Minijobber kurbeln die Konjunktur mit an – Neue Studie des IW Köln über ihre Wirtschaftsleistung

Den folgenden Radiobeitrag finden Sie auch hier im Audio-Format:

Ob Putzfrauen, Babysitter oder Gärtner – die Arbeit von Minijobbern wird eher belächelt als gewürdigt. Aber ist die Arbeit der helfenden Hände in Haus und Garten wirklich so unwichtig? Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat genau das untersucht – und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen. Über die Resultate der Studie spreche ich jetzt mit dem Leiter der Minijob-Zentrale, Dr. Erik Thomsen.

Dr. Erik Thomsen, Leiter der Minijob-ZentraleHallo Herr Dr. Thomsen!

Guten Tag, ich grüße Sie!

Herr Dr. Thomsen, Minijobber in Privathaushalten stehen selten im Rampenlicht, schon gar nicht in den Wirtschaftsnachrichten. Was sagt denn die aktuelle Studie über die Wirtschaftsleistung von Putzfrauen und Babysittern?

Die aktuelle Studie besagt, dass die bei der Minijob-Zentrale angemeldeten Minijobber in Privathaushalten in 2013 eine Bruttowertschöpfung von 665 Millionen Euro erzielt haben. Das heißt, dass die Privathaushalte für ihre Beschäftigten Löhne, Steuern und Sozialabgaben in dieser Höhe bezahlt haben.

Sie haben die Zahlen auch für einzelne Bundesländer. Lassen sich regionale Unterschiede erkennen?

Diese Unterschiede lassen sich in der Tat erkennen. Unterschiede gibt es einmal bei der Häufigkeit von Haushaltshilfen. Im Verhältnis gibt es etwa in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dreimal so viele Haushaltshilfen wie beispielsweise in Thüringen oder Sachsen-Anhalt. Ein zweiter Unterschied liegt in der monatlichen Entlohnung. In Bayern oder Hamburg zum Beispiel werden rund 200 Euro im Monat gezahlt. In den neuen Bundesländern liegt dieser Wert bei 130 bis 140 Euro pro Monat.

Was sind die Gründe für die unterschiedliche Entlohnung?

Hier spiegeln sich die Lohnunterschiede wider, die es auch bei sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung gibt. In den neuen Ländern wird immer noch weniger bezahlt als in den alten Ländern, insbesondere in den Hochlohnregionen wie um München herum oder in Hamburg.

Häufig wird im Zusammenhang mit Haushaltshilfen von Schwarzarbeit gesprochen, das heißt, viele Putzfrauen und Babysitter sind nicht bei der Minijob-Zentrale angemeldet. Welche Auswirkungen hat das?

Wir gehen davon aus, dass in Deutschland rund dreieinhalb bis vier Millionen Beschäftige in Privathaushalten schwarz arbeiten. Dadurch entgehen der Finanzverwaltung und der Sozialversicherung zwischen einer und eineinhalb Milliarde Euro pro Jahr.

Welche Vorteile hat denn eine Anmeldung bei der Minijob-Zentrale, sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber?

Der Arbeitgeber hat den Vorteil, dass seine Hilfe unfallversichert ist, dass er die Aufwendungen für den Beschäftigten von der Steuer absetzen kann, und dass er, falls er mal kontrolliert wird, kein Bußgeld zahlen muss. Für den Arbeitnehmer liegt der Vorteil darin, dass er Ansprüche in der Rentenversicherung erhält, und dass er solche Dinge wie Urlaub oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einfacher durchsetzen kann.

Die Vorteile liegen also auf der Hand. Aber wo finde ich denn eine zuverlässige Haushaltshilfe?

Da kann ich die Hörer auf ein neues Angebot der Minijob-Zentrale hinweisen. Seit November findet man unter www.haushaltsjob-boerse.de Stellenanzeigen. Dort kann jeder Haushalt, der eine Haushaltshilfe sucht, suchen oder auch selber eine Anzeige aufgeben und umgekehrt jeder, der gerne im Privathaushalt anderen Familien helfen möchte, ein Stellengesuch aufgeben und nach einer entsprechenden Registrierung auch untereinander Kontakt aufnehmen.

Vielen Dank, Herr Dr. Thomsen, für das Gespräch!

Ich bedanke mich auch.

Die vollständigen Ergebnisse der aktuellen Studie finden Sie übrigens unter www.minijob-zentrale.de. Dort erfahren Sie außerdem mehr über die Anmeldung von Minijobbern im Privathaushalt oder Sie informieren sich einfach im Service-Center unter 0355 2902 70799.

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