Von der Schulbank in die Berufswelt

Studenten - © tomazl / istockphoto.comHinweis: Eine aktualisierte Version des Blogs finden Sie hier.

Mit dem Ausstellungstag des Abschluss-Zeugnisses ist es soweit:
Das Schulleben hat ein Ende, und es bleibt noch viel Zeit bis zur weiteren Ausbildung. Häufig überbrücken Schulabgänger diese freie Zeit mit Auhilfsjobs.

Folgende Regeln entscheiden darüber, ob für den Aushilfsjob Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden:

Der klassische Ferien-Minijob
Für den Aushilfsjob fallen für den Schulabgänger keine Sozialversicherungsbeiträge an, wenn die Beschäftigung auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr begrenzt ist. Dies gilt unabhängig davon, welchen Bildungsweg der Schulabgänger nach dem Ende seines Minijobs wählt. Darüber hinaus gilt natürlich, dass auch ein Schulabgänger 450 Euro im Monat in einem geringfügig entlohnten Minijob verdienen kann.

Kurzfristige Beschäftigungen und Berufsmäßigkeit
Wenn die Dauer der Beschäftigung auf die erlaubten drei Monate oder 70 Arbeitstage beschränkt ist, ist der Aushilfsjob eine kurzfristige Beschäftigung, für die vom Schulabgänger keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden.
Sofern das Arbeitsentgelt 450 Euro monatlich überschreitet, ist der Aushilfsjob aber nur dann eine kurzfristige Beschäftigung, wenn er nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Berufsmäßig ist eine Beschäftigung, wenn sie für den Arbeitnehmer nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Bei Schulabgängern, die zuvor noch nicht in das Arbeitsleben eingetreten sind, ist für die Klärung der Berufsmäßigkeit entscheidend, ob in absehbarer Zeit eine Erwerbstätigkeit aufgenommen wird.

Zwischen Schulende und Studium
Beabsichtigen Schulabgänger, im unmittelbaren Anschluss an die Schulausbildung ein Studium oder eine Fachschulausbildung zu beginnen, besteht während einer kurzfristigen Beschäftigung, die zwischen beiden Ereignissen liegt, keine Berufsmäßigkeit. Dies gilt auch dann, wenn der Schulabgänger vor Beginn des Studiums ein Vorpraktikum ableisten möchte, das in der Studien- und Prüfungsordnung eingetragen ist. Somit ist in diesen Fällen eine kurzfristige Beschäftigung möglich.

Zwischen Schulende und Erwerbstätigkeit
Bei Schulabgängern, die nach ihrer Aushilfstätigkeit arbeiten möchten, zählt der Aushilfsjob als berufsmäßige Beschäftigung, die versicherungspflichtig ist.

Auch bei folgenden  Anschlussaktivitäten ist eine versicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung nicht möglich:

  • Berufsausbildung
  • Beschäftigung, die keine Berufsausbildung ist,  mit einem Verdienst über 450 Euro
  • Duales Studium
  • Bundesfreiwilligendienst oder vergleichbare Freiwilligendienste
  • Beginn eines Dienstverhältnisses als Soldat auf Zeit, auch wenn danach die Aufnahme eines Studiums beabsichtigt ist.
  • Beginn eines Dienstverhältnisses als Beamter.
  • Freiwilliger Wehrdienst

Hinweis: Die Familienversicherung von Schulabgängern, die häufig über die gesetzliche Krankenversicherung der Eltern läuft, bleibt  meist bestehen – auch wenn der Verdienst die erlaubten 450 Euro übersteigt. Wichtig ist aber, dass der Aushilfsjob von Anfang an zeitlich befristet ist und die geltenden Minijob-Grenzen im laufenden Jahr eingehalten werden.

14 Kommentare zu “Von der Schulbank in die Berufswelt

  1. Ist eine kurzfristige, berufsmäßige Beschäftigung vor Beginn eines Dualen Studiums in allen Zweigen versicherungspflichtig oder gibt da Ausnahmen, z.B. die Arb.losenversicherung

    Gefällt mir

  2. Hallo Frau Falk,

    bei einem kurzfristigen Minijob, der vor einem dualen Studium beginnt, wird Berufsmäßigkeit unterstellt, sodass die Voraussetzungen für eine geringfügige Beschäftigung nicht erfüllt werden.
    Das bedeutet, dass der „Übergangsjob“ vor Aufnahme des Dualen Studiums nicht kurzfristig ist und damit versicherungspflichtig in der Kranken-, Renten, Arbeitslosen- und Pflegversicherung.

