Kurzfristige Beschäftigung – Lukrativ für Landwirte und Erntehelfer

Im Frühjahr beginnt in vielen Regionen die Spargelzeit. Die Landwirte beschäftigen dann oft Erntehelfer, die sie als sogenannte kurzfristige Minijobber einstellen. Für diese Beschäftigungen sind keine Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zu zahlen.

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Um von diesen Regelungen profitieren zu können, muss der Arbeitgeber zunächst prüfen, ob die Voraussetzungen für eine kurzfristige Beschäftigung vorliegen. Hierbei ist zunächst die Dauer der Beschäftigung entscheidend.

Kurzfristigkeit liegt vor, wenn die Beschäftigung

  • nicht mehr als 70 Arbeitstage oder drei Monate innerhalb eines Kalenderjahres besteht
  • nach ihrer Eigenart oder im Voraus vertraglich begrenzt ist.

Wichtig: Die Höhe des Verdienstes ist dabei unerheblich!

Wann genau bei einer Beurteilung der Beschäftigung die 70 Arbeitstage oder die drei Monate anzuwenden sind, hängt von der Anzahl der wöchentlichen Arbeitstage ab. Die Drei-Monats-Frist ist nur dann anzuwenden, wenn der kurzfristige Minijob an mindestens fünf Tagen in der Woche ausgeübt wird. Liegt die wöchentliche Arbeitszeit regelmäßig unter fünf Tagen, so kann an maximal 70 Tagen im Kalenderjahr gearbeitet werden.

Hat der Erntehelfer bzw. Arbeitnehmer im aktuellen Kalenderjahr schon weitere kurzfristige Beschäftigungen ausgeübt, sind diese ebenfalls zu berücksichtigen.

Zwei Aspekte sind bei der Überprüfung der Kurzfristigkeit außerdem noch von Bedeutung:

Es liegt kein kurzfristiger Minijob vor, wenn

  • dieser bei vorausschauender Betrachtung von vornherein auf ständige Wiederholung gerichtet ist und über ein Jahr hinaus ausgeübt werden soll,
  • die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und ihr Arbeitsentgelt regelmäßig 450 Euro im Monat übersteigt.

Weitere Infos zu diesen Themen finden Sie ebenfalls auf unserer Internetseite:

Zur Prüfung des Vorliegens einer kurzfristigen Beschäftigung hilft auch unser Schaubild.

Erntehelfer aus dem Ausland

Kommt der Erntehelfer aus dem Ausland, muss der Arbeitgeber zudem feststellen, ob für den Erntehelfer auch die deutschen Sozialversicherungsvorschriften gelten. Nur wenn das der Fall ist, sind auch die beschriebenen Minijob-Regelungen anzuwenden. Nähere Infos finden Sie auf unseren Internetseiten.

19 Kommentare zu “Kurzfristige Beschäftigung – Lukrativ für Landwirte und Erntehelfer

  1. doch i.d.R. muss da auch der Mindeslohngezahlt werden, es sei denn, da wird als „Ehrenamtler “ abgerechnet. Und das ist häufig eine Frechheit – aber erlaubt – kommt häufig bei Statisten beim Theater vor – bei Filmkomparsen geht das glaube ich nicht.

  2. Hallo zusammen,
    eine Minijobblerin ist privat krankenversichert. Ist es richtig, sie mit BG 0500 statt mit 6500 anzumelden oder sind wir als AG trotzdem verpflichtet, die 13% zu bezahlen?
    Viele Grüße aus Kiel
    lr

    • Guten Tag,

      für eine Minijobberin, die privat krankenversichert ist, ist der Pauschalbeitrag zur Krankenversicherung nicht zu entrichten.
      Die Beitragsgruppe der Krankenversicherung ist entsprechend mit „0“ zu kennzeichnen.

      Freundliche Grüße

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  3. Pingback: Ferienjobs und Saisonarbeit! Bundessozialgericht kippt anteilige Verdienstgrenze | Die Minijob-Zentrale

  4. „Arbeitnehmer in der Landwirtschaft dürfen jedoch ausnahmsweise auch an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden…“
    was bedeutet „ausnahmsweise“ für kurzfristig Beschäftigte in der Landwirtschaft genau ?
    zB fallen in den Arbeitszeitraum von aufeinander folgenden 70 Tagen
    12 Sonn- und 6 Feiertage.
    An wie vielen Sonn- und Feiertagen dürfte dann gearbeitet werden?
    Und wieviel arbeitsfreie Tage müssten wiederum in diesem 70 Tage Zeitraum dann dafür gewährt werden?

