Von der Schulbank in die Berufswelt

Kellnerin bereitet Kaffee in einer Maschine vor.

Mit dem Ausstellungstag des Abschluss-Zeugnisses ist es soweit:
Die Schulzeit hat ein Ende, es dauert aber noch einige Zeit bis die Ausbildung anfängt. Häufig überbrücken Schulabgänger diese freie Zeit mit Auhilfsjobs.

Folgende Regeln entscheiden darüber, ob für den Aushilfsjob Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden:

Der klassische Ferien-Minijob

Bei einem kurzfristigen Minijob fallen für den Schulabgänger keine Sozialversicherungsbeiträge an, wenn die Beschäftigung auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr begrenzt ist. Dies gilt aber nur dann, wenn keine berufsmäßige Beschäftigung vorliegt. Entscheidend ist, was der Schulabgänger beabsichtigt, nach dem Minijob zu tun. Unsere Entscheidungshilfe zur Prüfung der Berufsmäßigkeit gibt hierzu weitergehende Informationen. Darüber hinaus ist aber ein 450-Euro-Minijob möglich.

Kurzfristige Beschäftigungen und Berufsmäßigkeit

Wenn die Dauer der Beschäftigung auf die erlaubten drei Monate oder 70 Arbeitstage beschränkt ist, ist der Aushilfsjob eine kurzfristige Beschäftigung, für die der Schulabgänger keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen muss.
Wenn das Arbeitsentgelt 450 Euro monatlich überschreitet, ist der Aushilfsjob nur dann eine kurzfristige Beschäftigung, wenn er nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Berufsmäßig ist eine Beschäftigung, wenn sie für den Arbeitnehmer von wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Bei Schulabgängern, die zuvor noch nicht in das Arbeitsleben eingetreten sind, ist für die Klärung der Berufsmäßigkeit entscheidend, ob in absehbarer Zeit eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird.

Zwischen Schulende und Studium

Beabsichtigen Schulabgänger unmittelbar ein Studium oder eine Fachschulausbildung zu beginnen, besteht während einer kurzfristigen Beschäftigung, die zwischen beiden Ereignissen liegt, keine Berufsmäßigkeit. Dies gilt auch dann, wenn der Schulabgänger vor Beginn des Studiums ein Vorpraktikum machen möchte, das in der Studien- und Prüfungsordnung eingetragen ist. Somit ist in diesen Fällen eine kurzfristige Beschäftigung möglich.

Zwischen Schulende und Erwerbstätigkeit

Bei Schulabgängern, die nach ihrer Aushilfstätigkeit arbeiten möchten, zählt der Aushilfsjob als berufsmäßige Beschäftigung und ist somit versicherungspflichtig.

Auch bei folgenden Anschlussaktivitäten ist eine versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung nicht möglich:

  • Berufsausbildung
  • Beschäftigung, die keine Berufsausbildung ist, mit einem Verdienst über 450 Euro
  • Duales Studium
  • Bundesfreiwilligendienst oder vergleichbare Freiwilligendienste
  • Beginn eines Dienstverhältnisses als Soldat auf Zeit, auch wenn danach die Aufnahme eines Studiums beabsichtigt ist
  • Beginn eines Dienstverhältnisses als Beamter
  • Freiwilliger Wehrdienst

Wer noch nicht so genau weiß, ob er nach dem Abitur ein Studium oder eine Ausbilung anfangen möchte, kann einen Blick auf das Magazin UNICUM ABI Zukunftsweiser werfen. Der Online-Ratgeber bietet Denkansätze, die Abiturienten bei ihrer Wahl helfen können.

Familienversicherung bleibt bestehen

Wer familienversichert ist, muss die hierfür maßgebliche monatliche Einkommensgrenze in Höhe von derzeit 415,00 Euro bzw. bei Ausübung eines 450-Euro-Minijobs in Höhe von 450,00 Euro beachten. Bei Einhaltung der Einkommensgrenze kann der Schulabgänger familienversichert bleiben.
Unabhängig von der Höhe des Einkommens ist eine nicht regelmäßige Beschäftigung unschädlich für die Familienversicherung. Ein kurzfristiger Minijob, der von Beginn an auf drei Monate bzw. 70 Arbeitstage im Kalenderjahr befristet ist, wird als nicht regelmäßige Beschäftigung eingestuft. Hat der Schulabgänger innerhalb eines Kalenderjahres schon einen kurzfristigen Minijob ausgeübt, verkürzt sich die erlaubte Zeitgrenze des neuen kurzfristigen Minijobs um die Zeiten der kurzfristigen Vorbeschäftigung.
Unsere Empfehlung: Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten sich Schulabgänger, an die jeweilige gesetzliche Krankenkasse der Eltern wenden. Diese entscheidet im Einzelfall über das Fortbestehen der Familienversicherung oder über die Versicherungspflicht.