    Gefällt mir

  3. Das wiederum betrifft aber nur den Job, bei dem der zukünftige duale Student monatlich einen Verdienst über 450€ erzielt? Bleibt er unter den 450€, handelt es sich sehr wohl um eine kurzfristige Beschäftigung (3 Monate/ 70 Tage )?

    Gefällt mir

    • Also JA, dann darf der Schulabgänger im Rahmen der 70-Tage-Regelung arbeiten? Oder NEIN, er muss im Rahmen des klassischen 450€-Job abgerechnet werden (der mit den Pauschalabgaben)?
      Entschuldigung, dass ich das so genau frage, aber mich hat diese Seite etwas verwirrt, weil es nicht im Zusammenhang direkt klar gesagt, ist nur weiter oben steht, dass die Berufsmäßigkeit nicht geprüft werden muss, wenn das Entgelt max.450€/Monat beträgt.
      Vielen Dank schon mal für ihre Antwort 🙂

      Gefällt mir

    • Hallo Sarah,

      richtig erkannt. Solange sich das Arbeitsentgelt auf maximal 450 Euro beläuft, ist die Berufsmäßigkeit nicht zu prüfen. In diesem Fall sind dann beide Arten der geringfügigen Beschäftigung möglich.

      Entweder du übst eine Beschäftigung für maximal 70 Tage und einem Arbeitstengelt von max. 450 Euro aus. Dann liegt eine kurzfristige Beschäftigung vor und es fallen keine Sozialbeiträge an.

      Oder du übst auf Dauer eine Beschäftigung mit einem Arbeitsentgelt von max. 450 Euro im Monat aus. Dann handelt es sich um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung für die Pauschalabgaben zu zahlen sind.

      Gefällt mir

  4. anderes Beispiel bzw. Frage….. der 2015 pensionierte ehemalige Beamte beabsichtigt noch in 2015 erstmalig die Aufnahme einer befristeten Tätigkeit bis zum 31.12. 2015. Die Anzahl der AT ist unter 70, der Verdienst ist unter 450 € im Monat. Damit dürfte Versicherungsfreiheit in 2015 vorliegen. Wenn nun ab 2016 weiterhin in dem Betreibe laufend Arbeitsbedarf besteht und der Pensionär noch Lust hat, wird er vielleicht weiterarbeiten. Tritt dann die normale Pauschalabgabenregelung mit Beitragszahlung (jedoch ohne KV) ab 2016 ein oder ist ggfs. der Arbeitseinsatz in 2015 rückschauend neu zu betrachten??
    Danke vorab.

    Gefällt mir

    • Hallo,

      für die Beschäftigung im Jahr 2016 besteht grundsätzlich erneut die Möglichkeit einer versicherungsfreien kurzfristigen Beschäftigung bis zu drei Monaten bzw. 70 Arbeitstagen. Dies gilt auch, wenn die Beschäftigung bei demselben Arbeitgeber erfolgt. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um eine neue vertragliche Vereinbarung handelt. Wird die im Jahr 2015 begonnene Beschäftigung hingegen lediglich verlängert, liegt von diesem Zeitpunkt an keine kurzfristige Beschäftigung mehr vor. Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung, die in Ihrem Fall auch beitragsfrei in der Krankenversicherung wäre, könnte allerdings immer folgen.

      Gefällt mir

  5. Wie ist das wenn jemand vom 28.09 – 09.10. arbeitet und dabei für September 180 EUR und im Oktober 420 EUR verdient.
    In diesem Fall wäre der Verdienst zwar pro Monat unter 450 EUR, wird dieser dann nicht auf den Monat hochgerechnet und damit wäre eine Abrechnung nach den Minijob-Vorgaben nicht mehr möglich?

    Gefällt mir

    • Bei Minijobs, die auf weniger als einen Monat befristet sind, ist bei der Prüfung der Verdienstgrenze ein anteiliger Monatswert zu errechnen:
      (450 Euro x Kalendertage) / 30 = anteiliger Monatswert.