    Wie verhält es sich mit Überstunden und dem Urlaubsanspruch ?
    Darf der bezahlte Urlaubstag, bzw Freizeit für Überstunden im Ausgleichszeitraum nach dem Beschäftigungszeitraum liegen ?

    • Hallo tout,

      wir als Minijob-Zentrale erteilen lediglich allgemeine Auskünfte zum Thema Arbeitsrecht.

      Nach § 11 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr beschäftigungsfrei bleiben. Für jeden Sonn- oder Feiertag, an dem ein Arbeitnehmer beschäftigt wird, hat er Anspruch auf einen sogenannten Ersatzruhetag. Der Ersatzruhetag ist innerhalb eines den Beschäftigungstag einschließenden Zeitraums von 2 Wochen (Ersatzruhetag für Sonntag) oder 8 Wochen (Ersatzruhetag für Feiertag) zu gewähren. Der Ersatzruhetag kann auch an einem ohnehin arbeitsfreien Werktag gewährt werden.

      Wenn ein Arbeitnehmer beim Beschäftigungsende noch Anspruch auf Urlaub hat, ist der Urlaub nach § 7 Absatz 4 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) abzugelten.

      Geleistete Überstunden können nach dem Ende des Beschäftigungsverhältnisses nicht durch zusätzliche Freizeit abgegolten werden. Die gemachten Überstunden sind dann in der Regel durch den Arbeitgeber zu vergüten.

      Für individuelle Fragen zum Thema Arbeitsrecht empfehlen wir Ihnen das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales anzurufen. Dieses erreichen Sie von montags bis donnerstags zwischen 8.00 und 20.00 Uhr unter der Rufnummer 030/221 911 004.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  5. Hallo ich würde gerne im kommenden Jahr auf einem Landwirtschaftlichen Betrieb bei der Ernte helfen und dort mit Landwirtschaftlichen Maschinen fahren. Die Arbeitstage werden sich in den Monaten April bis September befinden und der Stundenlohn wird ca. 10€ betragen. Insgesammt aber unter 70 Tage/ Jahr.
    Wo und wie muss mich der Landwirt dafür anmelden bzw. Versichern ?
    Ich bin in der Ausbildung und würde dort am Wochenende und im Urlaub Arbeiten

    • Hallo Herr Müller,

      nach Ihren Schilderungen handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. Die Eigenschaften der kurzfristigen Beschäftigung haben Sie unserem Blogbeitrag ja bereits entnommen. Als Minijobber müssen Sie sich nicht um Formalitäten wie Ihre Anmeldung oder die Abgaben kümmern. Ihr Arbeitgeber meldet Sie mit der sogenannten Meldung zur Sozialversicherung bei der Minijob-Zentrale an. Er berechnet die Abgaben und zahlt diese ebenfalls an die Minijob-Zentrale. Die Abgaben für eine kurzfristige Beschäftigung sind gering: Für kurzfristige Minijobber fallen nur Umlagen zum Ausgleich Ihrer Aufwendungen bei Krankheit (1,0 Prozent) und Schwangerschaft bzw. Mutterschaft (0,3 Prozent) sowie eine Umlage für den Fall einer Insolvenz (0,15 Prozent) an.

      Weitere Informationen zum Melde- und Beitragsverfahren erhalten Sie auch auf unserer Homepage: https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/01_mj_im_gewerblichen_bereich/08_melde_und_beitragsverfahren/node.html

      Für weitere Fragen dürfen Sie oder Ihr Arbeitgeber uns auch gerne anrufen. Sie erreichen unsere Mitarbeiter im Service-Center Montag bis Freitag von 07:00 bis 17:00 Uhr unter der Rufnummer 0355 2902 70799.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  6. Hallo an das Team der Minijobzentrale, wir möchten eine polnische Schülerin für drei Wochen beschäftigen, was ist zu beachten? Sie hat keine deutsche Anschrift, deshalb natürlich auch weder Lohnsteuerdaten noch eine gültige Sozialversicherungsnummer.
    Vielen Dank, Marianne

    • Hallo ich habe noch einen Nachtrag zu meiner Frage bezüglich der polnischen Schülerin. Könnten wir sie auch als Praktikantin behandeln, die von uns ein Taschengeld bekommt?. Vielen Dank für Ihre Informationen.

      • Hallo Marianne,

        Staatsbürger aus anderen Ländern, wie hier Polen, können sowohl mit Wohnsitz, als auch ohne Wohnsitz in Deutschland, hier beschäftigt werden. Entscheidend für die Anwendung des Sozialversicherungsrechts ist alleine, ob sie daneben noch eine weitere Beschäftigung ausüben. Da es sich um eine Schülerin handelt, wird dies nicht der Fall sein. Insofern findet unabhängig vom Wohnsitz das Deutsche Sozialversicherungsrecht Anwendung.