Minijobs für Schüler

Bis zum Abitur haben Schulabgänger meistens schon einige Aushilfsjobs in den Ferien gemeistert. Welche Regelungen sollten Schüler mit Ferienjob beachten? Antworten gibt unser Blog Minijobs für Schüler- Mit Ferienjobs das Taschengeld aufbessern.

18 Kommentare zu “Von der Schulbank in die Berufswelt

  1. Mein Sohn hat die Schule beendet und hat in den Sommerferien in einem metallverarbeitenden Betrieb gearbeitet. Ihm sind Steuern und Abgaben angezogen worden, mit dem Hinweis, dass er im September eine Ausbildung anfängt. Diese Ausbildung findet in einem Berufsförderzentrum statt (Metallfeinbearbeiter). Dort wird er vom Arbeitsamt eine „Ausbildungsvergütung“ in Höhe von voraussichtlich 300 € erhalten. Kann er aufgrund der geringen Vergütung als Minijobber ohne Abzuge eingestuft werden?

    • Hallo Frau Knop,

      wir gehen davon aus, dass sich Ihre Frage auf die Zeit ab September bezieht.

      Aufgrund Ihrer Schilderung ist anzunehmen, dass Ihr Sohn im Rahmen der Berufsausbildung beschäftigt sein wird. Mit Beginn seiner Ausbildung ist er damit in allen Zweigen der Sozialversicherung abgesichert und unterliegt grundsätzlich der Versicherungspflicht in Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Das gilt auch dann, wenn die Höhe seiner Ausbildungsvergütung im Rahmen eines Minijobs liegt.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  2. Schülern einer Berufsfachschule wird angeboten, die Schule bei Messeauftritten zu unterstützen. Dafür soll es eine Vergütung je Stunde geben. Die Termine sind über das Jahr verstreut und jeder interessierte Schüler wird voraussichtlich an 2 – 3 Terminen teilnehmen, welche einen Umfang von ca. 2 – 5 Stunden pro Messeauftritt umfassen. Es handelt sich hier jeweils um volljährige Schüler. Was ist zu beachten? Muss es dafür einen schriftlichen Vertrag geben? Sind die Schüler bei der Minijobzentrale anzumelden? Die zeitliche Begrenzung bei Minijob (max. 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage im KJ soll in jedem Fall berücksichtigt werden. Fraglich ist, wie hier für alle Parteien sicher vorzugehen ist. Besten Dank im Voraus.

    • Hallo Frau Heidel,

      eine Meldung zur Minijob-Zentrale erfolgt nur dann, wenn es sich bei der Tätigkeit um ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis handelt. Anhand Ihrer kurzen Schilderung können wir den Sachverhalt nicht sicher beurteilen.

      Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir an dieser Stelle keine umfassende rechtliche Beurteilung vornehmen können. Für weitere Detailfragen dürfen Sie sich aber gerne schriftlich oder telefonisch an uns wenden. Unser Kontaktformular finden Sie unter minijob-zentrale.de: https://www.minijob-zentrale.de/DE/05_multifunktionsleiste/02_Kontakt/node.html

      Unsere Mitarbeiter im Service-Center sind montags bis freitags von 07:00 bis 17:00 Uhr unter der Telefonnummer 0355 – 2902-70799 für Sie da.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Hallo,
    nachdem Schulende aber vor Studienbeginn wäre ich an einem Ferienjob interessiert (anstelle der Ausübung eines 450€Minijobs). Was ist aber wenn ich den gewünschten Studienplatz im Oktober nicht bekommen und doch aufs Sommersemester ausweichen muss. Kann ich dann zur Überbrückung der Zeit, beim selben Arbeitgeber anfangen. Gibt es dort Sonderregelungen oder etwas wichtiges zu beachten?

    • Hallo Sara,

      nach Beendigung der Schulzeit und vor Aufnahme eines Studiums wird von vielen Schulentlassenen als Überbrückung eine kurzfristige Beschäftigung ausgeübt. Dabei liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor, wenn sie im Laufe des Kalenderjahres auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage nach ihrer Eigenart begrenzt zu sein pflegt, oder im Voraus vertraglich begrenzt ist. Auf die Höhe des Einkommens kommt es nicht an. Auch fallen für kurzfristige Minijobs keine Sozialversicherungsbeiträge an. Ein sozialversicherungsfreier kurzfristiger Minijob liegt allerdings nicht vor, wenn dieser berufsmäßig ausgeübt wird. Eine Beschäftigung, die zwischen Schulentlassung und Studium ausgeübt wird, ist dabei nicht berufsmäßig.

