir eine längere Tradition. Da sind wir schon regelrecht darauf getrimmt worden, seien es die wassersparenden Spülkästen, seien es die Perlatoren für die Wasserhähne oder auch die wassersparenden Duschköpfe. Das alles war aber direkt verbunden mit Haushaltsausgaben und ist deswegen von den Menschen wesentlich mehr berücksichtigt worden als zum Beispiel der umweltfreundliche Einkauf.

  1. Fazit: In manchen Bereichen sind die Deutschen schon auf dem ökologischen Vormarsch, in anderen ist die Lücke zwischen Einstellung und tatsächlicher Handlung noch sehr groß. Wie kann man die Verbraucher noch stärker für eine ökologische Haushaltsführung sensibilisieren?

Zum einen müssen wir als Umweltbundesamt das tun, was wir auch jetzt schon tun, allerdings vermehrt: Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten. Wir müssen die Bevölkerung darauf hinweisen, dass es für sie sogar in vielen Bereichen ein Vorteil ist, wenn sie sich umweltfreundlich verhalten, dass sie Haushaltsmittel sparen, dass sie dadurch etwas zu den Klimazielen beitragen können. Und da sind eben auch Kampagnen notwendig, die die Verbraucher direkt ansprechen mit ihren alltäglichen Problemen. Und da arbeiten wir auch dran. 

  1. Die lästigen Aufgaben im Haushalt geben viele auch gerne an eine Haushaltshilfe ab und übertragen damit auch alle Umweltfragen in ihre Hände. Ganz so einfach ist es mit dem reinen Gewissen dann doch nicht, oder?

Die Haushaltskräfte, die normalerweise als Minijob beispielsweise die Haushalte unterstützen – wir haben das selber entsprechend gemacht durch Anmeldung bei der Minijob-Zentrale, dass wir eine Haushaltshilfe eingestellt haben – die muss auch erst mal über das ökologisch vorteilhafte Verhalten aufgeklärt werden. Das heißt, auch die muss erst mal unterrichtet werden, was es für Produkte gibt mit Umweltzeichen und blauem Engel, und wie diese zu verwenden sind. Das unterscheidet die Haushaltshilfe in keinster Weise vom Rest der Bevölkerung.

 

  1. Vielen Dank, Herr Gast! 

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Abmoderation: Noch ein paar Tipps zur Anmeldung der Haushaltshilfe: Einfach auf www.minijob-zentrale.de den einseitigen Haushaltsscheck herunterladen, ausfüllen, gemeinsam mit dem Minijobber unterschreiben und abschicken. Auf diese Weise genießt der Arbeitgeber Steuervorteile und der Minijobber ist durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt und hat Anspruch auf Urlaub.

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