Urlaubszeit ist auch Vertretungszeit

Minijobber helfen oft mit Mehrarbeit aus. Wie wird der Verdienst in einem solchen Fall angerechnet und wie wirkt sich eine mögliche Überschreitung der Entgeltgrenzen aus?

Geld © Kesu / Fotolia

Gelegentliches und unvorhersehbares Überschreiten der Entgeltgrenze
Überschreitet das Arbeitsentgelt in einem bestehenden Minijob regelmäßig 450 Euro im Monat, so handelt es sich ab dem Tag des Überschreitens nicht mehr um eine geringfügige Beschäftigung.
Die geringfügig entlohnte Beschäftigung wird nicht beendet, wenn die Arbeitsentgeltgrenze nur gelegentlich und unvorhersehbar überschritten wird.
Gelegentlich wird so definiert: Ein Zeitraum von bis zu drei Monaten innerhalb eines Zeitjahres.
Auch ein mehr als dreimaliges Überschreiten der monatlichen Entgeltgrenze ist zulässig, wenn die in dem vom Arbeitgeber gewählten Jahreszeitraum geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze von 5.400 Euro eingehalten wird.
Unvorhersehbar ist zum Beispiel ein erhöhter Arbeitseinsatz wegen des krankheitsbedingten Ausfalls eines anderen Arbeitnehmers.

Beispiel 1:
Herr Wegner arbeitet seit dem 1. Januar 2015 regelmäßig gegen ein Entgelt von 200 Euro im Monat in einem Café. In den Monaten Mai, Juni und Juli 2015 erhöht sich sein Entgelt wegen unvorhergesehener Vertretungsfälle auf 800 Euro. Im August 2015 vertritt er zusätzlich einen kranken Kollegen und das Entgelt steigt für diesen Monat auf 1.300 Euro.
Weil der zulässige Jahreswert von 5.400 Euro im Jahr 2015 insgesamt (voraussichtlich) nicht überschritten wird, ist die Anzahl der monatlichen Überschreitungen unerheblich. Ab dem 1. Januar 2015 liegt durchgehend ein 450-Euro-Minijob vor.

Beispiel 2:
Frau Schulz verdient als Haushaltshilfe jeden Monat 450 Euro. Während die Familie im Urlaub ist, soll sie sich weiter um den Haushalt kümmern. Da die Betreuungskraft der im Haus lebenden Schwiegermutter kurzfristig erkrankt ist, übernimmt sie auch diese Tätigkeiten und erhält im Juli 2015 ein Arbeitsentgelt in Höhe von 1.200 Euro.
Die Entgeltgrenze wird hier nur gelegentlich und nicht vorhersehbar überschritten. Die geringfügig entlohnte Beschäftigung besteht fort. Im Einzelfall, wie hier, kann es daher in dem für die Ermittlung des regelmäßigen Arbeitsentgelts maßgebenden Prognosezeitraum zum Überschreiten der monatlichen Arbeitsentgeltgrenze von 450 Euro und auch der jährlichen Arbeitsentgeltgrenze von 5.400 Euro kommen.

Mehr Informationen und Beispiele lesen Sie auf unserer Internetseite.

8 Kommentare zu “Urlaubszeit ist auch Vertretungszeit

  1. Hallo,
    vielen Dank für Ihre Anfrage.

    Die Beschäftigung wurde im Monat Juli 2015 (Bsp. 2) weiter als geringfügige Beschäftigung beurteilt. Daher sind Pauschalbeiträge an die Minijob-Zentrale zu entrichten. Auf unserer Internetseite haben wir diese in einer Übersicht zusammengefasst http://www.minijob-zentrale.de/DE/0_Home/03_mj_in_privathaushalten/04_minijob/04_pauschalabgaben/node.html

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Team der Minijob-Zentrale

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  2. Sehr geehrtes Team der Minijob Zentrale,

    bzgl. des Beispiels 2:

    Wie wird in diesem Fall der Verdienst von 1200 € steuer und solzialversicherungstechnisch bewertet?
    Findet eine Beurteilung nach Minijobkriterien oder nach voller sozialversicherungspflicht statt?

    Besten Dank im Voraus für eine hilfreiche Antwort.

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  3. Liebe Frau Jeske,

    vielen Dank für Ihre Anfrage.