        Das hat zur Folge, dass das bisher geltende Sozialversicherungsrecht aus Polen keine Anwendung findet. Eine Mitversicherung bei den Eltern ist dann nicht mehr möglich. Das bedeutet, dass sie sich in Deutschland krankenversichern muss.

        Da wir keine Angaben über das Alter der Schülerin haben, sind eventuell die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu beachten.
        Siehe hier: https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/jarbschg/gesamt.pdf

        Laut Ihren Angaben hält sich die polnische Schülerin zeitlich befristet für drei Wochen in Deutschland auf, sodass man von einer kurzfristigen Beschäftigung ausgehen kann. Voraussetzung dafür ist, dass das Beschäftigungsverhältnis auf nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr begrenzt ist. Die Höhe des erzielten Arbeitsentgelts ist in diesem Zusammenhang irrelevant.

        Ausführliche Informationen zum ausländischen Recht finden Sie auf unserer Homepage:
        https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/01_mj_im_gewerblichen_bereich/14_besonderheiten_bestimmter_personengruppen/01_welches_SVRecht_gilt.html?nn=126306

        Was zu beachten ist, wenn deutsches Recht Anwendung findet, können Sie hier nachlesen:
        https://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/01_mj_im_gewerblichen_bereich/14_besonderheiten_bestimmter_personengruppen/02_Besonderheiten_deut_Recht.html?nn=126306

        Im Falle eines Praktikums gehen wir davon aus, dass es sich um ein freiwilliges Praktikum handelt. Hierbei wird das „Taschengeld“ wie Arbeitsentgelt bewertet. Es handelt sich also bei einem freiwilligen Praktikum ebenfalls um ein Beschäftigungsverhältnis.

        Mit freundlichen Grüßen

        Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  7. zur Erläuterung : die dritte oder letzte Frage soeben bezieht sich darauf, dass der Mitarbeiter am Feiertag NICHt gearbeitet hat

    • Hallo Iwute,

      nach § 9 Absatz 1 Arbeitszeitgesetz (ArbZG) dürfen Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen grundsätzlich nicht arbeiten. Arbeitnehmer in der Landwirtschaft dürfen jedoch ausnahmsweise auch an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden, sofern die Arbeiten nicht an Werktagen vorgenommen werden können (§ 10 Absatz 1 Nummer 12 ArbZG).

      Für die Arbeitszeit, die infolge eines gesetzlichen Feiertages ausfällt, haben Minijobber einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Dies gilt nur dann, wenn der Feiertag auf einen Tag fällt, an dem der Minijobber sonst regelmäßig zur Arbeitsleistung verpflichtet wäre. Arbeitgeber müssen ihrem Minijobber, dann das Arbeitsentgelt zahlen, das er ohne Arbeitsausfall erhalten hätte (§ 2 Entgeltfortzahlungsgesetz). Die Fortzahlung von Entgelt für Feiertage darf nicht dadurch umgegangen werden, dass der Minijobber die ausgefallene Arbeitszeit an einem sonst arbeitsfreien Tag vor- oder nacharbeitet.

      Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen.

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  8. wie sieht es mit Sonn- und Feiertagen aus, an denen gearbeitet wird? ist das erlaubt ? muss ein Feiertag mit 8 stunden vergütet werden, wenn normalerweise an diesem tag 8 stunden gearbeitet worden wäre ?

  9. Hallo Gipsyking,

    der gesetzliche Mindestlohn von 8, 50 Euro pro Stunde gilt grundsätzlich auch für kurzfristig Beschäftigte.

    Für Erntehelfer gilt jedoch eine Ausnahme vom gesetzlichen Mindestlohn. Durch einen bundesweiten Branchentarifvertrag ist für Arbeitnehmer in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau ein Mindestentgelt unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns festgelegt. Der branchenspezifische Mindestlohn liegt aktuell bei 8 Euro (Ost 7,90 Euro) pro Stunde.

    Ausführliche Informationen rund um das Thema Mindestlohn finden Sie auf der eigens eingerichteten Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter http://www.der-mindestlohn-wirkt.de/ml/DE/Startseite/start.html

    Wir hoffen, wir konnten Ihnen weiterhelfen.

    Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

  10. Wie verhält es sich denn, wenn der Arbeitsvertrag im lfd. Jahr beginnt, z.B. am 10.07. 2015 und bis zum 09.07.2016 geht (ausgehend davon, dass der AN vorher kein Kurzfr.-AV. hatte). Sind es dann für 2015 70 Tage und für 2016 70 Tage? Oder müssen sie anteilig berechnet werden.

    Liebe Grüße
    Lisa

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