      In Ihrem Falle würde sich der anteilige Monatswert wie folgt berechnen:
      (450 Euro x 12 Kalendertage) / 30 Tage = 180 EUR.

      D.h. das Arbeitsentgelt für den Beschäftigungszeitraum 28.09. – 09.10. in Höhe von 600 EUR überschreitet den anteiligen Monatswert in Höhe 180 EUR. Es liegt also kein 450-EUR-Minijob vor.

      Es wäre jedoch zu prüfen, ob die Merkmale einer kurzfristigen Beschäftigung gegeben sind. Mehr Infos hierzu auf unserer Homepage.

      Gefällt mir

  6. Guten Tag,
    ihr habt mir schon bisschen weiter geholfen. Trotzdem hätte ich da noch ein paar Fragen.
    Ich möchte eine kurzfristige Beschäftigung ausüben (Befristet, kommt locker nicht über die 70 Tage Grenze, weiß jedoch nicht genau das Endgeld, da es von Stunden abhängig ist)
    Jedoch trete ich zum Oktober mein Duales Studium an, jedoch bekomme ich keinen Gehalt (da es eine Privatuni ist und mein Praxispartner für die Studienkosten der Uni aufkommt. Somit komme ich auf 0). Somit ist dies ja dann für mich gesehen keine berufsmäßige Beschäftigung bzw. es ist vom untergeordneter wirtschaftlichen Bedeutung oder?

    Die andere Frage wäre hierzu:
    Hinweis: Die Familienversicherung von Schulabgängern, die häufig über die gesetzliche Krankenversicherung der Eltern läuft, bleibt meist bestehen – auch wenn der Verdienst die erlaubten 450 Euro übersteigt. Wichtig ist aber, dass der Aushilfsjob von Anfang an zeitlich befristet ist und die geltenden Minijob-Grenzen im laufenden Jahr eingehalten werden.

    Worauf bezieht sich dieser Hinweis genau? Darf ich jetzt doch über 450€ kommen, da mein Job von Anfang an zeitlich befristet ist und ich die Grenze auch einhalte?

    Gefällt mir

    • Hallo Hannah,

      es gibt zwei Arten von Minijobs:
      – 450-Euro Minijob
      – kurzfristiger Minijob

      450-Euro-Minijobs sind geringfügig entlohnte Beschäftigungen. Der Minijobber verdient regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat. Auf die wöchentliche Arbeitszeit und die Anzahl der monatlichen Einsätze kommt es nicht an. Bei einem 450-Euro-Minijob wird Berufsmäßigkeit nicht geprüft.

      Bei kurzfristigen Minijobs arbeitet der Minijobber im Laufe eines Kalenderjahres nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage. Er arbeitet nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich – die Höhe des Verdienstes spielt hier keine Rolle. Bei einer kurzfristigen Beschäftigung mit einem monatlichen Verdienst von mehr als 450 Euro ist allerdings Berufsmäßigkeit zu prüfen. Liegt das Arbeitsentgelt des kurzfristigen Minijobs unter 450 Euro liegt keine Berufsmäßigkeit vor.

      Nach Ihren Angaben beabsichtigen Sie im Oktober ein Duales Studium aufzunehmen. Bei der Ausübung eines kurzfristigen Minijobs mit einem Arbeitsentgelt über 450 Euro liegt Berufsmäßigkeit vor. Dabei ist es unerheblich, wie viel Sie aufgrund Ihres Dualen Studiums verdienen. Die Beschäftigung ist dann versicherungspflichtig und bei Ihrer Krankenkasse anzumelden.
      Üben Sie allerdings einen 450-Euro-Minijob oder eine kurzfristige Beschäftigung mit einem Gesamtentgelt von maximal 450 Euro aus, liegt keine versicherungspflichtige Beschäftigung vor. Die beitragsfreie Mitversicherung in der Familienversicherung bei der Krankenkasse der Eltern bleibt in diesen Fällen weiterhin bestehen.

      Wir hoffen Ihnen weitergeholfen zu haben und verbleiben
      mit freundlichen Grüßen

      Ihr Blog-Team der Minijob-Zentrale

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s