„Der Putzteufel ist männlich“ – Interview mit Haushaltsexpertin Silvia Frank

Silvia FrabjWelches Mittel reinigt am besten? Wie lassen sich Böden und Fenster am effizientesten putzen? Was hilft bei anhaltender Unordnung? Haushaltsprofi Silvia Frank weiß es. Im Interview erklärt die TV-Expertin und Dozentin für Biochemie der Ernährung, warum Frauen öfter sauber machen und welche goldenen Haushaltsregeln jeder beachten sollte.

Wie kommt es, dass es in Deutschland so viele Putzmuffel gibt?
Putzen ist eine körperlich anstrengende Arbeit, die hierzulande zu wenig geachtet und gelobt wird. Was daran liegen mag, dass Putzen einfach nicht so viel her macht wie zum Beispiel Kochen. Beim Kochen ist schon der Weg das Ziel. Da verändert sich etwas in der Pfanne oder im Kochtopf. Es brutzelt, es duftet und nach dem Kochen liegt etwas auf dem Teller – es gibt ein Genusserlebnis. Das Putzergebnis ist dagegen oft weniger offensichtlich. Wie wichtig es ist, bemerkt man erst, wenn man eine Zeit lang nicht geputzt hat.

Wie könnte das Putzen wieder attraktiver werden?
Putzen ist eine Tätigkeit, die viele sehr systematisch durchführen, ohne daran zu denken, was sie dabei schaffen. Wer putzt, sollte eher an das Endergebnis – also an ein gepflegtes Umfeld – denken und nicht an das Putzen selbst. Reinemachen schafft Hygiene, es schenkt Wohlbefinden und dient der Ästhetik. Für viele ist Putzen auch eine Art Befreiung. Es hilft dabei, Ballast abzuwerfen.

Hängt die Unlust auch damit zusammen, dass viele nicht wissen, wie sie richtig Staub und Böden wischen oder Fenster putzen?
Das kann man so sagen. Und auch hier spielt das Imageproblem eine Rolle. Um noch mal den Vergleich zum Kochen zu bemühen: Viele machen sich Gedanken über neue Rezepte, aber kaum jemand überlegt sich, wie er seine Putzmethoden verbessern kann. Zudem bieten die Hersteller auch viel zu wenig effektive und ergonomisch gut geformte Putzutensilien an. Poppig bunte Putzeimer und Kehrbleche sind ja schön, aber hier sollte die Kreativität der Produktdesigner nicht aufhören.

Welche Regeln sollte man beachten, um seinen Haushalt sauber zu halten?
Schmutzfangmatten für Grob- und Feinschmutz vor der Haustür können zum Beispiel eine große Hilfe sein. Denn über 80 Prozent des Schmutzes auf dem Boden werden über die Schuhe ins Haus getragen. All die Kokosmatten mit ihren tollen Sprüchen mögen zwar nett sein, sind aber eben nicht besonders gut geeignet. Denn Kokosfasern werden bei feuchter Luft weich, knicken um und entfernen kaum Schmutz. Sehr hilfreich sind dagegen drei goldene Regeln: Herausgeholtes sofort zurücklegen, Heruntergefallenes sofort aufheben und auf den Boden Getropftes sofort aufwischen. Wer sich konsequent daran hält, kann viel einfacher mit dem Putzen beginnen. Zudem sollte jeder sauberes Wasser und saubere Lappen mit so wenig Reinigungsmittel wie möglich nutzen.

Laut Umfrage putzen Frauen in ihrem Haushalt immer noch deutlich öfter als Männer. Woran liegt das?
Daran sind die Frauen nicht ganz unschuldig. Denn rund 30 Prozent wollen gar keine stärkere Mithilfe. Da drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass viele Frauen, auch wenn sie noch so modern sind, den Haushalt ganz traditionell als ihr Reich betrachten. Es ist auch sehr verbreitet, dass sie Männern nur Hilfsarbeiten übertragen. Wenn Männer mehr Verantwortung im Haushalt übernehmen sollen, ist das ein Fehler. Denn Männer wollen nicht nur Handlanger sein. Den Einwand, Männer könnten nicht so gut putzen, lasse ich allerdings nicht gelten. Denn sie haben mehr Kraft und sind größer. Außerdem gibt es mehr Gebäudereinigungsmeister als -meisterinnen und der Putzteufel ist männlich. Aber mal abgesehen von der Geschlechterfrage gibt es neben der Sauberkeit jede Menge pragmatische Argumente für die Hausarbeit: Sie steigert zum Beispiel die Management-Künste, trainiert beide Gehirnhälften und somit die Multitasking-Fähigkeiten.

Welche Gründe sprechen dafür, eine Haushaltshilfe bei der Minijob-Zentrale anzumelden?
Ich beschäftige selbst eine Haushaltshilfe und muss sagen, dass sie ein absoluter Glücksfall ist. Haushaltshilfen sind eine extreme Entlastung. Was gibt es Schöneres, wenn man von einer langen Reise oder einem harten Arbeitstag nach Hause kommt und sich sofort wohlfühlt, weil alles frisch geputzt ist. Für die Anmeldung gibt es viele gute Gründe. Haushaltshilfen leisten eine wichtige Arbeit, die durch ein besonderes Vertrauensverhältnis geprägt ist, da sie bis in unsere privatesten Räume vordringen. Für diese Arbeit sollten sie auch leistungsgerecht entlohnt werden, zum Beispiel mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch und der Aufstockung von Rentenbeiträgen. Die Anmeldung bringt aber auch Arbeitgebern neben der steuerlichen Absetzbarkeit viele Vorteile. Sie sind zum Beispiel abgesichert und müssen nicht für die Behandlungskosten bei einem Arbeitsunfall aufkommen. Zudem entlastet die Anmeldung das Gewissen. Denn Schwarzarbeit ist immer riskant.

Unsere Expertin: Als Haushaltsexpertin steht Silvia Frank seit mehr als zehn Jahren vor der Kamera. Die Lebensmittelchemikerin ist in der Sendung „ARD-Buffet“ im Ersten und im SWR-Fernsehen regelmäßig als Haushaltsprofi gefragt und gibt dort Tipps zu Putzmethoden, Waschmitteln oder Reinigungsutensilien. Zudem doziert sie über die Biochemie der Ernährung in Stuttgart und ist erfolgreiche Autorin zweier Bücher über das „Haushalts-1×1“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s