    Die Höhe ist in so einem Falle nicht beschränkt, sollte aber zum Aufwand und den Tätigkeiten passen. Wenn in einem Monat beispielsweise vierzig Stunden pro Woche zustande kämen, sollte das Arbeitsentgelt für diese Tätigkeiten in etwa den üblichen Entgelten für Vollzeitjobs angepasst sein.

    Ein nur gelegentliches und nicht vorhersehbares Überschreiten der Arbeitsentgeltgrenze führt nicht zur Beendigung der geringfügig entlohnten Beschäftigung; als gelegentlich ist dabei ein Zeitraum bis zu drei Monaten (bis 31. Dezember 2014 sowie ab 1. Januar 2019: zwei Monate) innerhalb eines Zeitjahres anzusehen. Der Jahreszeitraum ist in der Weise zu ermitteln, dass vom letzten Tag des zu beurteilenden Beschäftigungsmonats ein Jahr zurückgerechnet wird.

    Sollte bei der Betrachtung des Monats August 2015 für den zurückliegenden 12- monatigen Zeitraum bislang keine dreimalige Überschreitung (Juli + August 2015) vorliegen, kann die Vertretung auf geringfügiger Basis durchgeführt werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ihr Team der Minijob-Zentrale

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  4. Liebes Team der Minijob-Zentrale!
    Ist die „unvorhergesehene“ Überschreitung aufgrund eines sehr kurzfristigen Ausfalles von der Höhe her beschränkt? Hätte die Frau aus Beispiel 2 in der Zeit zum Beispiel auch 2.800 Euro brutto verdienen können? Was passiert, wenn die erkranke Betreuungskraft auch im August noch krank ist? Wie lange kann im Zweifelsfall so eine krankheitsbedingte Vertretung dauern bevor sie kein Minijob mehr ist?
    Vielen Dank im Voraus! Dagmar Jeske

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  5. Hallo, ist denn eine Urlaubsvertretung unvorhergesehen ? Mein letzter Stand laut Auskunft der Minijobzentrale war, dass keine dreimalige Überschreitung möglich ist, wenn es sich um eine Urlaubsvertretung handelt, da der Arbeitgeber hier vorherschauend planen muss.

    MfG
    Seidel

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    • Hallo,

      eine Urlaubsvertretung kann unvorhergesehen sein, wenn z. B. ein Mitarbeiter unbezahlten Urlaub aufgrund seiner privaten Situation nimmt. „Unvorhergesehen“ ist nicht exakt abgrenzbar. Der Jahresurlaub ist vorausschauend einzuplanen, aber es können immer nicht kalkulierbare Umstände eintreten, die zu Mehrarbeit führen – auch im Sinne von allgemeiner Urlaubszeit – und zusätzlich fallen weitere Mitarbeiter aus. Unser Beispiel war nicht ganz klar geschrieben, wir haben dies angepasst. Vielen Dank für Ihre Nachfrage!

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Team der Minijob-Zentrale

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  6. Sehr geehrte Damen u. Herren,
    wie schaut es beim Beispiel 1 aus, wenn der Mitarbeiter im September kündigt? Wird der Jahresdurchschnitt genommen, oder spricht man dann schon v. einem Midijob?

    mfg
    Hans Kaiser

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    • Sehr geehrter Herr Kaiser,

      die zum jeweiligen Zeitpunkt (z.B. Änderung des Arbeitsentgeltes) durchzuführende Prognose erfordert lediglich eine ungefähre Einschätzung, welches Arbeitsentgelt mit hinreichender Sicherheit zu erwarten ist.

      Grundlage der Prognose können dabei lediglich Umstände sein, von denen in diesem Zeitpunkt anzunehmen ist, dass sie das Arbeitsentgelt bestimmen werden. Stimmt diese Prognose infolge nicht sicher voraussehbarer Umstände mit dem späteren Verlauf der Entgeltzahlung nicht überein, bleibt die für die Vergangenheit getroffene Feststellung maßgebend.

      Eine im September 2015 ausgesprochene Kündigung konnte in der Betrachtung August 2015 nicht mit berücksichtigt werden. Somit lag bis zu diesem Zeitpunkt nach der vorgenommenden versicherungsrechtlichen Überprüfung eine geringfügige Beschäftgiung vor.

      Mit freundlichen Grüßen
      Ihr Team der Minijob-Zentrale

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