      Sollte das Studium zum beabsichtigen Termin, auf Grund eines Ablehnungsbescheid Ihres Studienplatzes, nicht begonnen werden können, kann die Beschäftigung grundsätzlich bis zum Sommersemester weiter ausgeübt werden. Der Arbeitgeber muss jedoch prüfen, ob nach dem eventuellen Ablehnungsbescheid die Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung noch weiterhin vorliegen. Liegen die Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung nicht mehr vor, wäre eine Weiterführung der Beschäftigung dann im Rahmen eines 450-Euro-Minijobs oder einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung möglich.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  4. Abiturient nimmt eine kurzfristige Beschäftigung ( 2Monate) auf, gibt im Personalbogen an, dass er anschließend ein FSJ machen möchte. Überlegt es sich zwischenzeitlich anders und möchte doch im Anschluss an die Kurzfristige Beschäftigung gleich studieren. Dann ist er ja für den Zeitraum der kurzfristigen Beschäftigung nicht sv-pflichtig. Was passiert, wenn er sich nachträglich dann doch z. B für eine Ausbildung oder ein FSJ entscheidet? Wird das im Nachhinein rückabgewickelt? Muss er ggf. die SV-Beiträge nachzahlen?

    • Hallo H. Reinthaler,

      entscheidet sich Ihr Arbeitnehmer nach der Beschäftigung für einen anderen Ausbildungsweg, hat das keinen Einfluss auf die vorgenommene Beurteilung.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Guten Tag,
    ein Schüler 17 Jahre alt, aus EU Ausland, Litauen, will 4 Wochen in Deutschland beschäftigt werden. Welche Dokumente sind für die Anmeldung beim Arbeitgeber erforderlich? Danke für Ihre Antwort.
    mit freundlichen Grüßen

  6. Pingback: Ferienjobs und Saisonarbeit! Bundessozialgericht kippt anteilige Verdienstgrenze | Die Minijob-Zentrale

  7. Pingback: Best of Blog 2016 – Unsere 5 erfolgreichsten Blogbeiträge | Die Minijob-Zentrale

  8. Guten Tag,
    ich habe folgende Frage:
    ist während einem freiwilligen sozialen Jahr eine sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung als Aushilfe möglich ?
    Mit freundlichen Grüßen

  9. Ich habe noch eine Frage zu den Grenzen bei einer kurzfristigen Beschäftigung: hier werden 3 Monate bzw. 70 Arbeitstage genannt. Bisher kannte ich nur 2 Monate / 50 Arbeitstage (§ 8 SGB IV). Gab es hier Änderungen? Oder gibt es hier Sonderregelungen für Schulabgänger?

    • Hallo Frau Schröder,

      mit dem Tarifautonomiestärkungsgesetz und der damit einhergehenden Einführung des Mindestlohns wurden zum 1. Januar 2015 die Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigungen ausgeweitet. Die bis zum 31. Dezember 2014 geltenden Zeitgrenzen von zwei Monaten bzw. 50 Arbeitstagen innerhalb eines Kalenderjahres wurden auf drei Monate bzw. 70 Arbeitstage angehoben. Diese Regelung ist allerdings auf vier Jahre – bis zum 31. Dezember 2018 – begrenzt.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  10. Bzgl. der Familienversicherung habe ich noch eine Frage:
    Lt. tel. Auskunft einer Krankenkasse wird die Familienversicherung nicht mehr möglich sein, wenn eine kurzfristige Beschäftigung neben einem geringfügigen Minijob aufgenommen wird, da dann die Einkommensgrenze (415/450€) überschritten sei. Ist das so richtig? Denn andererseits habe ich gelesen, dass eine kurzfristige Beschäftigung nicht bei der Einkommensgrenze der Familienversicherung berücksichtigt wird.

    • Hallo G. Laermann,

      wer familienversichert ist, muss die hierfür maßgebliche monatliche Einkommensgrenze in Höhe von derzeit 415,00 Euro bzw. bei Ausübung eines 450-Euro-Minijobs in Höhe von 450,00 Euro beachten. Bei Einhaltung der Einkommensgrenze bleibt die Familienversicherung bestehen. Wird zusätzlich noch ein kurzfristiger Minijob ausgeübt, der auf drei Monate bzw. 70 Arbeitstage im Laufe eines Kalenderjahres befristet ist, wird er nicht als regelmäßig angesehen und ist unschädlich für die Familienversicherung. Sollte innerhalb eines Kalenderjahres schon ein kurzfristiger Minijob ausgeübt worden sein, ist diese Zeit allerdings auf die drei Monate oder 70 Arbeitstage anzurechnen.

      Wir empfehlen jedoch, sich an die Krankenkasse zu wenden, bei der die Familienversicherung besteht. Diese entscheidet im Einzelfall über das Fortbestehen der Familienversicherung oder über die Versicherungspflicht.

      Wir hoffen, Ihnen weitergeholfen zu haben.

      Mit freundlichen Grüßen

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

Kommentar verfassen